Mühlentag am Pfingstmontag: Die Bongartzmühle ist eine Idylle am Hammer Bach

Mühlentag am Pfingstmontag : Die Bongartzmühle ist eine Idylle am Hammer Bach

Als Familie Büschges 1980 zum ersten Mal einen Blick in das Innere der Bongartzmühle warf, war sie schockiert: Vieles war verfallen, es lagen Müll und Unrat herum, und durch das kaputte Dach hatte es jahrelang herein geregnet. Deswegen war das Mühlwerk aus Holz verfault.

Trotzdem kauften Rolf und Gertraud Büschges 1981 die Mühle, das dazugehörige Gesindehaus und die Scheune für damals knapp 80 000 D-Mark von der Stadt Viersen. Am Pfingstmontag, 9. Juni, kann die Bongartzmühle besichtigt werden: Sie gehört zu insgesamt sechs Mühlen im Kreis, die beim Deutschen Mühlentag ihre Türen für Besucher öffnen.

Heute erinnert nichts mehr an den Zustand, in dem die Mühle war, als die Familie Büschges sie kaufte: Damals stand sie schon seit vier Jahren leer. Die Stadt hatte wegen der Baufälligkeit Fenster und Türen zugemauert und verbarrikadiert. Trotzdem hatten Obdachlose und Vagabunden die Mühle als Unterschlupf genutzt. Schon nach einem Jahr hatten die Büschges' die Mühle so weit restauriert, dass sie einziehen konnten. Bis heute finanzieren sie den größten Teil der Sanierung noch privat. "Das geht nur, wenn Spaß an so etwas Altem hat", sagt Gertraud Büschges.

Und alt ist die Mühle: 1246 ist die Bongartzmühle zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Heute ist sie ein idyllischer Ort am Hammer Bach, wo einst noch fünf andere Mühlen standen. Leise plätschert das Wasser entlang des Hauses, das Mühlrad dreht sich stetig, und der Blick geht auf den Mühlenweiher, der um die Jahrtausendwende als Regenrückhaltebecken neu angelegt wurde.

Das Rad ist ein reines Schaurad, erklärt Rudolf Büschges (51), Sohn von Gertraud und Rolf Büschges. Es läuft schon seit den 1930er-Jahren mit Elektrobetrieb. Im Inneren der Mühle befinden sich zwei Mahlgänge. Zum diesjährigen Mühlentag zeigt Büschges das restaurierte Getriebe zum ersten Mal. Zehn Jahre hat es gedauert, bis alle Teile zusammengetragen waren und das Getreibe originalgetreu rekonstruiert werden konnte.

In der Scheune hat er ein kleines Mühlenmuseum eingerichtet. Dort zeigt er 22 Schrotmühlen aus den 1920er-Jahren bis in die Nachkriegszeit. Der gelernte Werkzeugmacher hat die alten Schätzchen auf der Internetverkaufsplattform Ebay für wenige Euro ersteigert. "Der Transport war meist teurer als der Kauf", sagt er und schmunzelt. Er repariert die Mühlen und versieht sie mit einem Elektromotor. Zum Mühlentag wird er eine alte Schrotmühle vorführen, damit Kinder sehen können, wie das Mahlen funktioniert.

Das selbstgemahlene Mehl darf er zwar wegen der strengen deutschen Hygienevorschriften nicht verkaufen, aber seine Mutter darf es zum Backen verwenden. Am Mühlentag gibt es ihren beliebten Reiskuchen. "Der ist immer als erstes aufgegessen", sagt sie und lacht.

Die Bongartzmühle, Bachstraße 39, in Viersen ist am Pfingstmontag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen zu den übrigen Mühlen gibt es unter www.muehlen-dgm-ev.de. Franziska Hein

(RP)
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