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Dialyse-Bedarf im Kreis Viersen steigt

Viersen : Dialyse-Bedarf im Kreis Viersen steigt

Viele Diabetes-Patienten sind auf eine regelmäßige Blutwäsche angewiesen. Im neuen Nierenzentrum im Dülkener Businesspark Ransberg können bis zu 53 Patienten zeitgleich behandelt werden

Diabetes ist eine moderne Zivilisationskrankheit. Bei Diabetikern sind die Nieren besonders gefährdet. Viele Patienten sind darauf angewiesen, sich regelmäßig einer Blutwäsche zu unterziehen. Das ist ein Grund dafür, warum Dialyse-Stationen wie Pilze aus dem Boden schießen. Bestes Beispiel hierfür ist das neue Nierenzentrum im Businesspark auf dem Dülkener Ransberg. Das Medizinische Versorgungs-Zentrum (MVZ) DaVita Viersen, so der offizielle Name, ist im April in Betrieb genommen worden.

Beim Tag der offenen Tür am Samstag vergewisserten sich mehrere 100 Besucher von der Leistungsfähigkeit des Zentrums, das im 1. Stock eine Diabetologische Schwerpunktpraxis beherbergt. Der Betreiber, die DaVita Medical Group, hat den Standort Ransberg bewusst gewählt, um im Verbund mit den DaVita-Dialyse-Stationen AKH Viersen und Städtisches Krankenhaus Nettetal eine Lücke im medizinischen Versorgungsnetz zu schließen.

„Hier in Dülken können 53 Patienten zeitgleich betreut werden“, berichtet Dr. Sven Herrnberger, der Ärztliche Leiter des MVZ. Zusammen mit Pflegedienstleiter Manfred Kamps und dem 70-köpfigen Team aus sechs Ärzten (Nephrologen), Pflegern, medizinischen Fachangestellten und sonstigen Kräften führen die Nieren-Experten die Besucher durch die transparent und hell gehaltenen Räumlichkeiten des viergeschossigen Würfelbaus.

Die Klinik wird energetisch weitgehend durch eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach betrieben. Das komplette Erdgeschoss ist für die Patienten reserviert, die dreimal in der Woche meist mit dem Taxi zur Blutwäsche gebracht werden. Glasfronten statt verstellender Wände verschaffen Ärzten, Pflegern und Patienten für alle acht Räume à sechs Betten den Durchblick. Ein weiterer Grund, warum solch eine Dialysestation für die Region wichtig ist: „Die Menschen werden immer älter, folglich steigt die Zahl der Dialysepatienten“, berichtet Pfleger Thomas Gutwin bei einer Führung.

In der Regel werden die Patienten vier Stunden an ein Dialysegerät angeschlossen, wobei dann 50 bis 60 Liter Blut gewaschen werden. Durch die drei Standorte Viersen, Dülken und Lobberich könne der steigende Bedarf auf einem hohen Niveau abgedeckt werden. Besucherin Renate Wicht (80) aus Schaag, die seit zweieinhalb Jahren Dialyse-Patientin ist und bei Pommes und fetziger Musik der Band The Speedos die Eröffnungsparty mit ihrer Tochter Yvonne genießt, ist neben der medizinischen Versorgung das gesellige Miteinander in der Klinik wichtig. „Hier herrscht eine gute Atmosphäre, das Personal ist sehr zuvorkommend, man tauscht sich aus.“

Das Vertrauen, das Dialyse-Patienten „ihrer“ Station entgegenbringen, bringt MVZ-Leiter Sven Herrnberger in seiner Begrüßungsrede auf den Punkt: „Das Outdoor-Mobiliar, auf dem Sie sitzen, hat ein verstorbener Patient gespendet, den unsere Klinik sieben Jahre versorgt hat.“

Im Businesspark Ransberg läuft es in der Dialyse mithin seit zwei Monaten rund. „Auch“, so betont Herrnberger, „dank der Unterstützung der Stadt Viersen und von Wirtschaftsförderer Thomas Küppers“. Das erste Obergeschoss mit einer Facharztpraxis für Nierenheilkunde, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen ist die „perfekte Ergänzung“ zur Station im Erdgeschoss.

Ganz oben, im 4. Stock, befindet sich auf 450 Quadratmetern ein Konferenz- und Seminarzentrum für Veranstaltungen mit 14 bis 150 Teilnehmern. Allerdings sucht DaVita für das zweite Obergeschoss noch Praxen für circa 630 Quadratmeter. „Wir sind hier völlig offen. Ansiedeln können sich ärztliche Kollegen oder Firmen mit medizinischem Bezug“, berichtet der ärztliche Leiter des Zentrums.

(akü)