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Coronavirus im Kreis Viersen: So verändert Corona den Alltag der Menschen

Corona im Kreis Viersen : So verändert das Coronavirus den Alltag

Das Coronavirus schränkt immer drastischer den Alltag der Menschen im Kreis Viersen ein.

Ab Montag schließen die Schulen und Kitas bis zu den Osterferien. Die Fontys Hochschule in Venlo ist geschlossen, die Hochschule Niederrhein verschiebt ihren Semester-Start, die Industrie- und Handelskammern haben sämtliche Prüfungen bis zum 24. April abgesagt. Immer mehr Veranstaltungen werden nicht stattfinden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Das Coronavirus schränkt immer drastischer den Alltag der Menschen im Kreis Viersen ein.

Öffentliches Leben In allen Westkreiskommunen sind Großveranstaltungen, aber auch solche für weniger als hundert Menschen, abgesagt. Noch ist vollkommen unklar, wie lange das öffentliche und kulturelle Leben reduziert ist. In Brüggen, wo es bisher noch keinen Coronavirusfall gibt, sagt Bürgermeister Frank Gellen (CDU), werden „Veranstaltungen kritisch geprüft. So erscheinen zur Zeit zum Beispiel Schützenfeste auf absehbare Zeit nicht umsetzbar.“ Eine definitive Aussage dazu werde es wohl erst in der Nächsten Woche geben. Betroffen sind etwa in Schwalmtal auch die Kommunionvorbereitungen. Johannes Quadflieg, Pfarradministrator der Pfarrgemeinde St. Matthias, sagt: „Wir hatten einen Ausflug der Kommunionkinder nach Kevelaer geplant, der muss jetzt ausfallen.“ Etwa die katholische Gemeinde St. Remigius Viersen hat vorerst alle Wochenenden-Gottesdienste abgesagt. Der Bäderbetreiber NEW hat in Abstimmung mit der Stadt Viersen beschlossen, dass ab sofort das Bad Ransberg in Viersen-Dülken und das Stadtbad Viersen geschlossen bleiben.Alle städtischen Sportplätze und Sporthallen in Viersen sind ab Montag geschlossen. In sehr vielen Sportarten ist der Wettkampfbetrieb ohnehin bereits unterbrochen. Die Viersener Albert-Vigoleis-Thelen-Stadtbibliothek und ihre Zweigstellen sind ebenfalls ab Montag geschlossen. Die Online-Angebote stehen aber zur Verfügung. Auch die Galerie im Park in Viersen ist ab Montag geschlossen. Die für Sonntag, 29. März, geplante Eröffnung der Ausstellung „Schwarz-Weiß II“ ist abgesagt. Die Gemeindeverwaltung Brüggen hat die sofortige Schließung dieser Einrichtungen bekannt gegeben: vom Museum „Mensch und Jagd“ in Burg Brüggen, von der Touristikinformation in der Burg Brüggen, von der Gemeindebücherei am Kreuzherrenplatz sowie von den Jugendtreffs in  Born (Schwalmweg 16) und in Brüggen (Secondhome, Klosterstraße 38). Neben der Burggemeindehalle bleiben das Hallenbad sowie Sportplätze und Sporthallen geschlossen.

Einsamkeit In Seniorenheimen und Krankenhäusern werden die Besuche möglichst eingeschränkt. „Wir bitten darum, dass pro Patient nur ein Besuch einer Person pro Tag stattfindet“, sagte zum Beispiel Sigrid Braum, Sprecherin des Krankenhauses St. Irmgardis in Viersen-Süchteln, am Freitagmittag. Besucher sollen zudem ihre Hände waschen und desinfizieren, bevor sie ins Krankenhaus kommen. Sie betonte: „Wir sind gut vorbereitet auf Corona.“ Noch sei in Süchteln kein Infizierter behandelt worden. Sei das der Fall, „muss alles, was um ihn herum passiert, desinfiziert werden“. Dafür sei eine eigene Reinigungskraft abgestellt, die über Rufdienst erreichbar ist. Und: „Wir werden Beatmungspatienten aufnehmen müssen, um anderen Krankenhäusern in der Region zu helfen“, sagt sie. „Dafür treffen wir derzeit Vorkehrungen.“

Peter Babinetz und Christian Schrödter vom Vorstand des Caritasverbands für die Region Kempen – Viersen berichteten am Freitagmittag: „Das Thema Corona ist in unseren Einrichtungen, sowohl unter den Mitarbeitenden als auch bei den älteren Menschen, allgegenwärtig. Viele sind besorgt.“ Bereits vor zwei Wochen seien konkrete Maßnahmen ergriffen und zur Prävention umgesetzt worden. „Die Pflegeeinrichtungen haben intensive hygienische Maßnahmen, Notfallpläne und Vorkehrungen getroffen entsprechend der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der kommunalen Behörden.“ So seien etwa die Angehörigen der Heimbewohner schriftlich gebeten worden, „ihre Besuche aktuell auf ein Minimum zu reduzieren“. Diverse Veranstaltungen seien bereits abgesagt worden. Auch Quartiersangebote, die von den Caritas-Altenheimen ausgehen, wurden auf ein absolutes Minimum reduziert oder ganz ausgesetzt. Zum Beispiel hat das Bistro des Paulus-Stifts nun schon in der zweiten Woche geschlossen.

Martin Stoof, Geschäftsführer Seniorenzentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Viersen, erklärte am Freitagvormittag: „Wir betrachten die Entwicklung im Zusammenhang mit der Corona-Krise mit dem gebotenen Ernst, aber momentan ist weder bei Mitarbeitern noch Bewohnern, Mietern, Gästen und Klienten unserer sieben Unternehmensbereiche übermäßige Unruhe zu beobachten.“ Wie beim Caritasverband, greifen auch dort Hygiene- und andere Schutzmaßnahmen. Aber: „Die meisten Verhaltensempfehlungen, wie zum Beispiel die intensive Handhygiene, sind bei uns sowieso ständige Begleiter unserer täglichen Arbeit. Schließlich gehen wir häufig auch mit anderen Infektionen um und haben es in aller Regel mit zum Teil immungeschwächten und alten Menschen zu tun“, erläutert Schoofs. „Wir bitten Angehörige und Gäste durch Aushänge und auf dem Postweg umsichtig mit Besuchen bei uns zu verfahren, das heißt, sich ebenfalls an Hygienevorschriften zu halten, beziehungsweise, wenn sie aus Risikogebieten kommen, auf Besuche ganz zu verzichten.“ Veranstaltungen unter Beteiligung der Öffentlichkeit seien bis Ende Mai abgesagt. „Intern geht alles für unsere Bewohner wie gewohnt weiter, die den Mitarbeitern und mir bisweilen zwar besorgt über die allgemeine Entwicklung begegnen, aber darauf vertrauen, dass wir als Unternehmen die nötigen Vorsichtsmaßnahmen umsichtig durchführen.“

Und auch die Menschen selbst sind achtsamer. Eine 45-jährige aus dem Kreis Kleve, die selbst unter häuslicher Quarantäne stand, achtet jetzt besonders auf ihre Kontakte: „Wir müssen vor Allem die Älteren und Vorerkrankten schützen. Deshalb versuche ich mich so gut es geht von diesen fernzuhalten.“ Gabriele Menthe (67), Mitglied im Viersener Rockchor 60+, geht momentan lieber auf Nummer sicher: „Ich werde nicht zu unserem nächsten Auftritt gehen. Beim Chor wird aus voller Kehle gesungen. In Zeiten von Corona möchte ich mich davon distanzieren.“ Hans Bretschneider, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Viersen, stelle eine geringere Nachfrage bei sonst gut besuchten Veranstaltungen und auch bei den Gottesdiensten fest.

Prävention Ulrich Evers (78) aus Viersen-Süchteln wollte am Wochenende das kurzfristig abgesagte Jazz-Konzert im Weberhaus besuchen. Auch beim Aufenthalt im Fitnessstudio sei der Rentner vorsichtiger: „Ich desinfiziere meine Hände sowohl vor als auch nach der Benutzung der Geräte.“ Das nehme zwar mehr Zeit in Anspruch, sei aber auch sicherer. Fassungslos war die Gladbacherin Gabriele Menthe, als sie in der Drogerie vor leeren Regalen für Seife und Desinfektiosnmittel stand: „Ich frage mich langsam, ob die Leute sich vor dem Virus nicht die Hände gewaschen haben.“ In vielen Restaurants bleiben die Stühle leer. Auch dort wird Desinfektion groß geschrieben. Joannis Panagou vom Viersener Restaurant „The Mexican“ lässt nur noch Gäste Platz nehmen, die sich zuvor die Hände desinfiziert haben.

Neue Riten Auch die Kirchengemeinden im Umkreis ergreifen weitere Vorsichtsmaßnahmen: Nicht nur die Weihwasserbecken bleiben leer. Man verzichte jetzt während der Messe auf den Friedensgruß und die Kommunionspendung erfolge ausschließlich als Handkommunion, sagt Jan Nienkerke, Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Cornelius und Peter in Viersen-Dülken.

Nachbarschaftshilfe Die Junge Union in Niederkrüchten stellt einen Einkaufsservice zusammen. Wer Hilfe braucht, kann sich unter der Nummer 0151 40747974 melden. „Wir wollen den Älteren helfen. Wir fahren zu den Leuten, nehmen Einkaufszettel und Geld entgegen und bringen die Sachen vorbei“, sagt Martin Fakler (29), Geschäftsführer der Jungen Union in Niederkrüchten. Rund zehn Helfer stünden am morgigen Samstag und am kommenden Samstag bereit.