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Viersen: Der Wunsch nach Akzeptanz und Verständnis

Viersen : Der Wunsch nach Akzeptanz und Verständnis

Die Psychiatrische Hilfsgemeinschaft Viersen (PHG) blickt auf eine erfolgreiche Arbeit zurück.

Was vor 40 Jahren mit einem einfachen Wohnhaus für psychisch kranke Menschen startete, die einst in den Rheinischen Kliniken Viersen lebten, ist heute eine Gemeinschaft mit unterschiedlichsten Angeboten für betroffene Bürger sowie ihre Angehörigen geworden. Die Psychiatrische Hilfsgemeinschaft Viersen (PHG) kann auf erfolgreiche Arbeit zurückblicken, wie jetzt bei den Jubiläumsfeierlichkeiten deutlich herausgestellt wurde.

Seinen Anfang nimmt alles am 19. März 1975. An diesem Datum findet die erste Mitgliederversammlung statt, wobei die Idee aus der Süchtelner Klinik kommt. Zu den ersten Aktivitäten gehört die Gewinnung von Laienhelfern und die Umgestaltung eines Wohnhauses an der Viersener Goeterstraße in eine Wohngemeinschaft. Schon ein Jahr später beziehen die ersten sechs psychisch Kranken die Wohngemeinschaft. "Wobei es damals nur Männer waren", berichtet Stefan Corda-Zitzen, Geschäftsführer des Sozialpsychiatrischen Zentrums Viersen.

Im Januar 1977 wird der erste Bus gekauft, der den Patienten der Klinik für Freizeitaktivitäten zur Verfügung steht. Die kostenlose Rechtsberatung für die Patienten ist ein weiteres Angebot. 1981 ist das Jahr, in dem die erste Wohngemeinschaft für Frauen ins Leben gerufen wird. An der Eichenstraße finden vier Frauen ein Zuhause. Ein wichtiger Schritt erfolgt 1983. Die PHG stellt die erste hauptamtliche Sozialarbeiterin ein. Im Laufe der Jahre können Klinikpatienten weitere Wohnungen zur Verfügung gestellt werden und es kommt zur Einstellung weiterer Fachkräfte.

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"Ein Meilenstein ist 1988 die Eröffnung der Kontakt- und Beratungsstelle an der Josefstraße", berichtet Corda-Zitzen. Das Angebot einer Angehörigengruppe, die Eröffnung des Sozialpsychiatrischen Zentrums, die Zweigstelle in Willich, der Start der Tagsstätte, die flexiblen Erziehungshilfen in Familien mit einem psychisch kranken Elternteil, die Gründung der Tochtergesellschaft, das Tagesstrukturangebot - im Laufe der Jahre kommt immer mehr dazu und immer mehr Menschen kann geholfen werden. Aktuell leben so 220 Menschen im betreuten Wohnen.

Allein im vergangenen Jahr verzeichnete die Kontakt- und Beratungsstelle mehr als 700 Besuche. Bis zu 70 Mitarbeiter sind dabei in den verschiedenen Angeboten im Einsatz. Die Zahl der Mitglieder der PHG liegt indes bei 203. "Eine stolze Zahl. Wobei es uns freut, dass so viele Menschen mit ihrer Mitgliedschaft zeigen, dass sie hinter den psychisch Erkrankten stehen", sagt der Geschäftsführer. Nichtsdestotrotz findet er es mehr als nur bedauerlich, dass trotz aller Aufklärung die Stigmatisierung psychisch kranker Menschen in den letzten Jahren zugenommen und nicht abgenommen hat. Für die Zukunft wünscht sich Corda-Zitzen mehr Akzeptanz sowie Verständnis und das alle Kostenträger, auch die Krankenkassen, sich für Betroffenen zuständig fühlen und sich dementsprechend in die Finanzierung einbringen als auch mehr Kontinuierlichkeit für den Krisendienst, damit Betroffene zuhause versorgt werden können.

"Das Wichtigste ist und bleibt aber, dass psychisch kranke Menschen in uns einen Ansprechpartner finden. Jeder Mensch, der bei uns Hilfe sucht, hat seine eigene Geschichte, der mit Respekt begegnet werden muss", betont Corda-Zitzen.

(tref)