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Viersen: "Das Orpheum ist mein Leben"

Viersen : "Das Orpheum ist mein Leben"

Bühnengestalterin Henriette Janssen-Klaar will nach elf jecken Jahren den Pinsel fürs Orpheum aus der Hand geben. Die Künstlerin, die im alten Zollamt zwischen Brüggen und Swalmen wohnt, will Jüngeren Platz machen.

Die Künstlerin und Bühnengestalterin Henriette Janssen-Klaar war ein regelrechter Glücksfall für die große Dülkener Karnevalsgesellschaft "Orpheum". Durch eine Pressemitteilung wurde Orpheums-Mitglied Wilhelm Hauser auf die Brüggenerin aufmerksam. Dies war die Initialzündung für das Präsidium, das sofort Kontakt zu Henriette Janssen-Klaar aufnahm. Bereits das erste Gespräch im Atelier der Künstlerin verlief spannend, "es war ein Glücksfall für mich", sagt die Brüggener Künstlerin heute. Doch auch die Karnevalsgesellschaft "Orpheum" machte mit ihr eine Punktlandung, zumal sich nach 30 Jahren ihr Bühnenbildner Erich Wilms von der aktiven Arbeit für das Orpheum zurückzog.

So galt es, einen adäquaten Ersatz für ihn zu finden. Für Henriette Janssen-Klaar, die sich im ehemaligen Zollamt zwischen Brüggen und Swalmen niedergelassen hat, war Bühnenarbeit kein Fremdwort. Über viele Jahre hatte die ausgebildete Malerin in verschiedenen Theatern, zum Beispiel in Roermond, Düsseldorf und Mönchengladbach, ihre Handschrift hinterlassen. Schnell war dem Orpheum klar, dass hier eine hervorragende Künstlerin am Werk war.

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Henriette Janssen-Klaar war begeistert von der Idee, künftig die Bühnengestaltung beim Orpheum zu übernehmen. Als Frau keine einfache Aufgabe, denn im Orpheum sind Frauen laut Satzung bislang nicht als Mitglied vorgesehen. So blieb der "Europäerin", wie sie sich selbst nennt — mit niederländischer und französischer Staatsangehörigkeit und Wohnsitz in Deutschland — das eigentliche Aufnahme-Prozedere mit Wasser-Taufe und zweijähriger Probezeit erspart. Henriette Janssen-Klaar wurde allerdings sofort als Teil des Orpheums akzeptiert: "Seitdem werde ich als vollwertiges Mitglied behandelt", freut sich die Künstlerin. Seit der Session 2005 trägt sie die Verantwortung für alle Bühnenbilder und Dekorationen. "Ich fühle mich pudelwohl inmitten meiner männlichen Truppe", betont sie immer wieder. Zu Beginn jeder Session stehen die Wünsche der einzelnen Autoren, "und schon dann fange ich an zu denken, wie ich diese Wünsche umsetzen kann", erzählt Henriette Janssen-Klaar. Sie unterbreitet Vorschläge und entwirft Skizzen, bis alles steht und mit den Arbeiten begonnen werden kann.

Henriette Janssen-Klaar verbringt dann die ersten Monate in der Halle des Orpheums im Gewerbegebiet Mackenstein. Dort kann sie ungestört die Bühnenbilder malen und bauen. Hier ist auch der umfangreiche Kostümfundus untergebracht. Wehmütig wird sie immer nach einer Karnevalssession, denn: "Die alten Bühnenbilder muss ich übermalen. Wir können sie nicht aufbewahren, das würde dann doch zuviel Platz in Anspruch nehmen." Beim Übertünchen der alten Bühnenbilder fließen bei der Bühnengestalterin dann auch einmal die Tränen.

"Meine männlichen Kollegen schenken mir sehr viel Vertrauen, ich bin ein Teil von ihnen und sie sind ein Teil von mir", sagt die Bühnengestalterin. Doch jetzt ist das Ende ihrer Arbeit im Orpheum abzusehen. "Nach elf Jahren als Bühnengestalterin ist Schluss" sagt sie und kämpft schon jetzt mit den Tränen. Aber es sei an der Zeit, dass junge Nachwuchskünstler die Aufgaben übernehmen, mit neuen Ideen und frischem Elan. Ob sie damit zurecht kommt, weiß sie nicht, "das Orpheum ist mein Leben", sagt sie.

In der Karnevalssession 2015 wird das Publikum zum letzten Mal auf die Bühnendekoration von Henriette Janssen-Klaar schauen, dann soll für die Künstlerin endgültig Schluss sein.

(ivb)