Viersen: Debatte um neue Stolpersteine

Viersen: Debatte um neue Stolpersteine

Sollen die Gedenksteine für Holocaust-Opfer nur dann verlegt werden, wenn die Hauseigentümer zustimmen? So wird's aktuell in Viersen gehandhabt, aber die Verwaltung möchte das ändern. Dagegen gibt es Widerstand

Welche Regeln sollen künftig für die Verlegung der Gedenksteine an Opfer nationalsozialistischer Verfolgung gelten? In der jüngsten Sitzung des Kultur-Ausschusses führte diese Frage angesichts der geplanten Verlegung neuer Stolpersteine in Süchteln zu einer Debatte.

Insgesamt 214 Menschen jüdischen Glaubens fielen im heutigen Viersener Stadtgebiet dem NS-Terror zum Opfer. Zum Beispiel die jüdische Familie Lifges, die früher in Süchteln unweit des Weberbrunnens lebte. Im Sommer 1942 wurden Senta Baum-Lifges, Jakob, Sophia und Sara Lifges deportiert. Der Süchtelner Uwe Micha recherchierte, dass sie wenige Wochen später in Konzentrationslagern ermordet wurden. In Süchteln möchte er 27 neue Stolpersteine verlegen lassen; im Dezember will er die dafür benötigten 3300 Euro zusammen haben.

Bislang wurden in Viersen die Gedenksteine nur dann im öffentlichen Bürgersteig verlegt, wenn die heutigen Eigentümer der Häuser keinen Einspruch äußerten. In der Vergangenheit gab's zwei Einsprüche, auch gegen die geplante Verlegung von Stolpersteinen in Süchteln haben Hauseigentümer Einspruch eingelegt. Die Stadtverwaltung empfiehlt, dass die Hauseigentümer künftig nur noch informiert werden, aber kein Vetorecht mehr haben. Dagegen wendeten sich CDU und FDP. Sie lehnten die Vorlage ab. "Es geht mir darum, dass wir den Willen der Bürger, die ,Nein' sagen, respektieren", erklärte Frank a Campo, FDP-Parteivorsitzender. Auch die CDU konnte sich dem Verwaltungsvorschlag nicht anschließen. "Erst fragen wir die Hauseigentümer, dann sagen die ,nein', dann verlegen wir doch - für diese Vorgehensweise habe ich kein Verständnis", sagte CDU-Ratsfrau Angélique Vootz. — "Es geht um die Opfer, nicht um die Eigentümer", entgegnete der SPD-Fraktionsvorsitzende Manuel García Limia. "In der Politik ist es Tagesgeschäft, dass wir Entscheidungen treffen, mit denen Anwohner nicht einverstanden sind." Sein Stellvertreter Jörg Dickmanns erklärte, es sei von vornherein ein Fehler gewesen, die Hauseigentümer zu fragen: "Es hätte nur eine Information geben sollen, dass dort die Steine verlegt werden." So handhabt es beispielsweise auch die Stadt Nettetal. Andere Kommunen verzichten komplett auf Stolpersteine im öffentlichen Raum. So entschied es beispielsweise der Rat der Stadt Kempen im Jahr 2011.

Heute soll der Viersener Stadtrat entscheiden, ob die Verlegung von Stolpersteinen im öffentlichen Raum künftig auch ohne das Einverständnis der Hausbesitzer möglich wird. Zuhörer sind willkommen. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im "Forum" am Rathausmarkt.

(RP)
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