Der Verein für Heimatpflege in Viersen lud ein zur Matinee über Erich Kästner

Villa Marx in Viersen : Erich Kästner — lyrisch, ironisch und skurril

Ute Büchter-Römer und Nadja Bulatovic sorgten für eine gelungene Matinee zum 100. Geburtstag des Autors in der Villa Marx.

Hundert Jahre wäre Erich Kästner in diesem Jahr geworden – für den Viersener Verein für Heimatpflege allemal ein Grund, mit einer literarischen Matinee an den großen deutschen Schriftsteller zu erinnern. Wie Vereinsvorsitzender Albert Pauly in der Villa Marx anmerkte, ist das Geburtstagskind mit seinen Schriften doch erstaunlich jung geblieben. Ob sie das Menschlich-Allzumenschliche oder politische Irrwege zum Thema haben: Verstaubt ist da gar nichts.

Nach kompetenten Referenten musste Pauly nicht lange suchen. Zum fünften Mal fand das bewährte Duo Ute Büchter-Römer und Nadja Bulatovic in Viersen ein begeistertes Publikum. Die Kölner Professorin verband Informationen zum Leben Kästners mit Rezitationen aus seinem Werk. Den Rahmen bildete der 1955 erschienene Gedicht­zyklus „Die 13 Monate“; eingeschoben waren Ausschnitte aus seinem Roman „Fabian“ und seinem Gedichtzyklus „Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke“.

Die Wahl der Musikstücke zwischen den Textbeiträgen musste nicht dem Zufall überlassen bleiben. Sowohl Fanny Hensel, Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, als auch Peter Tschaikowsky komponierten Zyklen, in denen jedes Stück einem Monat gewidmet war. Nadja Bulatovic, als Pianistin im serbischen Novi Sad und in Köln ausgebildet, spielte im Wechsel aus beiden Zyklen und gefiel mit einer kompetenten Wiedergabe der empfindsamen Charakterstücke.

Eine Begegnung mit Kästners Texten ist immer wieder erfrischend. Die Gedichte zu den Monaten atmen feine Poesie, aber immer wieder klingen auch melancholische und zeitkritische Aspekte an. Skurril ist der Humor im Fabian-Roman, ebenso in der „Hausapotheke“. In der wird vom Selbstmord aus Verzweiflung über den Zustand der Welt entschieden abgeraten. Besser sei es, am Leben zu bleiben. Dann könne man jedenfalls die widerwärtigen bösen Menschen ärgern. Der Pessimist Kästner war allerdings optimistisch, wenn es um unverdorbene Kinder ging. In seinen Kinderbüchern sind es die Kinder, die in schwierigen Situationen gute Lösungen finden und sie mit gemeinsamer Anstrengung durchsetzen.

Die Veranstaltung fand viel Anklang bei den Zuhörern. Wie Pauly andeutete, darf man 2020 wieder mit einer literarisch-musikalischen Veranstaltung des Duos Büchter-Römer/Bulatovic rechnen.

(gho)
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