Masterplan für dem Kreis Viersen: "Der Kreis lebt über seine Familien"

Masterplan für dem Kreis Viersen : "Der Kreis lebt über seine Familien"

Die Prognos AG hat den Masterplan für den Kreis Viersen erarbeitet. Landrat Peter Ottmann stellte ihn jetzt der Öffentlichkeit vor. Im Mittelpunkt steht die Absicht einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit allen Akteuren.

Der Kreis Viersen wird sich in den kommenden Jahren intensiv um das Wohlergehen der Menschen kümmern. Das ist die Quintessenz des Masterplans, den Landrat Peter Ottmann nun der Öffentlichkeit präsentierte. Abdecken will der Kreis im partnerschaftlichen Zusammenwirken mit den Städten und Gemeinden dabei alle Lebensphasen, von der Geburt bis ins hohe Alter. Umwelt und Natur sowie Wirtschaft und Partnerschaft sind die flankierenden Säulen.

Wirklich Neues lässt sich aus dem Masterplan nicht herauslesen. Aber er ist ein Strukturmodell, das schonungslos Schwächen und Stärken im Inneren sowie Chancen und Risiken von außen definiert. "Der Kreis lebt über seine Familien", stellte Oliver Lühr fest, der für das Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos den Masterplan aufgestellt hat. Die sehr hohe Beteiligung der Bürger und zahlreicher Institutionen habe nicht nur viel mehr Arbeit als erwartet bereitet, sondern auch Daten und Fakten in einer komprimierten Form geliefert, die landesweit ihresgleichen suche, stellte der Landrat fest.

Die Familien sind "der Kompass dafür, was wir in Zukunft wollen", unterstrich Peter Ottmann. Wirklich überraschend für ihn sei der laute Ruf junger Menschen nach mehr Mobilität gewesen. Eine Konsequenz daraus wird die Arbeit an einem Nahverkehrsplan sein, der diesen Vorstellungen besser entspricht. Andererseits entwickeln junge Menschen eine für den Kreis und die Wirtschaft sehr unliebsame Mobilität, wenn sie 18 bis 30 Jahre alt sind: Viel zu viele wandern ab und verschärfen den Fachkräftemangel. Der Kreis setzt auf "eine zentral gesteuerte Initiative", an der sich alle Akteure - Kommunen, Wirtschaftsverbände und Wirtschaftsförderung beteiligen.

"Die Essenz dessen, was Dritte an uns herangetragen haben", wird Ingo Schabrich beschäftigen, dessen Dezernat Soziales, Bildung und Familie umfasst. Er sieht den Kreis und seine Partner in Kommunen, Verbänden und Institutionen nun deutlich legitimiert, sich mit konkreten Aufgaben zu befassen. Ein Beispiel: Die recht gute Infrastruktur für Familien mit Kindern hat Lücken in den Randzeiten der Betreuung. Füllen könne der Kreis sie nur im Zusammenspiel mit den Kommunen und mit der Wirtschaft. Stichwort: Betriebskindergärten.

Mit den Städten und Gemeinden will der Kreis das Wohnen fördern. Der Kreis habe auf diesem Gebiet "Defizite in der Außendarstellung", gestand der Landrat. Neben einer familiengerechten Infrastruktur ist die Natur die besondere Stärke des Kreises. Ihr Schutz wird eine Hauptaufgabe der Zukunft sein, im Zusammenspiel mit dem breit gefächerten Paket von Handlungsoptionen für den Klimaschutz und der Ansiedlungspolitik. Nachholbedarf sieht Prognos auf dem Gebiet des Tourismus. Da liege einiges brach, stellte Oliver Lühr fest.

Die mittelständisch geprägte Wirtschaft im Kreis hat sich zwar nicht im selben Maße wie die Konjunktur allgemein entwickelt. Aber sie gilt als solide und als offen für Innovationen. Diese will der Kreis künftig mit einer lokal und regional verzahnten Wirtschaftsförderung noch antreiben. Oliver Lühr von Prognos bezeichnete die Offenheit des neuen Wirtschaftsförderers Peter Hauptmann gegenüber potenziellen Partnern in der Nachbarschaft, gerade in den Niederlanden, als vollkommen richtig. Er habe eine moderierende, Dienst leistende und antreibende Aufgabe. Die Zusammenarbeit mit Unternehmen, Hochschulen und Wirtschaftsregionen muss auch nach Auffassung des Landrates intensiver gestaltet werden. In der Wirtschaftspolitik des Kreises vereinen sich die anderen Visionen des Masterplans: Familienfreundlichkeit, Aufgeschlossenheit, Imagepflege, Innovationsfreude und Investitionsbereitschaft.

Der Masterplan wird jetzt nicht in eine Schublade gelegt. Vielmehr wird er künftig dauernder Begleiter aller Planungen und Entscheidungen sein. Für die groben Linien ist ein Monitoring angesetzt, er soll in seiner Kleinteiligkeit weiter entwickelt werden. "Es zählt jetzt die Umsetzung", erklärte Lühr. Seine Prognos AG habe das Instrumentarium geschaffen und werde sich aus dem weiteren Prozess verabschieden. Die Verantwortlichkeit bleibt beim Kreis Viersen.

(RP)
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