Mein Verein Reit- Und Fahrverein Lobberich: Die Liebe zum Pferd verbindet

Mein Verein Reit- Und Fahrverein Lobberich: Die Liebe zum Pferd verbindet

Große Turniere, Voltigieren und die Schaubildgruppe sind die Markenzeichen des Vereins mit Sitz an der Lüthemühle. Mehr als ein Drittel der Mitglieder sind Kinder, aber auch immer mehr Erwachsene steigen in den Sattel

Lobberich "Wir haben alle die Seuche", scherzt Karl-Heinz Giebmann und zeigt um sich: Reiter auf dem Platz, Pferde lugen aus den Stallfenstern, Frauen reinigen Sättel und Decken. "Ich meine, ist doch klar, uns eint die Liebe zu Pferden, die Freude am Reiten", beschreibt der Reitmeister die Motivation, sich im Reit- und Fahrverein Lobberich zu engagieren. Von dieser "Seuche" sind 313 Kinder, Jugendliche und Erwachsene befallen: Sie alle sind Mitglieder im Verein.

Viel Leben an diesem Abend auf dem weitläufigen Gelände an der Lüthemühle in Lobberich: Reiter mit ihren Pferden in der Halle und auf den Wegen, auf dem großen Platz drehen Reiterinnen ihre Trainingsrunden. "Mädchen und Frauen sind eindeutig in der Überzahl im Verein", sagt Frank Andreas Heublein (44). Der Vorsitzende lächelt und fügt hinzu: "Aber unter den aktiven Reitern, die bei Turnieren mitmachen, sind die meisten männlich, auch wenn sich der Trend langsam umkehrt." Zusammen mit zwei Vereinsmitgliedern schaut er beim Training zu: Wilhelm Tobrock (67), Turnierorganisator und ehemaliger Vorsitzender, sowie Karl Giebmann, international renommierter Meistertrainer.

Die drei Herren erzählen von ihrem Verein und geraten dabei langsam aber sicher ins Schwärmen: "Wir sind der größte Reitverein in der Region, und unsere Turniere gehören zu den bedeutendsten im Rheinland", sagt Vorsitzender Heublein. Für eine Mitgliedschaft bei den Lobberichern müsse man kein eigenes Pferd haben. Mehr als ein Drittel der Mitglieder seien Kinder.

Foto: RFV Lobberich

Das Renommee des Clubs fuße aber nicht allein auf Turniererfolgen und eigenen Veranstaltungen, ergänzt Tobrock: "Unsere Schaubildgruppe ist jedes Jahr beim CHIO in Aachen dabei, einem der wichtigsten internationalen Turniere. Dort treten wir dann schon mal mit einem Sinfonieorchester auf."

Die Schaubildgruppe gehört zu den Besonderheiten, die den Reit- und Fahrverein Lobberich ausmachen: "Das ist so zu sagen Tanztheater mit Pferden, immer mit neuen Themen und Choreographien, unsere Gruppe hat schon manche bedeutende Preise gewonnen", erzählt Giebmann.

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Ein anderes Markenzeichen des Vereins erklärt er als "Turnen mit Pferden", das Voltigieren nämlich, das bei Tierschützern allerdings keinen guten Ruf genießt. "Na ja, früher mag dabei vielleicht hart mit Pferden gearbeitet worden sein, aber seit Jahrzehnten steht eindeutig das Tierwohl im Vordergrund", stellt Giebmann klar.

Verantwortungsvoller Umgang mit den Pferden sei eine Maxime im Reitsport, sagt auch Tobrock. "Sich um Tiere zu kümmern, schon im Kindesalter, das führt zu hoher Sozialkompetenz, die sich auch auf das Vereinsleben auswirkt", sagt er. Beispielhaft sei "die rege Teilnahme bei den Jugendfahrten, bei Ausflügen und Feiern oder bei der Pflege der Reitwege im Grenzwald". Und ohne das große Engagement vieler Mitglieder sei auch die Durchführung der großen Turniere kaum zu schaffen, die häufig rund 10.000 Zuschauer anlockten.

"Diese Turniere sind natürlich auch gut für das Image der Kommune, die sich gern reiterfreundliche Stadt nennt. Viele, auch die Gastronomie, profitieren davon", meint Heublein. Weshalb es auch Kritik im Verein gebe. So kassiere die Stadt zwar "fleißig Gebühren für Schilder und Straßenabsperrungen bei Turnieren", aber Wertschätzung erfahre man nicht: "Wir würden uns freuen, wenn die Stadt Nettetal auch mal einen Preis oder einen Pokal stiftet", heißt es aus Vorstandskreisen.

Dass der Verein auch ohne solche Unterstützung groß und aktiv sei und weiter wachse, hänge auch mit der günstigen ländlichen Lage an der Lüthemühle zusammen, sagt Giebmann: "Seen und Wälder ringsum, da wird Reiten zum Naturerlebnis." Zudem entdeckten verstärkt ältere Erwachsene ihr Interesse am Reitsport neu und ließen sich beim Reinschnuppern im Verein "von der Seuche anstecken", berichtet Giebmann.

(jobu)