Der Naturpark Schwalm-Nette hat mehr als 10.000 Veranstaltungen organisiert

Schwalm-Nette : Naturpark als Touristen-Magnet

Der Naturpark Schwalm-Nette hat sich seit 1965 zu einer wichtigen Freizeitregion entwickelt: Statt 67 Terminen zu Beginn gibt es heute pro Jahr bis zu 300 Veranstaltungen — vom After-Work- bis zum Waldradeln.

Baden im Wald statt in der Wanne, geführte Radtouren zur Entspannung nach der Arbeit oder Angebote für Singles – das sind einige Veranstaltungen, mit denen der Naturpark Schwalm-Nette in seinem aktuellen Programm Trends aufgreift. Insgesamt 10.000 Wanderungen, Führungen, Workshops und Ferienangebote konnten Interessierte seit der Gründung 1965 nutzen – eine Zahl, auf die Naturpark-Geschäftsführer Michael Puschmann stolz ist: „Ich kenne keinen anderen Naturpark in Nordrhein-Westfalen, der regelmäßig derart aktiv ist.“ Im bundesweiten Vergleich gehöre man mit dem breiten Angebot zu den führenden Naturparks und wolle es auch mit den nächsten 10.000 Veranstaltungen bleiben.

Was ist das Besondere am Naturpark Schwalm-Nette?

Mit 435 Quadratkilometern ist er – verglichen mit den anderen 104 Naturparks in Deutschland – eher klein. Der Naturpark Südschwarzwald ist 3940 Quadratkilometer groß, das Hohe Venn in der Eifel 1750 Quadratkilometer. Das Gebiet des Naturparks Schwalm-Nette gehört zu vier Kommunen: der größte Teil mit 63 Prozent zum Kreis Viersen, der kleinste mit zwei Prozent zur Stadt Mönchengladbach; 27 Prozent zählen zum Kreis Kleve, acht Prozent zum Kreis Heinsberg. Interessant sei laut Michael Puschmann das große Besucher-Potenzial im Verhältnis zur Größe: Laut einer Analyse gebe es 8,8 Millionen Menschen, die den Park innerhalb einer einstündigen Autofahrt erreichen könnten.

Naturpark-Geschäftsführer Michael Puschmann und Mitarbeiterin Birgit Hass zeigen Kalender. Foto: Daniela Buschkamp

Wie bekannt ist der Naturpark Schwalm-Nette?

Die bis zu 300 Veranstaltungen im Jahr locken rund 20.000 Menschen etwa aus Köln, Aachen, Düsseldorf, dem Ruhrgebiet und den Niederlanden an. „Bei den 10.000 Veranstaltungen waren es rund 560.000 Besucher – zwei Mal so viel wie Einwohner im Kreis Viersen“, sagt Puschmann.

Gibt es einen Durchschnittsgast im Naturpark, wie den typischen Besucher, der Heinz heißt, 65 Jahre alt ist und bequeme Schuhe trägt?

„Nein“, sagt Michael Puschmann und lacht. Die Zielgruppe sei sehr breit, hänge von der Art der Veranstaltung ab. Im Blick von Programmplanerin Birgit Hass seien auch Familien und Jugendliche. „Viele Familien haben den Wunsch, mit ihren Kindern oder Enkeln die Natur zu entdecken und suchen nach passenden Angeboten“, sagt der Naturpark-Geschäftsführer. Ein gelber Smiley im Programm weist spezielle Angebote aus. Auch eine Kinderwagen-Führung in Wald, Flur und Heide kann Puschmann sich vorstellen.

Wie hat sich das Wandern seit der Gründung des Naturparks 1965 verändert?

„Es ist individueller geworden“, sagt Michael Puschmann. Früher habe es Wandervereine gegeben, die Kilometer um Kilometer abgerissen hätten, auf der Jagd nach der goldenen Wandernadel, die Umgebung sei dabei für sie weniger wichtig gewesen. Heute würden Wanderer weniger zu festen Terminen auf festgelegten Routen unterwegs sein: Sie würden sich eher spontan mit Freunden treffen und dabei Wander-Apps nutzen, die inzwischen oftmals die Wanderkarte ersetzen. Zahlreiche Routen seien digital abrufbar. Frühwanderungen seien kaum noch gefragt, Vollmondwanderungen dagegen sofort ausgebucht. Allerdings habe der Individualismus Grenzen, die Grenzen der Natur: „Um 10 Uhr statt um 4 Uhr morgens wird man keine Vögel erleben“, sagt der Geschäftsführer des Naturparks.

Haben Diskussionen um den Klimawandel und Bewegungen wie „Fridays for Future“ die Arbeit des Naturparks beeinflusst?

Laut Michael Puschmann „bestimmt der Zeitgeist das Programm mit“. Blättert man in Ankündigungen von 1995, waren Waldsterben und biologische Schädlingsbekämpfung dominant. Aktuell seien Themen wie Insekten oder das Bienensterben gefragt. Dabei sei der Naturpark-Ansatz, dass die Dozenten Wissen allgemein verständlich statt wissenschaftlich-unverständlich vermitteln. Qualität sei wichtig.

Kann eine Vogelstimmen-App das Erleben in der Natur ersetzen?

Für Michael Puschmann nicht. Zwar könne eine solche App informieren, aber nicht das Erlebnis in der Natur, die Erfahrung mit allen Sinnen, ersetzen. Gerade das wollten die Dozentenbei ihren Veranstaltungen bieten. Und: „Viele Menschen wollen nicht allein mit der Technik sein, sondern schätzen den Austausch mit anderen“, sagt der Geschäftsführer.

Warum ist der Naturpark auch für Touristen aus der direkten Umgebung sehenswert?

Puschmann erlebt oft den Überraschungseffekt: „Immer wieder kommen Gäste zu mir, die sagen: ,Ich wohne schon seit Jahren hier. Aber ich wusste gar nicht, dass es hier so schön ist’“, erzählt er. Oft würden Menschen weiter entfernte Ziele besser kennen als die, die direkt vor ihrer Haustür lägen. Gerade die zertifizierten Premiumwanderwege, wie etwa das Galgenvenn in Nettetal-Kaldenkirchen, das 2016 zum zweitschönsten Wanderweg Deutschlands gewählt wurde, würden interessante Erfahrungen bieten.

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