Viersen: Denkmal-Streit geht weiter

Viersen: Denkmal-Streit geht weiter

Die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft (GWG) Stadt Viersen sieht weiterhin Diskussions- und vor allem Handlungsbedarf bei der Denkmalbereichssatzung fürs Rahser. Der Vorstand fürchtet soziale Schieflage.

Normalerweise ist es nicht der Stil der traditionsreichen Wohnungsgenossenschaft, nachzukarten. Aber angesichts der Problemlage sieht der Vorstand der GWG Stadt Viersen keine andere Wahl, als nochmals wegen der Denkmalbereichssatzung für den Viersener Ortsteil Rahser aktiv zu werden. Alle bisherigen Versuche, durch eine Renovierung einiger GWG-Häuser im Rahser die dortige Wohnqualität für die Bewohner zu verbessern und langfristig zu sichern, sind gescheitert. Gerade um die Wohnqualität fürchtet die GWG für ihre Mieter. "Wir sehen mit Sorge, dass Investitionen in den Bestandsgebäuden im Rahser ausbleiben, und dass durch die Verschlechterung der Wohnsubstanz eine soziale Schieflage im Rahser droht", erklären die drei Vorstandsmitglieder Manfred Busch, Heinz Fels und Günter Neumann.

Knackpunkt: Fassadendämmung

Zur Erinnerung: Die GWG, die ihren Sitz an der Nordstraße im Rahser hat, möchte seit langem eigene Häuser unter anderem an der Nauenstraße sanieren. Zum Sanierungskonzept gehören unter anderem neue Dächer und gedämmte Fassaden. An der Dämmung der Fassaden hat sich jedoch ein Streit zwischen GWG und den Denkmalbehörden bei Stadt und Landschaftsverband entzündet. Die für das Rahser geltende Denkmalbereichssatzung erlaubt keine Fassadendämmung in der von der GWG geplanten Form. Das würden den Denkmalcharakter der Häuser zerstören, so die Denkmalschützer.

Die GWG hatte sogar den Klageweg beschritten, um die Stadtverwaltung dazu zu bewegen, die Sanierung zuzulassen. Im vergangenen Jahr unterlag die Wohnungsgenossenschaft vor dem Verwaltungsgericht. Ein danach gestellter Bürgerantrag an den Viersener Ausschuss für Stadtentwicklung und Planung, die Denkmalbereichssatzung zu ändern, hatte ebenso wenig Erfolg. Nur die CDU unterstützte den Antrag im Ausschuss.

Die jüngste Ablehnung einer Mehrheit von SPD, Für VIE, Grüne, FDP und Linkspartei kommentiert der GWG-Vorstand jetzt mit deutlichen Worten: "Wir sind entsetzt über die Engstirnigkeit der Entscheidungsträger. Entwicklungen, die der Ortsteil Rahser erfahren könnte, werden ausgebremst." Es entstehe der Eindruck, "dass an einer Satzung aus Prinzip festgehalten wird. Damit aber sind die Entwicklungsmöglichkeiten für den Ortsteil Rahser drastisch reduziert".

Je länger nun der Zustand dauert, in dem die Häuser nicht richtig saniert werden können, umso größer werden die Sorgen der GWG-Verantwortlichen. Die Wohnsubstanz der Häuser verschlechtere sich zusehens. Die GWG hatte bereits im Bürgerantragsverfahren angeführt, dass in den eigenen Häuser an der Alsenstraße, die bereits saniert seien, sich das soziale Niveau deutlich verbessert habe. "Die Anzahl der Mieterwechsel nimmt ab. Wir gewinnen bei Neuvermietungen überwiegend neue Bewohner auch aus sozialen Schichten, die Miete und Nebenkosten durch selbstständige Arbeit oder Renteneinkünfte finanzieren", so der GWG-Vorstand. Er kündigt "weitere Aktivitäten" an, um Investitionen im Rahser zu ermöglichen. Welche Aktivitäten das sein werden, lässt der GWG-Vorstand offen.

(RP)