Die Frau mit dem Balkon zur Festhalle Viersen - Petra Barabasch leitet die Kulturabteilung

Mensch & Stadt : Die Frau mit dem Balkon zur Festhalle

Petra Barabasch war im alten DDR-Wohnwagen in der Bretagne unterwegs, als sie sich für die Leitung der Kulturabteilung der Stadt Viersen bewarb. Die 49-Jährige will neue Orte in Viersen bespielen.

Petra Barabasch ist gerade aus Düsseldorf zurückgekommen, geht beschwingt übers gemütlich knarrende Fischgrät-Parkett in ihrem Büro neben der Festhalle. Die Leiterin der Viersener Kulturabteilung hat gute Nachrichten aus der Landeshauptstadt mitgebracht: „Im nächsten Jahr wird das Tanzfestival NRW in Viersen eröffnet“, sagt sie und strahlt. Ein ansteckendes Strahlen.

Lange hat Barabasch – Jahrgang 1970 – selbst in Düsseldorf gearbeitet; im Kulturamt als stellvertretende Teamleiterin, um genau zu sein, bevor sie im Juli 2019 nach Viersen wechselte. „Weil man hier etwas bewegen kann“, sagt sie. Freilich: Was sie bewegen kann, das wird man erst in Zukunft sehen – denn die Programme für Festhalle, Galerie & Co. waren natürlich schon vor ihrer Ankunft in Viersen in trockene Tücher gebracht. Mit einer Postkarte haben ihre Mitarbeiter die neue Chefin damals begrüßt. „Morgens Zirkus, abends Theater“, steht da drauf. Und das trifft’s ja irgendwie ziemlich gut. Vormittags Verwaltungsgemöhre, am Abend dann die Aufführungen. Zuletzt saß Barrabasch bei „Aida“ in der Festhallenloge.

Dass das für eine 75.000-Einwohner-Stadt sehr umfangreiche Kulturprogramm mit einem gerade mal zehn Mitarbeiter zählenden Team auf die Beine gestellt wird, nötigt ihr auch nach Monaten im Amt Respekt ab. „Das geht nur, weil die Mitarbeiter mit Herzblut dabei sind“, sagt sie.

Die Kultur ist Petra Barabasch schon früh ans Herz gewachsen. Was vielleicht auch daran liegt, dass sie in einem 8500-Einwohner-Kaff in Rheinland-Pfalz aufgewachsen ist, nah an der Landesgrenze zu Baden-Württemberg. In der Kultur fand sie eine Möglichkeit, ihren Horizont zu weiten. Schon als Schülerin zog es sie in ein kleines freies Theater im fünf Kilometer entfernten Karlsruhe. „Ich mochte das, diese eigene Welt“, sagt sie. Künstler seien spannend. Sie weiß das. Ihr Mann ist Musiker. Und sie selbst stand auch schon auf der Bühne. „Aber nur als Zweitbesetzung“, winkt sie ab.

Als Kind lernte Barabasch Orgel spielen. Und Schlagzeug. Letzteres im schallgedämmten Keller ihres Elternhauses. Heute spielt sie gemeinsam mit ihrem Mann: Sie Orgel, er Dudelsack. Für die Aufgabe in Viersen bewarb sie sich, als sie gerade gemeinsam in der Bretagne unterwegs waren, Landschaft, Leute, Essen, kleine Festivals genießen. „Ich habe ein halbes Sabbatjahr gemacht, mit meinem Mann sind wir in einem alten DDR-Wohnwagen erst nach Irland gefahren, haben dort in den Pubs Musik gemacht, später sind wir dann nach Frankreich rüber.“

Musik, Theater – aber Kultur ist ja so viel mehr. In ihrem Büro hängt ein Werk von Gesine Kikol an der Wand, „Frühstück im Grünen mit Tieren“. Im Düsseldorfer Kulturamt betreute sie die Bildende Kunst, war bei internationalen Kooperationsprojekten wie den „Düsseldorfer Tagen“ in Moskau vor Ort, kümmerte sich um Künstler-Austauschprogramme. In Viersen ist sie natürlich Jurymitglied für das Kunstgenerator-Stipendiat. Und werkelt an den neuen Programmen. Ab dem Sommer wird sich ihre Handschrift zeigen.

Fürs Jazzfestival plant sie zwei Highlights, „eins am Freitag, eins am Samstag“. Einmal einen reinen Jazz-Act, einmal etwas anderes. Und das sonntägliche Familienprogramm will sie mit einer Matinée aufwerten.

Und was ist mit den Abo-Reihen für die Festhalle? „Die laufen sehr gut, kein Grund, da etwas von heute auf morgen zu ändern“, sagt Barabasch. Wichtig sei ihr aber Qualität.

Die Frage treibt sie um, wie man junges Publikum in Festhalle und Galerie zieht. „Viersen hat mit Fidolino und dem Kulturkarussell ein sehr sehr gutes Kinder- und Jugendprogramm im Angebot“, sagt Barabasch. Anders sehe es für die älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus. „Da überlege ich, neue Orte zu bespielen, rauszugehen aus der Festhalle.“ Eine Idee für einen spannenden Kulturort: das Jugendstilbad. „Ich denke da an Tanz“, sagt Barabasch und strahlt wieder dieses ansteckende Strahlen.

Auf der Suche nach Ideen tauscht sie sich mit anderen aus. „Viersen ist ja Mitglied im Arbeitskreis Regionalkultur Niederrhein – und spannend ist, dass in vielen Städten fast zeitgleich die Leitungen gewechselt haben“, sagt Barabasch. Nicht nur in Viersen, auch in Krefeld und Mönchengladbach sitzen neue Leute auf den Chefsesseln in den Kulturämtern. Ihre Erfahrung: Aus Gesprächen entwickeln sich oft reizvolle Projekte. Das sind interessante Aussichten.

Eine interessante Aussicht genießt übrigens auch Barabasch: Ihr Büro mit den holzgetäfelten Wänden hat einen Balkon mit Blick auf die Viersener Festhalle.