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Viersen: Die LVR-Klinik erwirtschaftet Gewinn

Viersen : Die LVR-Klinik erwirtschaftet Gewinn

Die LVR-Klinik Viersen ist wirtschaftlich gesund. 2015 wird aber das Finanzierungssystem geändert – der Landschaftsverband fürchtet, dass dann ein Anreiz entsteht, Patienten zu früh zu entlassen.

Die LVR-Klinik Viersen ist wirtschaftlich gesund. 2015 wird aber das Finanzierungssystem geändert — der Landschaftsverband fürchtet, dass dann ein Anreiz entsteht, Patienten zu früh zu entlassen.

Einen Überschuss von knapp zwei Millionen Euro hat die LVR-Klinik Viersen im vergangenen Jahr erwirtschaftet — etwa eine halbe Million Euro mehr als 2011. "Dass ein Gewinn erwirtschaftet wird, ist für ein gemeinnütziges Krankenhaus unbedingt notwendig", sagt Joachim Müller. Der Wirtschaftsprüfer von BDO hat den Jahresabschluss unter die Lupe genommen. Er weiß, dass viele Kommunen entscheiden, gemeinnützige Krankenhäuser zu schließen, die keine Gewinne machen.

700 Patienten und Bewohner werden pro Jahr in der Klinik behandelt. Die meisten von ihnen sind Patienten in der Erwachsenenpsychiatrie: Die Mehrzahl leidet unter Depressionen, Suchterkrankungen und Angststörungen. Bisher verdient die Klinik vergleichsweise viel Geld damit, diese Patienten zu behandeln. Die Krankenkassen bezahlen für jeden Tag, an dem ein Patient in der Klinik ist, einen bestimmten Betrag.

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Dies wird sich in zwei Jahren ändern. Dann muss sich die Klinik nach einer neuen Verordnung richten, die Gesundheitsminister Daniel Bahr unterschrieben hat. Sie sieht vor, dass eine Kasse abhängig von der Diagnose Geld pro Patient an die Klinik zahlt. Die Klinik erhält zunächst einen kostendeckenden Tagessatz für die Behandlung des Patienten. Gezahlt wird er etwa so lange, wie die Behandlung der Krankheit im Durchschnitt aller psychiatrischen Kliniken in Deutschland dauert.

Ist ein Patient jedoch nach dieser Zeit nicht gesund, wird der Satz gekürzt. Der Landschaftsverband hatte bereits in einer Petition kritisiert, dass so der Anreiz entstehe, Patienten zu früh zu verlassen. Folgen hatte die Kritik des Landschaftsverbands bisher aber nicht. Die Umstellung im LVR auf die Abrechnung von Pauschalen wird nun vorbereiten.

Von Erkrankungen abhängige Pauschalen werden in den meisten Krankenhäusern bereits seit Jahren gezahlt — zum Beispiel in der LVR-Klinik für Orthopädie, die wie die LVR-Klinik auf dem Gelände an der Horionstraße in Süchteln liegt. Die Klinik für Orthopädie hat mehrere Jahre lang Verluste in Millionenhöhe gemacht. Der Landschaftsverband erwog deshalb, sie zu schließen. Die Wende kam durch einen neuen Ärztlichen Direktor und zahlreiche Investitionen, die Patienten in das Krankenhaus lockten. Heute liegt der Verlust bei 27 000 Euro. Fritz Meies (CDU), der stellvertretende Vorsitzende des zuständigen Ausschusses im Landschaftsverband, lobte dies ausdrücklich.

Lukrativ ist es für Krankenhäuser seit der Einführung der Pauschalen vor allem, komplizierte Behandlungen durchzuführen. "Mit Blinddarm-OPs kann sich heute kein Krankenhaus mehr über Wasser halten", sagt der Wirtschaftsprüfer Müller. Die Erstattungsbeträge der Krankenkassen reichten bei solchen einfachen Operationen nicht aus, um die Kosten zu decken und für ein ausgeglichenes Ergebnis zu sorgen.

Fritz Meies sieht aber auch positive Aspekte der pauschalen Abrechnungen. "Heute wird das Krankenhaus gezwungen, nachzudenken, ob etwas wirklich notwendig ist", sagt er. Auch die Belegzeiten sind kürzer geworden — heute müsse kaum jemand wegen einer Blinddarm-Operation zehn Tage im Krankenhaus liegen. Meies findet das gut.

Allerdings fragen sich Meies und Müller, ob die Pauschalen auf die Psychiatrien übertragbar sind. "Ich denke, es könnte zu einem Drehtüreffekt kommen", sagt Müller: Die Patienten würden aus wirtschaftlichen Gründen früh entlassen und kämen dann aus medizinischen bald ins Krankenhaus zurück. "Es muss eine Form gefunden werden, so etwas zu verhindern", mahnt Meies.

(RP)