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Viersen: Die Gerste muss vom Halm

Viersen : Die Gerste muss vom Halm

Ernst 2012: Bei den Getreidepreisen erwartet Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, eine durchaus freundliche Entwicklung. Aber: "Abgerechnet wird aber erst, wenn die Ernte im Sack ist."

Jetzt brummen bald wieder die ersten Mähdrescher über die gelben Felder im Kreis Viersen, um zunächst die Wintergerste zu dreschen. "Die Bauern brauchen jetzt drei Wochen gutes Wetter, damit sie die Ernte sicher unter Dach und Fach bringen können", betont Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen. Vor allem trocken müsse es sein, um die Ernte zügig und reibungslos einzufahren.

"Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauern Scheun' und Fass — in diesem Jahr ist auf die Bauernregel Verlass", glaubt der Vorsitzende und erklärt: "Das Wetter während der Vegetationszeit war im Rheinland gut für die Pflanzen. Nach dem kurzen Wintereinbruch war es zunächst kurz trocken, aber dann kam der Regen im Gegensatz zum vergangenen Jahr doch noch rechtzeitig.

Bis heute sind zwar erst 73 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge gefallen, aber hierbei kommt es auch auf die zeitliche Verteilung an, nicht nur auf die Menge", erklärt Küskens. In einigen Regionen hätte der späte Frost im Februar allerdings Winterschäden verursacht. In Nordrhein-Westfalen mussten 60 000 bis 70 000 ha der Getreidefelder neu eingesät werden — das Rheinland sei im Großen und Ganzen aber noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen.

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Wetterkapriolen

"Abgerechnet wird aber erst, wenn die Ernte im Sack ist", warnt der Kreisvorsitzende vor frühzeitiger Euphorie. "Denn ein Sturm mit Hagel oder andere Wetterkapriolen können für den Einzelnen die Ernte vollkommen vermiesen. Daher ist das Endergebnis - sowohl Ertragsmenge, als auch der Preis — noch nicht umfassend kalkulierbar." Bei den Getreidepreisen erwartet der Kreisvorsitzende zur Ernte 2012 eine für die Ackerbauern durchaus freundliche Entwicklung. "Dies hat mit der Entwicklung auf den Weltagrarmärkten zu tun - Getreide ist dort augenblicklich ein gesuchter Rohstoff", hebt Küskens hervor.

Denn während aufgrund der guten Bodenqualität im Rheinland im Durchschnitt der Jahre und wohl auch 2012 stabile Getreideerträge gedroschen werden, komme es in vielen anderen Ländern immer wieder zu Produktionsausfällen — sei es aufgrund von Auswinterung, Trockenheit, Brand oder Nässe. Dies gelte auch für viele Regionen in Deutschland und der Europäischen Union, so dass die Ernteprognose für die diesjährige Ernte in der EU deutlich unter dem Vorjahr läge. Schlechtere Ernten erwarteten die Marktexperten auch für die USA, die Schwarzmeerländer und Russland, so Landwirt Küskens.

"Die weltweit knappe Versorgungslage macht es umso notwendiger, intensiv und kritisch darüber zu diskutieren, ob die Strategie der Europäischen Kommission, die Bauern im Rahmen des geplanten Greenings zu einer extensiven Bewirtschaftung zu drängen, oder sogar Flächen aus der Produktion herauszunehmen, sinnvoll ist. Hier muss die Politik einlenken und ein klares Bekenntnis für die landwirtschaftliche Produktion abgeben", fordert der Vorsitzende.

(RP/rl)