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Coronavirus im Kreis Viersen: Viele Absagen wegen Corona-Gefahr

Abgesagte Termine im Kreis Viersen : Absagen wegen Corona-Gefahr

Viersen verschiebt alle städtischen Veranstaltungen in der Festhalle. Nettetal-Tag und Frühlingsfest finden nicht statt. Niederkrüchten richtet interne Krisen-Bereitschaft ein.

Die Stadt hat alle städtischen Kulturveranstaltungen in der Festhalle bis Ende März verschoben. Stattfinden werden nur das Kulturkarussell am Sonntag, 15. März, und die Fidolino-Veranstaltung am Sonntag, 29. März. Die Abonnenten werden schnellstmöglich über das weitere Vorgehen informiert. Der Young-Life-Bandcontest „Young Talents“ wird ebenfalls verschoben. Der Nachwuchswettbewerb sollte am Samstag, 21. März, beginnen. Auch dafür wird die Stadtverwaltung einen neuen Termin suchen. Informationen zu weiteren Veranstaltungen folgen, sobald diese vorliegen. Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) appellierte an alle Veranstalter, zu überdenken, ob ihr Event jetzt stattfinden muss: „Unser aller Ziel muss sein, die Verbreitung des neuartigen Coronavirus zu verlangsamen. Nur so können wir sicherstellen, dass für besonders gefährdete Menschen auch weiterhin die erforderlichen medizinischen Kapazitäten bereitstehen.“

Die Absage von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen wird in Form einer Allgemeinverfügung zunächst für die Zeit bis Ostern erlassen. Die Bewertung kleinerer Veranstaltungen erfolgt Schritt für Schritt in den nächsten Tagen.

Der Verein für Heimatpflege Viersen hat seinen Mundartwettbewerb für Viersener Schulen vom 17. bis 19. März wegen „gegenwärtiger Infektionsgefahr“, so eine Sprecherin, vorerst abgesagt. Auch der 29. März als Nachholtermin für den Ende Februar sturmbedingt ausgefallenen Tulpensonntagszug in Viersen kann nicht eingehalten werden. „Da die Lage mit dem Corona-Virus noch völlig unklar ist, bitten wir um Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keinen Termin benennen können“, heißt es vom Vorstand des Festausschusses Viersener Karneval.

 Auch Nettetals Bürgermeister Christian Wagner (CDU) kündigte in der Ratssitzung an: „Unser Nettetal-Tag am 29. März und unser schönes Frühlingsfest vom 24. bis 26. April finden nicht statt.“ Er begründete die Absagen mit der Corona-Krise und appellierte an andere Veranstalter, ihre Pläne für die nächste Zeit dringend zu überdenken, etwa für das für Samstag geplante Kneipen-Festival „Nachtschwärmer“ in Nettetal-Kaldenkirchen. Für die Kneipenfestival-Macher sei es nicht einfach, so kurzfristig aus vertragsrechtlichen Verpflichtungen auszusteigen, hieß es aus dem Umfeld des Nettetaler Bierkontors; man sei sich aber der Verantwortung bewusst. Am Mittwochabend fiel dann auch die Entscheidung für die Absage des Festivals.

„Wir werden als Stadt in den nächsten Wochen keine Veranstaltungen durchführen“, sagte Wagner. Eigentlich habe man wegen des 50-jährigen Stadtjubiläums „schöne Monate“ geplant, doch die aktuelle Situation zwinge zum Umdenken. Wagner verwies auf den Erlass der Landesregierung, Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. „Wir werden deshalb unser Verhalten daran ausrichten, andere zu schützen.“

So wie Nettetal reagieren auch Viersen, Brüggen, Schwalmtal und Niederkrüchten auf die drohende Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus.

In Niederkrüchten hat Bürgermeister Kalle Wassong (parteilos) in der Verwaltung eine interne Krisen-Bereitschaft eingerichtet, die auch an den Wochenenden handlungsfähig ist. Sie steht laut Wassong in engem Kontakt zum Krisenstab des Kreises Viersen. Der Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen abzusagen, sei mangels entsprechender Termine in Niederkrüchten zwar nicht anwendbar. Wassong hat aber geplante Veranstaltungen der Gemeinde mit vielen Teilnehmern in einem Raum ebenso abgesagt wie solche, die nicht zwingend am geplanten Termin stattfinden müssen.

So verlief auch die Entscheidung in Nettetal: Für den Verwaltungsvorstand waren laut Wagner zwei Kriterien entscheidend: Zum einen wolle man einen Beitrag leisten, dass sich das Virus nicht sprunghaft weiter ausbreiten könne; Risikogruppen wie ältere Menschen sollten geschützt werden. Zum anderen wolle man helfen, einer Überlastung des Gesundheitssystems vorzubeugen. Wagner: „Es geht uns auch um Solidarität.“ Man baue auf Verständnis, vor allem bei den Werberingen und vielen engagierten Bürgern, die bereits Vorbereitungen getroffen hätten. Auf Nachfrage von Hajo Siemes (WIN) erläuterte Wagner, die Ansagen gelten „bis auf Weiteres“. Wagner hoffe, dass die Veranstaltungen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden können: „Das wird aber nicht einfach, beim Frühlingsfest allein schon wegen des Namens.“ Von den Wirten des Quartier Latin, die beim Frühlingsfest das international renommierte Musikfestival „SpringJam“ veranstalten, hieß es, wenn das Frühlingsfest abgesagt werde, „dann natürlich auch das SpringJam“.

Schwalmtals Bürgermeister Michael Pesch (CDU) bedauert die Absagen, akzeptiert aber die Entscheidung des Ministeriums: „Die Verbreitung des Virus muss verlangsamt werden. Wenn wir Rücksicht auf die betroffenen Risikogruppen nehmen, leisten wir einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Handlungsfähigkeit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens gewährleistet bleibt.“