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Coronavirus wirkt sich auf Unternehmen im Kreis Viersen aus

„Hoffnungen sind gedämpft“ : Coronavirus verunsichert Unternehmer in Viersen

In einer Blitz-Umfrage wollte die IHK von den Unternehmern in der Region wissen, wie sie die Folgen der Epidemie einschätzen. Gut die Hälfte spürt aktuell Auswirkungen auf ihre Geschäfte.

Die Zahl der Corona-Infizierten im Kreis Viersen ist bis Sonntagabend unverändert geblieben: Das Kreis-Gesundheitsamt betreut weiterhin fünf erkrankte Männer und Frauen. „In keinem dieser Fälle ist der Verlauf der Infektion bisher schwer“, informierte Kreis-Sprecherin Anja Kühne am Sonntag auf Anfrage. 70 Personen stehen aktuell unter Quarantäne. „Inzwischen liegen die Testergebnisse für 27 von 28 Polizistinnen und Polizisten vor, die Kontakt mit den zwei infizierten Polizistinnen hatten“, berichtete Kühne: „Alle 27 wurden negativ getestet.“ Die beiden infizierten Polizistinnen arbeiten im Kreis Viersen, wohnen dort aber nicht.

Am Mittwoch waren die ersten drei Fälle im Kreis Viersen bekannt geworden. Weil zu den Infizierten die Mutter einer Schülerin des Gymnasiums St. Wolfhelm in Schwalmtal-Waldniel gehört, ist die Schule seitdem vorübergehend geschlossen. Restaurantbetreiber verzeichnen Umsatzeinbußen, weil Gäste weg bleiben, auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein kommt nun in einer Blitzumfrage zur Konjunktur zu dem Ergebnis, dass die Folgen des Corona-Ausbruchs mittlerweile für die Unternehmen in der Region spürbar sind. Reiseeinschränkungen, Infektionsschutzmaßnahmen und Probleme in der Lieferkette wirken sich demnach im Arbeitsalltag und auf betriebliche Prozesse aus. „Die Unsicherheit in der Wirtschaft ist sehr groß“, erklärte Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz.

  • Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK.⇥ RP-Archiv:
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In der Blitz-Umfrage wollte die IHK von den Unternehmern im Bezirk wissen, wie sie die Folgen der Epidemie einschätzen und welche Maßnahmen sie ergreifen. Knapp 260 Unternehmen haben sich nach Angaben der IHK an der Umfrage beteiligt. „Gut die Hälfte der Unternehmen spüren aktuell Auswirkungen auf ihre Geschäfte, das wird auch negative Folgen für die Ergebnisse des ersten Jahresquartals haben“, sagt Steinmetz. Eine genaue Einschätzung des Gesamtjahres 2020 ist laut Umfrage für rund ein Drittel der Unternehmen derzeit nicht möglich. Für den Jahresumsatz 2020 erwarten rund 48 Prozent der befragten Unternehmer derzeit keinen oder nur einen geringen Rückgang, knapp 20 Prozent befürchten erhebliche Folgen.

Wie die IHK ermittelt hat, zeigen sich die Auswirkungen des Corona-Virus über alle Branchen hinweg. Mehr als 30 Prozent der Unternehmen rechnen demnach in den kommenden Wochen mit Konsequenzen, weil Waren fehlen oder Dienstleistungen nicht erbracht werden können. 34 Prozent sehen sich durch Reiseeinschränkungen und 36 Prozent durch Krankheitsausfälle betroffen. 33 Prozent der Unternehmer sind besorgt, dass die Nachfrage nach ihren eigenen Produkten sinkt. 35 Prozent gehen davon aus, dass sich die Absage von Veranstaltungen auswirkt. Ein Viertel meldet Unsicherheiten über zukünftige Geschäfte. Zehn Prozent der befragten Unternehmer erwarten keine Auswirkungen in den nächsten Wochen.

Steinmetz erläutert: „Besonders betroffen sind Unternehmen, die auf die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern angewiesen sind.“ Denn bei vielen dieser Unternehmen sei es nicht möglich, die Geschäftsbeziehungen kurzfristig umzustellen, heißt es von der IHK. Auch Betriebe, die im Messe- und Veranstaltungsgeschäft tätig sind, erwarten erhebliche Auswirkungen.

Als Vorsichtsmaßnahmen planen rund 78 Prozent der befragten Unternehmen innerbetriebliche Maßnahmen oder haben bereits welche getroffen. 39 Prozent etwa schränken ihre Reisetätigkeiten ein, 28 Prozent sagen Veranstaltungen ab, 49 Prozent verstärken den Einsatz von Hygiene-Material in den Betrieben. Die Unternehmen berichten außerdem über einen verstärkten Informationsbedarf zum Umgang mit Verdachtsfällen im Betrieb und zur staatlichen Lohnerstattung nach dem Infektionsschutzgesetz. „Die Hoffnungen auf eine positivere Konjunkturentwicklung, wie sie noch zu Beginn des Jahres herrschte, sind gedämpft. Von einer Rezessionsgefahr kann jedoch noch nicht die Rede sein“, sagt Steinmetz.