Viersen: Die Klimaschutzsiedlung ist fast fertig

Viersen: Die Klimaschutzsiedlung ist fast fertig

Die ersten Mieter können voraussichtlich im August in Viersens ökologischstes Wohnquartier ziehen. Eineinhalb Jahre später als geplant — dennoch sind die Bauherren zufrieden. Sie investieren rund elf Millionen Euro

Dunkelgrüner Naturstein im Hausflur, eichenfarbener Edel-PVC in Laminat-Optik in den Wohnräumen: Die Böden im Neubau an der Oststraße 2 in Viersen sind schon verlegt. Die Wärmepumpe und der 20.000 Liter fassende Pufferspeicher sind eingebaut, Viersens erste Klimaschutzsiedlung hat auch schon eine Photovoltaikanlage mit Solarzellen, die 450 Quadratmeter Dachfläche bedecken. "Aber wir sind leider noch nicht ganz fertig", sagt Heinz Fels, Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft Viersen. Im August, spätestens September, könnten die Mieter einziehen. Bisher hat die Wohnungsgenossenschaft als Bauherr 7,7 Millionen Euro investiert - rund drei Millionen kommen noch dazu, schätzt Fels.

450 Quadratmeter Dachfläche der drei Passivhäuser sind mit Solarzellen bedeckt. Foto: Knappe Jörg

Vor vier Jahren hatte die Wohnungsgenossenschaft die um 1900 errichteten Häuser zwischen Krefelder Straße, Oststraße und Hülsdonk abreißen lassen. Ende 2014 sollte auf der Fläche mit dem Bau der ersten Klimaschutzsiedlung in Viersen begonnen werden, im Herbst 2016 sollte sie fertig sein. "Es musste etwas umgeplant werden", sagt Fels. Denn irgendwann entschlossen sich die Bauherren, die Siedlung nach den Standards "Effizienzhaus 40plus" der Kreditanstalt für Wiederaufbau zu planen - und musste damit höhere Standards erfüllen. So mussten etwa die Photovoltaikanlage und Batteriespeicher ergänzt werden.

Auch eine Wärmepumpe gehört zum Energiekonzept. Die Mess- und Regeltechnik hat 200.000 Euro gekostet. Foto: Knappe Jörg

"Das Energiekonzept sieht vor, dass wir im Jahr 70.000 bis 80.000 Kilowattstunden Strom erzeugen", sagt Fels. "Wir rechnen damit, dass im Jahr 40.000 bis 50.000 Kilowattstunden verbraucht werden", ergänzt er und betont: "Wir sind ein emissionsfreies Haus." Die Wohnungsgenossenschaft verkauft den Strom, der nicht benötigt wird, an den Energieversorger NEW. Die Erträge würden den Mietern rückvergütet, sagt Fels.

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Spatenstich war im Januar 2017, Richtfest im September: Am Freitag führten Fels, seine Vorstandskollegen Günter Neumann und Georg Maria Balsen einige Mitarbeiter der Wohnungsgenossenschaft und Mitglieder des Aufsichtsrats durch die fast fertige Siedlung. Adressen haben die drei Passivhäuser mit insgesamt rund 3200 Quadratmeter Wohnfläche schon: Oststraße 2-14 und Hülsdonk 7-9. Zu 75 Prozent seien die 48 barrierefreien Wohnungen bereits vermietet, berichtete Fels. In den Häusern befinden sich drei bis zu 30 Quadratmeter große Appartements, 33 Zweiraumwohnungen (49 bis 79 Quadratmeter), acht Dreiraum- (72 bis 97 Quadratmeter) und vier Vierraumwohnungen (95 bis 109 Quadratmeter).

Pro Quadratmeter zahlen die Mieter 8,50 Euro netto, "9,30 Euro warm inklusive Heizung und Warmwasser", sagt Balsen. Fels geht davon aus, dass die zentrale Stromversorgung im Jahr 12.000 Euro kostet. Sollte sich in den kommenden fünf Jahren abzeichnen, dass die Wohnungsgenossenschaft deutlich mehr ausgeben muss, könnten dann für die Mieter doch gesonderte Strom-Nebenkosten anfallen. "Aber wenn wir einen Überschuss haben, wird die Hälfte davon als Rücklage für die Bewohner eingestellt", sagt Fels.

Von dem Geld könnten dann zum Beispiel Feste ausgerichtet werden - im neuen Gemeinschaftsraum mit eigener Teeküche und angrenzenden Toiletten im Haus an der Oststraße 2. Nutzen können diesen alle Bewohner der Klimaschutzsiedlung, denn in alle drei Haustür-Schlösser passen die gleichen Schlüssel. Auch ein Elektro-Auto können sie sich teilen: Die Wohnungsgenossenschaft plant ein Carsharing-Modell.

(RP)
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