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Das sagen Einzelhändler aus Viersen zu den Lockdown-Lockerungen

Corona im Kreis Viersen : Lockerung – Endlich wieder an die Arbeit!

Viele Händler und Dienstleister freuen sich, nach vier Monaten von Montag an wieder Kunden bei sich begrüßen zu dürfen. Allerdings gibt es auch Kritik an der „Öffnungsstufe 2“: Die Vorgaben seien ziemlich verwirrend.

Blumen- und Buchhändler, Fahrlehrer, Kosmetiker und Tätowierer gehören zu den Gruppen, die am Montag, 8. März, ihre Arbeit wieder aufnehmen können. Das sieht Öffnungsstufe 2 der Corona-Lockerungen vor, auf die sich Bund und Länder geeinigt haben. „Ich denke, dass die Kunden uns die Tür einrennen werden“, ist Buchhändler Benjamin Doetsch überzeugt. Der Wunsch der Kunden, wieder im Buchladen stöbern zu können, sei groß.

 Während des Lockdowns bot Buchhändler Benjamin Doetsch einen Vor-der-Tür-Verkauf. Ab Montag dürfen Kunden wieder ins Geschäft.
Während des Lockdowns bot Buchhändler Benjamin Doetsch einen Vor-der-Tür-Verkauf. Ab Montag dürfen Kunden wieder ins Geschäft. Foto: Martin Röse

Doetsch machte am Donnerstag  bereits lautstark über eine Freisprechanlage in der Viersener Fußgängerzone Werbung für die Wiedereröffnung. Er hat während des Lockdowns in den drei Geschäften in Viersen, Viersen-Dülken und Brüggen einen Vor-der-Tür-Verkauf angeboten, die Kunden konnten bestellte Ware abholen. Im Viersener Ladenlokal hat er Platz für acht Kunden gleichzeitig. „Ich bin froh, dass wir endlich wieder öffnen können“, sagt er.

Usch Freitag, Inhaberin der „Buchhandlung am Dom“, kann es noch gar nicht richtig fassen. „Ich glaube erst, dass es losgeht, wenn ich am Dienstag die Tür aufschließe.“ Am 8. März wird sie nicht öffnen – das ist ihr bei den Kunden bekannter Ruhetag. Für die Öffnung hat sie das Ladenlokal bereits geputzt. Nicht ganz im Reinen ist sie aber mit den Vorgaben. „Die Angaben für die Einzelhändler zur Kundenzahl pro Quadratmeter sind verwirrend“, meint die Buchhändlerin. In der Verordnung heiße es: „Es gilt ein Kunde pro zehn beziehungsweise 20 Quadratmetern – je nach Größe des Ladens.“ Und: Bei steigendem Inzidenzwert müsse sie zudem wieder Abholtermine für ihre Kunden vereinbaren: „Das ist sehr hoher Aufwand“, sagt Freitag. Bedauerlich für viele Händler: Es soll in NRW der NRW-Inzidenzwert gelten – der liegt über 60. Im Kreis Viersen hingegen liegt er unter 40.

Auch Fahrlehrer wie Horst Wingten stehen in den Startlöchern. Die Fahrschule mit den drei Standorten in Viersen-Dülken, Schwalmtal-Waldniel und Niederkrüchten informierte ihre Kunden über eine Telefonansage am Donnerstag, wie es am Montag losgeht: Statt Präsenzunterricht gibt es weiterhin Online-Unterricht, die neuen Termine für Fahrschüler werden zunächst an diejenigen vergeben, die bereits die theoretische Prüfung bestanden haben; dies gilt auch für Motorradfahrer. Durch den Lockdown sei der Rückstau bei den Fahrschülern groß. „Wir werden erst abwarten, wie die Verodnung des Landes NRW aussieht. Vor Samstag werden wir das wohl nicht wissen“, sagt Alexander Knabben, der drei Fahrschulen in Viersen und Willich führt. „Wir würden sehr gern wieder Präsenzunterricht anbieten.“

Michael Eichstädt, Inhaber der „Blumeninsel“ in der Viersener Fußgängerzone, hatte sein Geschäft während des Lockdowns geschlossen – obwohl er Kunden in dem Ladenlokal durchaus hätte Schnittblumen verkaufen dürfen. „Dass die Blumengeschäfte doch öffnen durften, kam überraschend“, erklärt er. „Ich hatte gerade den Räumungsverkauf durchgezogen, als die Information kam. Da hatten meine Kunden aber schon ihre Weihnachtsware.“ Und im Januar und Februar seien ohnehin die umsatzschwächsten Monate für Blumenhändler. „Zudem haben wir ein branchenweites Problem: Für die Fachgeschäfte produzierte Ware wird derzeit in den Discountern verschleudert.“ Sein Geschäft werde er erst wieder öffnen, wenn die Fußgängerzone stärker frequentiert werde.

 Michael Eichstädt wird seine „Blumeninsel“ in der Viersener Fußgängerzone zunächst noch geschlossen halten.
Michael Eichstädt wird seine „Blumeninsel“ in der Viersener Fußgängerzone zunächst noch geschlossen halten. Foto: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

„Ich bin froh, dass es nach vier Monaten endlich wieder losgeht“, sagt Bettina Perszewski vom Kosmetikstudio „All about Beauty“ in Brüggen-Alst. Um kosmetische Behandlungen ohne Maske anbieten zu können, müssen sowohl der Kunde als auch die Kosmetikerin einen aktuellen negativen Schnelltest besitzen. Nun hofft Perszewski, dass der Inzidenz-Wert nicht wieder steigt.