Kreis Viersen "Crash Kurs" für junge Fahrer

Kreis Viersen · Sie berichten von Erlebnissen aus ihrer Arbeit: Notärzte, Polizisten und Feuerwehrleute erzählen bei der Präventionsveranstaltung "Crash Kurs" von echten Unfällen. Und sind gerade deshalb sehr glaubwürdig.

 Eine schlichte Szene: Polizist Thomas Küppenbender sitzt allein vor rund 150 jungen Menschen und berichtet von einer Nacht, in der er zu einem tödlichen Unfall gerufen wurde.

Eine schlichte Szene: Polizist Thomas Küppenbender sitzt allein vor rund 150 jungen Menschen und berichtet von einer Nacht, in der er zu einem tödlichen Unfall gerufen wurde.

Foto: wolfgang Kaiser

Der rote Schlafanzug des kleinen Jungen ist nur ein winziges Detail – aber eines, dass die Schüler des Berufskollegs lange in Erinnerung behalten werden. Ruhig und konzentriert lauschen rund 150 Berufsschüler dem Bericht von Markus Luer, von dem der rote Schlafanzug ein kleiner Teil ist. Der Viersener Polizeibeamte erzählt ihnen von einer Nacht, die er bei einem Auslandseinsatz im niederländischen Renesse erlebte: Ein Mann, Vater von vier Kindern, und sein 14-jähriger Sohn waren bei einem Unfall gestorben. Da die Verunglückten Deutsche waren, baten die holländischen Polizisten die deutschen Beamten um Hilfe. Die Aufgabe von Markus Luer war es, der Familie der Opfer – der Frau und den anderen drei Kindern – die Nachricht zu überbringen.

Der Bericht von Markus Luer ist Teil der neuen Veranstaltungsreihe "Crash Kurs". Diese soll den Schülern deutlich machen: Im Straßenverkehr geht es nicht nur um ihr Leben, sondern auch um das vieler anderer Menschen – und deren Familien. "Crash-Kurs" ist von der Polizei NRW initiiert und wird zunächst im Rhein-Maas-Berufskolleg Kreis Viersen angeboten. Mitarbeiter von Rettungsdiensten, Polizei und Feuerwehr sind die Hauptakteure. Sie berichten von Unfällen, die in der Region geschehen sind. Und die sich in ihr Gedächtnis gebrannt haben. "Wir hatten keine Uniform an", berichtet Markus Luer von dem Moment, als er an der Tür des Campingwagens in Renesse stand. Die Frau, die mitten in der Nacht die Tür öffnete und ihn ansah, wusste trotzdem sofort, was passiert war. "Ich hatte noch nichts gesagt, da merkte ich schon, wie sie zusammensackt." Als er später mit ihr im Wohnwagen saß, kam der jüngste Sohn der Familie zur Mutter, drei oder vier Jahre alt. "Er trug einen roten Schlafanzug, der war ihm ein klein wenig zu groß" – dieses Bild wird Markus Luer nie vergessen.

Der Polizeibeamte will sein Wissen an Jugendliche weitergeben. "Crash-Kurs" soll gerade jungen Fahrern zeigen, dass es oft nur Kleinigkeiten sind, die über Leben und Tod entscheiden: ein nicht angelegter Anschnallgurt, Eis auf der Straße, ein anderer Fahrer, der es eilig hat und auf der Landstraße unüberlegt überholt. Und natürlich Alkohol. Denn viele der Verunglückten, die die Feuerwehrmänner, Polizisten und Notärzte versorgen, sind junge Fahrer auf dem Weg von der Feier nach Hause. "Fahrt nicht unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Und fahrt auch nicht bei jemanden mit, der Alkohol oder Drogen genommen hat", ist daher einer der dringlichsten Warnungen, die den Schülern mitgegeben wird.

"Man hat gemerkt, dass ein solcher Unfall jedem passieren kann", sagt der 18-jährige Lars Junker nach der Veranstaltung. "Ich denke, das war prägend." Tammy Mörders (21) fand die Berichte der Augenzeugen gerade deshalb erschreckend, weil fast alle Unfälle, von denen berichtet wurde, im Kreis Viersen geschehen sind und ihre Freundin Pia Kelly (21) bestätigt: "Es ist einfach näher dran." FRAGE DES TAGES

(RP)
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