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Kreis Viersen: Das Grenzland, wie es tanzt und lacht

Kreis Viersen : Das Grenzland, wie es tanzt und lacht

In Viersen, Lobberich, Kaldenkirchen, Schaag und Bracht wurde am Wochenende gefeiert. Eine närrische Nachlese

Der zwölfte närrische Frühschoppen der Großen Viersener Karnevalsgesellschaft (GVK) in der Festhalle war gestern ein Riesen-Erfolg: Im Laufe des Tages kamen rund 1000 Narren, um mit den Viersener Karnevalisten zu tanzen und zu feiern - getreu dem Motto der GVK: "Fründe fiere tesame" (Freunde feiern zusammen). Die Halle war voller Besucher. "Das zeigt uns dass wir in ganz Viersen sehr beliebt sind", sagte GVK-Stadtgarde-Kommandant Ingo Lohde. Seine Männer-Stadtgarde und die Tanzmädels präsentierten ihre neuen Tänze. Die "großen" Prinzenpaare aus Viersen, Dülken, Süchteln und Boisheim sowie die "kleinen" Prinzenpaare der Stadt kamen und feierten mit. Die Kinderprinzenpaare nahmen zur Förderung des Kinderkarnevals je 333 Euro in Empfang. Das Brempter Prinzenpaar und die Soloprinzessin aus Brüggen erschienen von auswärts. Moderator Frank Schippers führte gekonnt durchs Programm. Zum Zuge kamen die Stimmungsband Cöllner, die jungen Trompeter, die Swinging Funfares, die Prinzengarde Köln, der TC Rheinmatrosen und die Big Maggas, die sich als "schönste Boy Group der Welt" ankündigten. off

Die Galasitzung der KG "Hamm wer net" stand unter dem Motto "Musik ist Trumpf". Sie warb auf der Titelseite ihres Festheftes mit dem unvergesslichen Peter Frankenfeld aus der gleichnamigen ZDF-Sendung. Bei ihrer Galasitzung im evangelischen Gemeindehaus kürten die Karnevalisten den 51. Cheriff im Hamm, Marcel Puller, dem Sitzungspräsident Michael Berghausen den Cheriff-Stern anheftete. Puller, seit sechs Jahren Geschäftsführer im Festausschuss Süchtelner Karneval, gehört mit 39 Jahren zu den jüngsten Ordensträgern. Er gehört auch der Großen Viersener Karnevalsgesellschaft an. Als Page begleitete er seine Eltern 1990 als Süchtelner Prinzenpaar. Ihm zur Ehr' trat die Süchtelner Tanzgarde auf, Viersens Kinderprinzessin Amy I. (Schorin) tanzte in der hinreißenden Formation der Tanzschule Fauth mit. Der Hammer Show-Express zeigte eine Playback-Show, neben Gründer Heinz Hohnen waren auch seine Tochter Yvonne und sein achtjähriger Enkel Marvin dabei. Zum Finale standen die Prinzenpaare aus Viersen, Dülken und Süchteln auf der Bühne und rockten den Saal. Eine Hammer-Truppe: das Männerballett "Les Hummphries", in das sich Michael Berghausen einreihte. Ihr Debüt gaben Thomas Sonke und Sebastian Hüpkes. off

Die Minigarde der Kaldenkirchener Karnevalsgesellschaft "Alles det met" auf der Bühne". Im Hintergrund klatscht das Kinderprinzenpaar, Fabian II. und Julia III., nebst Gefolge und Elferrat kräftig mit. Foto: Knappe Jörg

Lobberich erlebte einen perfekten Start in die Karnevalssaison: Die Karnevalsgesellschaft Fidele Heide hatte unter dem Motto "Komm loss mer fiere" (Komm, lass uns feiern) in den Seerosensaal eingeladen - und Hunderte folgten. Die Idee, ein aus den eigenen Reihen der Mitglieder erstelltes Programm auf die Bühne zu bringen, entstand 2010. "Davor hatten wir stets Programme aus eingekauften Künstlern und schrieben rote Zahlen", erklärte Vizepräsident Manfred Göppert. "Es war also Zeit, etwas Neues zu erfinden." Seitdem wird das Karnevalskomitee zu Künstlern, das "bringe viel Spaß und zeige die gute Gemeinschaft" innerhalb des Vereins. Hauptprogrammpunkte sind neben der großen "Schlagerboom"-Show stets die Auftritte der Tanzmariechen. Zu Beginn treten die Kleinen auf. Unter großem Applaus zieht zunächst der Nachwuchs ein. Im weiteren Verlauf des Abends zeigen verschiedene Gardegruppen ihr Können, darunter auch eine reine Männergruppe unter Leitung des Kommandeurs Friedhelm Vermaseren.

Während der Mariechen-Show gab es einen Flashmob, der den Saal einbezog. Das "Rumpelstilzje" Marcel Simons erntete viele Lacher, als er sich über aktuelle Missstände in Nettetal ausließ. Eine besondere Ehre wurde Heinz Clemens zuteil: Der 80-Jährige wurde zum Ehrenmitglied ernannt. In der 82-jährigen Vereinsgeschichte ist dies erst das zweite Mal der Fall. Bei Clemens jedoch eine absolute "Ehrensache": Präsident Manfred Mertens lobte ihn als über viele Jahre sehr engagiertes Mitglied, das seine Tätigkeiten im Ältestenrat sowie in der Garde immer perfekt ausgefüllt habe. "Ich möchte auch persönlich Danke sagen", so Mertens. "Du warst immer ein sehr guter Ratgeber, ich habe immer viel auf Dein Wort und Deine Meinung gegeben." eva

Bei der KG "Fidele Heide" Lobberich wurde Heinz Clemens als Ehrenmitglied ausgezeichnet. Foto: Knappe Jörg

In Kaldenkirchen hat die Karnevalsgesellschaft "Alles det met" am Samstagabend eine erfolgreiche erste Sitzung gefeiert. Im vollbesetzten Saal der Gaststätte "Zur Mühle" waren die Besucher offensichtlich schon vom Karnevalsvirus infiziert. Die Stimmung war gut, und ein sehr gut aufgelegter Sitzungspräsident Norbert Geraats führte mit einem munteren Hoppeditz (Nicole van Eickels) durch den Abend. Der diesjährige Sessionsorden der Gesellschaft zeigt die "Englische Post" an der Leuther Straße. Zunächst stellte sich der Nachwuchs der KG vor. Den "Kinderblock" moderierten die versierten Sitzungspräsidenten der Kinder- und Jugendsitzung, Nick Antwerpen (17) und Jannik Steger (18). Beide stehen seit mehr als zehn Jahren auf der Mühlenbühne. "Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue, Nettetals Narren wiederzusehen", so Nick Antwerpen. Weil in dieser Session das Stadtprinzenpaar aus Kaldenkirchen komme, gebe es noch einmal "eine Riesen-Schippe Spaß" dazu. Man spürte, wie gut die Jugendarbeit bei der Karnevalsgesellschaft funktioniert. Wie die Karnevalisten berichteten, werde die Gesellschaft beim Tulpensonntagszug nicht wie ursprünglich angekündigt mit 111, sondern mit 222 Aktiven teilnehmen. Anerkennenden Beifall gab es für die Minigarde, die Pagen im Gefolge des Kinderprinzenpaars Fabian II. und Julia III. sowie die Juniorengarde, der 21 Mädchen zwischen zehn und 15 Jahren angehören und die die Besucher zu einer sonnigen Reise in den Dschungel mitnahmen. Der Großen Garde gehören 30 Tänzerinnen zwischen 16 und 38 Jahren an. Sie waren sichtlich stolz auf ihre neuen, sportlichen Uniformen. Eleganz und tänzerisches Können zeigten die Solomariechen Dana Sabah (11) und Pia Sieburg (16). Kaum wegzudenken ist Lothar Schmitz-von Wussow mit seinen Nachrichten aus Nettetal, der den neuen Bauhof in Lobberich kurzerhand in "Oranje Castle" umbenannte - Anspielung auf die Gebäudefarbe und den Chef, Ronald van Zanten, ein großer Aktivposten bei "Alles det met". Erstmals wirkte Marcal Konings als "Tegelsche Jong" mit. Das kam an, und der Sitzungspräsident versprach seinen Auftritt auch in der kommenden Session. Hermann Schummers und Tina Nellis zeigten die "schwebende Jungfrau", Nick Antwerpen gab als Redner ein "Muttersöhnchen", Uli Willers erklärte als Rentner: "Oben fit und unten dicht - mehr wünsch ich mir fürs Alter nicht." Die Lückenfüller entführten auf die Partyinsel. Weitere Höhepunkte: das Männerballett und die Brucher Bachstelzen. hws

Den Mitglieder der Schaager Karnevalsgesellschaft (SKG) ist es nach Sturm "Friederike" am Donnerstag gelungen, das Festzelt wieder in einen einladenden Zustand zu versetzen. Mollig warm war es, als der erst 21 Jahre alte Sitzungspräsident Tim van Overbrüggen den ersten Büttenabend der Session eröffnete. Ein närrisches Publikum war vorhanden, das Prinzenpaar der Ki-Ka-Kaia war mit großem Gefolge da, und viele andere Gesellschaften waren zu Besuch. So liefen auch die Akteure zur Hochform auf. Eine Augenweide war der Auftritt der Mäuse- und Piccolo-Garde der SKG und der Tanz der Funkenmariechen. Aus Köln angereist war Kaschemmen-Sänger Günter Missenich. Gisela Flüggel stellte in der Bütt ihren "Feld-Wald-Wiesen-Hund" vor. Die "Lightning Balle Rinas" begeisterten mit einem leuchtenden Tanz, Werner Holtappels überzeugte als "ne Tourist". Weiterer Höhepunkt: der Auftritt von "Antje pikantje" alias Steffi Becker, die sich souverän beim Publikum für den "berechtigten Applaus" bedankte. Mit "himmelblauen Augen" präsentierte sich das Männerballett. Die "Nachwuchsstars" Hubbel (Timo Tüffers) und Knubbel (Tim van Overbrüggen) erzeugten Lachsalven. Ganz aus dem Häuschen geriet das "lachende Narrenzelt" schließlich, als das Nettetaler Stadtprinzenpaar, Hans-Gerd I. und Susanne I., mit großen Gefolge kamen. Den Hinweis, dass es auch künftig ein Stadtprinzenpaar geben wird, nahmen sich die Vertreter der Breyeller und Schaager Vereine zu Herzen. Denn 2019 werden Breyell und Schaag das neue Prinzenpaar stellen. Der Karneval müsse "in seiner bisherigen Form erhalten bleiben", forderte Hans-Gerd I. Der große Beifall des Publikums und die mehr als 90 Aktiven auf der Schaager Bühne sind sicherlich ein Garant dafür. wi

Bei der Sitzung der KG "Hamm wer nett" wurde Marcel Puller zum 51. Cheriff im Hamm ernannt. Foto: Knappe Jörg

Sitzungspräsident Franz-Josef Knops gab beim ersten Büttenabend der Kinderkarnevalsgesellschaft Brachter Wasserratten das Kommando aus: "Schiff Ahoi!" Aus der Tanzgruppe der TSF Bracht machten sich zwölf Matrosen auf nach Madagaskar. Wie Leiterin Heike Kath erklärte, ist die Gruppe schon seit 25 Jahren dabei. Simon Kremers und René Römer von "Wir2" waren die Boy-Group: "Als Mann hatte man nur Chancen bei Frauen, wenn man einer Boy-Group angehörte." Friedhelm "Frico" Leven strapazierte als "Brauter Bäcker" die Lachmuskeln, als er eine neue Einnahmequelle erkannte: "Wir backen demnächst ganzjährig Buckmänner - und wegen der Gleichberechtigung auch Buckfrauen." Seine Prognose: "Wenn dat klappt mit dat Kulturerbe, kriegen wir neue Ortsschilder: Martinsdorf Braut." Noch praktischer sei es, dass man im Brachter 900-Jahr-Wald vor lauter Wald die Bäume nicht mehr finde: "Deshalb wird das Restholz geschlagen und täglich abends um 19 Uhr ein Martinsfeuer entzündet." Wolfgang Scholz ("Comedy on tour") meinte zwar: "Jetzt im Zeitalter von Trump, Putin oder Erdogan geht bei mir Politik gar nicht mehr", sprach dann aber doch über das Regieren - jedenfalls über die häusliche Regierung der besseren Hälfte. Die Wasserratten-Minis und die Littles tanzten, zu Gast waren das Tambourkorps Einigkeit Bracht, der Mann "mit dem Höötchen" (Andreas Leewen), die "Brauter Driem Gööörls" und das Dohlenquartett (Heiner Beeker, Willi Hamers, Otto Lehwald und Klaus Trienes). Die Viersener Prinzengarde rockte den Saal. Mike Dernbach machte sich zum Affen - und das mit dem schönsten Kostüm. off

(RP)