Das Ende des Camps von „Ende Gelände“

Klima-Aktivisten in Viersen : Das Ende des Camps von „Ende Gelände“

Tausende Klima-Aktivisten der Bewegung „Ende Gelände“ befanden sich seit Donnerstag auf dem Gelände am Hohen Busch. Gestern begann der Abbau des Camps. Die meisten Bewohner haben Viersen bereits verlassen.

Glaubt man den Debatten in den „sozialen Netzwerken“, gab es eigentlich nur eine relevante Frage, die die Menschen in und um Viersen in den vergangenen Tagen bewegt hat: Werden die tausenden Klima-Aktivisten aus Europa, die seit Fronleichnam am Hohen Busch gecampt haben, Viersens Freizeitareal einem Schlachtfeld gleich hinterlassen? Um die Frage flugs zu beantworten: Das Gros der Camper ist am Montagmittag abgereist, und die Wiese am Hohen Busch ist so sauber, als sei gerade erst frischer Rollrasen ausgelegt worden. Alle Sport- und Freizeitanlagen befinden sich in gutem Zustand; die Umzäuning steht noch.

Barfuß laufen viele der rund drei Dutzend Aktivisten, die noch da sind, über die Wiese. Sie hatten sich für die Wiesen selbst ein Glasflaschenverbot auferlegt, zuvor auch Glasscherben aufgesammelt. „Unseren Müll haben wir am Sonntag noch einmal fein säuberlich getrennt, unser Restmüll liegt in zwei Containern“, berichtet eine Aktivistin am „Mitmach-Stand“. An diesem Montagabend gibt es dort mehr Freiwillige als Aufgaben. Die Bierbänke sind nahezu abgeräumt, werden gleich in einen großen Lkw geladen. Fast alle Zelte sind schon weg. Die kleine Rest-Crew versammelt sich um 18 Uhr zum Meeting, um zu besprechen, was noch zu erledigen ist.

Die Wiese am Hohen Busch ist sauber, bis auf wenige Habseligkeiten ist alles zusammengeräumt. Der Müll wurde vorher getrennt. Foto: Martin Röse

In der Nacht hatten sich Anwohner bei der Polizei beschwert, weil laute Techno-Musik vom Gelände zu ihren Häusern herüberschallte. „Nachdem wir um 0.50 Uhr bei der Viersener Polizei erfuhren, dass wir uns wegen akuter Lärmbelästigung an ein Bürgertelefon der Polizei in Aachen wenden sollten und dort keiner ans Telefon ging, riefen wir das Polizeipräsidium Aachen an“, erklärte eine Anwohnerin. „Die Polizei dort hatte leider kein Mitgefühl mit uns und sagte, dass etwa eine Hundertschaft vor Ort sei, man aber nichts unternehmen würde, um Schlimmeres zu verhindern.“ Sie ist erzürnt: „Es kann doch nicht sein, dass die arbeitenden Mitbürger, die montagmorgens früh aufstehen müssen, den Lärm der nicht arbeitenden Protestler aushalten müssen.“ Die laute Musik war auch im Camp nicht unumstritten: „Unglücklich“ sei das gewesen, sagt eine Aktivistin. „Für die Anwohner ganz sicher, aber auch für unsere Leute, die nach der Rückkehr aus dem Braunkohlerevier gut eine Runde Schlaf gebraucht hätten.“

Die Stadt Viersen zieht am Nachmittag ein Fazit ihrer Geschwindigkeitskontrollen: Stundenweise hatte sie von Donnerstag bis Sonntag einen Radarwagen unter der Autobahnbrücke platziert: „Mehr als 500 Geschwindigkeitsverstöße wurden registriert“, sagt Stadt-Sprecher Frank Schliffke. Die höchsten gemessenen Werte lagen im Bereich von 90 Stundenkilometern bei erlaubtem Tempo 30. Die Messwerte seien umso erstaunlicher, weil ein erheblicher Teil der Autofahrer nicht nur das vorübergehende 30er-Limit überschritten habe, sondern laut Stadt auch weit über dem sonst an dieser Stelle erlaubten Tempo 50 lag. Die Stadt hatte die Radarfalle aufgestellt, nachdem Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes Viersen den Eindruck hatten, dass viele Autos spürbar zu schnell fuhren.

Ein Klima-Aktivist stapelt Bierbänke aufeinander. Foto: Martin Röse

Bereits am Montagmorgen hatte die Stadtverwaltung die Einbahnstraßenregelung für Teile der Schirick und den Aachener Weg aufgehoben. Gleiches galt für die vorübergehend angeordneten Halteverbote an diesen Straßen. Die Engstelle auf der Eisenbahnbrücke wurde zurückgebaut. Ab Dienstag, 7 Uhr, wird die gesperrte Josef-Kaiser-Allee wieder für den Verkehr freigegeben, kann der Waldkindergarten wieder an seinen angestammten Platz zurückkehren. Der Trainings- und Spielbetrieb im Stadion und auf den anderen Sportplätzen am Hohen Busch soll dann ebenfalls wieder normal möglich sein.

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Die Stadt rechnet damit, dass die Abbauarbeiten des Camps voraussichtlich Donnerstag, 27. Juni, abgeschlossen sein werden. Stadt-Sprecher Frank Schliffke: „Dann werden auch die noch belegten Wiesen und die Freizeit-Sportanlagen wieder freigegeben.“ Gleiches gelte für den Parkplatz am Steinlabyrinth und den benachbarten Weg. Schliffke: „Diese Bereiche werden noch für die Abbauarbeiten benötigt.“

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