Schwalmtal: Das lange Warten auf das schnelle Netz

Schwalmtal: Das lange Warten auf das schnelle Netz

Im November schloss Herwig Scholz einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser — noch immer weiß er nicht, wann er seinen Internetanschluss bekommt. Der Schwalmtaler fühlt sich schlecht betreut und ungenügend informiert

Im Stich gelassen und getäuscht fühle er sich, sagt Herwig Scholz. Bereits im November hat der 61-Jährige aus Schwalmtal einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser unterzeichnet. Bis heute habe er keinen Termin für einen Internetanschluss, berichtet Scholz, obwohl ihm ein kurzfristiger Termin versprochen worden sei.

Knapp 20.000 Anschlüsse sollen bis Ende 2018 in Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal verlegt werden, sagt Stephan Giese, Regionalmanager der Deutschen Glasfaser und zuständig für den Bezirk Niederrhein. Nicht bei allen Kunden laufe die Installation der Anschlüsse ganz rund, sagt Giese. Dies kann unterschiedliche Gründe haben: "Manchmal ist bei uns an einer Adresse ein Einfamilienhaus verzeichnet - vor Ort stellt sich heraus, dass es doch mehrere Parteien gibt." Ganze Neubaugebiete seien manchmal in den Datenbanken der Deutschen Glasfaser nicht erfasst. Für Scholz kommt diese Ursache kaum infrage: "Ich wohne seit 1996 in meinem Haus."

Auch, wenn sich Kunden in der gleichen Gemeinde dem Ausbau der Deutschen Glasfaser erst nachträglich anschließen, könne es zu Verzögerungen kommen. Das heißt: Beispielsweise schlossen in ganz Niederkrüchten nicht die nötigen 40 Prozent der Haushalte Verträge für den Ausbau ab. So wurde zunächst nur im südlichen Teil Niederkrüchtens der Ausbau geplant und auf den Weg gebracht. Nachträglich nahmen aber auch Bewohner der nördlichen Straßenzüge das Angebot der Deutschen Glasfaser an. Ähnlich lief es auch in anderen Ortsteilen. "Somit ist es gut möglich, dass manche Nachzügler den Anschluss etwas später bekommen", sagt Giese.

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Weder bei der Telefon-Hotline der Deutschen Glasfaser noch im Boisheimer Kundencenter des Netzanbieters habe er Erfolg mit seiner Anfrage gehabt, sagt Scholz. "Mir wurde immer nur gesagt, dass es leider noch keinen Termin gibt." Die Mitarbeiter des Unternehmens hätten ihn auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen im Vertrag hingewiesen, in denen es heißt: "Sofern der Glasfaseranschluss nicht innerhalb von 20 Monaten ab Vertragsschluss realisiert worden ist, sind sowohl Deutsche Glasfaser als auch der Kunde berechtigt, den Vertrag außerordentlich mit sofortiger Wirkung zu kündigen." Scholz betont, dass er aber nicht der Einzige sei, bei dem aus einem angekündigten kurzfristigen Termin nichts wurde: "Bei meinem Nachbarn wurde der Anschluss auch erst vor zwei Wochen fertiggestellt." Dieser habe den Vertrag kurz vor Scholz' Termin abgeschlossen.

Giese sieht die beschriebene Lage als Einzelfall. "Wir versuchen, Probleme und Beschwerden aufzufangen, und die landen meistens bei mir", sagt er. "Manche Kunden rutschen aber durch das Raster, das hat man immer." Im Gesamtbild habe die Deutsche Glasfaser jedoch viel Unterstützung von den Gemeinden erhalten, sagt der Regionalmanager. Aktuelle Informationen zum Ausbau gebe es meist auf postalischem Weg und auf der Internetseite des Anbieters. Giese: "Unsere Hotline ist immer eine weitere Anlaufstelle." Herwig Scholz jedoch findet: "Die Initiative, informiert zu werden, ging bisher immer nur von mir aus." Wirklich gut betreut durch das Unternehmen fühle sich der 61-Jährige nicht.

Scholz hofft nun trotzdem auf eine zeitnahe Lösung seines Problems: "In der Regel werden die Arbeiten innerhalb von vier bis sechs Monaten nach dem Auftrag fertiggestellt, das hat man mir gesagt." Noch sei die Deutsche Glasfaser "knapp in dieser Zeit drin".

(juz)
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