Die Geschichte von Haus Clee in Waldniel

Schwalmtaler Geschichte : Das Haus Clee des Josef Kaiser

Für das neue Heimatbuch des Kreises Viersen ging der Waldnieler Heimatforscher Karl-Heinz Schroers der Geschichte der Villa nach, die in den 1930er-Jahren nach den Wünschen des Kommerzienrats Josef Kaiser errichtet wurde.

Wer das Bethanien Kinderdorf an der Ungerather Straße in Waldniel heute besucht, wird unweigerlich angezogen von Haus Clee, dem Herrensitz im Herzen eines weitläufigen Parks. In die Villa, die einst dem Viersener Kommerzienrat Josef Kaiser (Kaiser’s Kaffee) gehörte, sind vor einigen Jahren wieder Schwestern des Ordens der Dominikanerinnen von Bethanien eingezogen, nachdem der Orden das Gebäude über Jahre für seine Verwaltung genutzt hatte. Als die Schwestern kamen, wurden Wände aus Gipskarton eingezogen, die die repräsentativen Räume, die Josef Kaiser einst mit seiner Familie nutzte, verkleinerten. Doch grundlegende Elemente des Hauses blieben unverändert. „Wollte man den vorherigen baulichen Zustand wiederherstellen, so bräuchte man nur diese Trennwände zu entfernen und man hätte wieder das Haus Clee des Kommerzienrates Kaiser“, erklärt Karl-Heinz Schroers.

Für das aktuelle Heimatbuch des Kreises Viersen, das soeben für das Jahr 2019 erschienen und ab sofort im Buchhandel erhältlich ist, hat sich Schroers mit der Geschichte von Haus Clee beschäftigt. Es ist nicht das erste Mal, dass der Waldnieler Heimatforscher das ortsbildprägende Gebäude in den Blick nimmt. Hatte Schroers für einen Beitrag im Heimatbuch 2018 schon beschrieben, wie sich Haus Clee vom Rittergut des 14. Jahrhunderts zur Industriellen-Villa eines Eduard Rosbach entwickelte, so hat der Waldnieler jetzt praktisch die Fortsetzung geschrieben.

Von der Villa des Eduard Rosbach ist nicht viel geblieben: 1911 erwarb Josef Kaiser die „Villa Rosbach auf Clee“ und nutzte das Anwesen zunächst mit seiner Familie – Ehefrau Juli und den Kindern – als Sommersitz. Die Villa an der Lindenstraße in Viersen behielt die Familie bei. Anfang der 1930er-Jahre fasste Kaiser den Plan, Haus Clee zu seinem Dauerwohnsitz zu machen, schreibt Schroers. Doch dafür musste das Haus umgebaut werden.

Kaiser beauftragte den renommierten Architekten Theodor Edwin Merrill, der Kaiser schließlich davon überzeugte, dass es „zweckmäßig war, den alten Bau abzureißen und an seiner Stelle ein neues Haus zu errichten, bei dessen Planung von vornherein auf die veränderten Wohnbedürfnisse und gute Beheizbarkeit Rücksicht genommen werden konnte“, erklärt Schroers. Daraufhin wurde die „Villa Rosbach auf Clee“ abgerissen, nur die Grundmauern blieben stehen. Auf ihnen errichtete Merrill das neue Herrenhaus für die Familie Kaiser – das Gebäude, das heute noch steht. Und wer sich mit Schroers auf die Spur Josef Kaisers begibt, der findet im heutigen Haus Clee noch Details der einstigen Innenausstattung: die in aufwendigen Mustern im Obergeschoss verlegten Parkettböden, über die Josef und Julie Kaiser schritten, die prächtige Treppe, Sandstein-Reliefs von Heinrich Schiestl – und vor dem Eingang die beiden Marmor-Löwen, die einst vor der Viersener Stadtvilla standen, bevor Kaiser sie nach Waldniel bringen ließ.

Neben Schroers haben sich viele weitere Autoren für das neue Heimatbuch den verschiedensten Themen gewidmet. Unter anderem geht Theo Optendrenk der Geschichte eines Wappensteins nach, der lange an der Toreinfahrt des Brockerhofs in Lobberich angebracht war und sich heute in der Alten Kirche befindet. Arie Nabrings zeichnet den Weg des Viersener Pfarrers Emil Friedrich Totzeck nach, Leo Peters beschäftigt sich mit Leben und Wirken des 2017 verstorbenen Oberkreisdirektors Rudolf H. Müller. Wer sich für Heimatgeschichte interessiert, findet im Buch auf rund 400 Seiten viele weitere spannende Aufsätze. So beschäftigt sich Marcus Ewers mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das früher auf dem Alten Markt in Dülken stand, Paul Schrömbges erläutert die Veränderungen der Kommunalgrenzen im Landkreis Kempen-Krefeld in den 1930er-Jahren, und Ludger Peters berichtet aus der Geschichte Leuths zwischen 1926 und 1969. Der Hochaltar der Leuther Kirche steht im Mittelpunkt eines weiteren Beitrags, den Klaus Niehr verfasst hat. Ralf Hendrix berichtet von 25 Jahren Kunstsymposien in Hinsbeck, Ansgar Reichmann beleuchtet die 30-jährige Geschichte der Biologischen Station Krickenbecker Seen, und Stefani Pleines und Ernst Holthausen spüren den Fledermäusen im Kreis Viersen nach.

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