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Viersen: Deä Müllmann sett "Tschüss Viersche"

Viersen : Deä Müllmann sett "Tschüss Viersche"

"In Viersche bin ich durch", erläutert Frank Bühler seinen Vorsatz, als "deä Müllmann" nach 33 Jahren aus der Bütt zu steigen. Zumindest in Viersen, schränkt er gleich ein, denn: "Auswärts geht es vehement weiter."

Zum ersten Mal lud Bühler gestern zu einer Pressekonferenz ein, die er auch nutzte, um sich bei der Viersener Presse zu bedanken, die ihn immer "wohlwollend begleitet" habe. Von einst rund 15 Viersener Büttenrednern war Frank Bühler als einziger "übrig geblieben". Mehr als drei Jahrzehnte zog er die Viersener Lokalpolitik und ihre Vertreter durch den Kakao, ohne jedoch jemals persönlich verletzt zu haben, worauf er stolz ist.

Frank Bühler begann 1980 mit "Spaß an der Freud" im Pfarrkarneval des Papst-Johannes-Zentrums und eroberte über die Karnevalsgesellschaft "Blau-Wette Jonges" schließlich den gesamten Alt-Viersener Karneval. Auch in Süchteln und Boisheim trat er auf, in Dülken selten. "Der Müllmann war ein Knüller" hieß es in jeder Session. Und zu seinen lokalpolitischen Büttenreden kamen noch 22 Proklamationsreden, die er gemeinsam mit Sohn Lars für die Viersener Prinzenpaare schrieb.

Seine Büttenhonorare spendete "deä Müllmann" bis 2001 komplett für soziale Zwecke: die Viersener Drogenhilfe, die Aidshilfe, die Selbsthilfegruppe ASbH Viersen — in der seine Frau Uschi ehrenamtliche Vorsitzende ist — eine Armenapotheke in Litauen und ein Kinderheim für geistig behinderte Kinder in Rumänien.

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"Ich möchte weitermachen", so der 68-Jährige, "solange es der liebe Gott zulässt." Sein Auftragsbuch ist gut gefüllt, auch für 2013 sind schon die ersten Verträge unterzeichnet. Bühler ist künftig in ganz Nordrhein-Westfalen unterwegs — von Kleve über Düsseldorf bis Siegburg und Aachen. Er ist noch immer nicht über eine Agentur zu buchen, damit er freie Hand in der Vertragsgestaltung vor allem bei kleineren Gesellschaften behält.

In Viersen hat er alle möglichen karnevalistischen Ehren erhalten: Bühler ist Rintger Buur, Ritter der Silbernen Mispelblüte, korrespondierendes Mitglied der Dülkener Narrenakademie, erhielt das "Joldene Vierscher Herz" der Karnevalsgesellschaft Hoseria, den "Lennebüerscher" und nicht zuletzt die Bronzene Stadtplakette.

Doch da dies kein Nachruf ist, sondern ein "Dankeschön, dass ich 33 Jahre bei euch in de Bütt stehen durfte", wird es für "deä Müllmann" außerhalb Viersens sicher noch manche Ehrung geben. Eine steht für November dieses Jahres fest. Und ganz ist er auch für Viersen nicht verloren: Er wird weiterhin Gast bei allen Seniorensitzungen und in den Altenheimen sein.

(flo)