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Coronavirus - die Fragen der Bürger im Kreis Viersen

Bürgertelefon im Kreis Viersen : Coronavirus: Die Fragen der Bürger

Zum Start gab’s zahlreiche Anrufe beim Bürgertelefon des Kreises. Der sagte gestern zwei größere Veranstaltungen ab. Der Landrat kritisierte Land und Bund, weil den Kommunen klare Handlungsanweisungen fehlen würden.

Das am Dienstag neu eingerichtete Bürgertelefon des Kreises Viersen zum Umgang mit dem Coronavirus ist am ersten Tag mehr als 50 Mal angerufen worden. Derweil wurden weitere Absagen von größeren Veranstaltungen im Kreis Viersen bekannt: So lässt der Kreis Viersen das für Sonntag, 8. März, geplante Preisträgerkonzert „Jugend Musiziert“ ausfallen, auch der für Freitag, 6. März, geplante Fachtag „Kindertagespflege“ in Viersen wird verschoben.

Wie viele Menschen aktuell vom Kreisgesundheitsamt betreut werden, will der Kreis am Mittwoch nach einem Treffen des Krisenstabs mitteilen. Der letzte veröffentlichte Stand waren am Montagabend 45 Personen, die Umgang mit Infizierten hatten. Dazu gehören auch rund 28 Polizisten, die Kontakt zu zwei infizierten Polizistinnen der Kreispolizeibehörde hatten. Entwarnung gab es bis Montagabend für eine Kontaktperson. Alle Kontaktpersonen befanden sich zu Hause in Quarantäne.

Der Kreis hatte am Dienstag ein Bürgertelefon eingerichtet, weil sich in den vergangenen Tagen Hunderte Anrufer ans Kreisgesundheitsamt gewandt hatten. Es wurde am Tag seiner Premiere gut angenommen. „Gerade am Morgen gab es einen relativ großen Ansturm“, berichtet Kerstin Kremers. „Die Anrufer sind nicht in Panik, aber sie haben Fragen.“ Eigentlich arbeitet Kremers im Kreis-Jugendamt, kümmert sich dort ums Projekt „Demokratie leben“. An diesem Dienstag sitzt sie in einem Ruheraum im Obergeschoss der Kreisleitstelle Viersen, hat ein Headset auf dem Kopf, beantwortet die Fragen der Anrufer zum Virus – gemeinsam mit Tobias Binkowski, regulär Mitarbeiter des Kreisordnungsamtes, und Annika Seebauer. Leise läuft im Radio im Hintergrund „Welle Niederrhein“. „Wenn dort über Corona berichtet wird, gehen bei uns wenig später die Anruferzahlen in die Höhe“, sagt Binkowski.

Die häufigste Frage der Anrufer: „Ich habe Husten – wie soll ich mich jetzt verhalten?“ Kremers hat eine Frage-Antwort-Liste auf dem Bildschirm ihres Laptops – aber diese Antwort kennt sie auswendig. Telefonisch an den Hausarzt wenden, die Symptome schildern. Dort wird dann entschieden, ob er einen Hausbesuch macht oder der Patient in die Praxis kommt. „Alle Hausarzt-Praxen im Kreis Viersen sind derzeit normal am Netz“, sagt Christopher Schneider von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein.

Ebenfalls häufig am Bürgertelefon nachgefragt: „Ich hatte Kontakt mit einer Polizistin. Kann das eine der beiden mit Covid-19 Infizierten gewesen sein?“ Die Antwort aus der Kreisleitstelle: Alle Kontakte der beiden Polizistinnen sind bekannt und wurden informiert. Wenn Sie nicht informiert wurden, besteht keine Gefahr. „Es melden sich aber auch Veranstalter von privaten oder öffentlichen Feiern bei uns“, berichtet Kerstin Kremers. „Oder Schulen oder Kindergärten, die wissen wollen, ob es Empfehlungen gibt, geplante Veranstaltungen abzusagen.“ Solche Empfehlungen gibt es derzeit vom Kreis nicht. „Das Vermeiden von Menschenmengen ist aber eine angemessene Vorsichtsmaßnahme, um ein Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus gering zu halten“, sagt Landrat Andreas Coenen (CDU), der die Absagen der beiden Veranstaltungen des Kreises bedauert. In den kommenden Wochen werde der Kreis im Einzelfall auch weiterhin prüfen, welche seiner Veranstaltungen stattfinden oder abgesagt werden, kündigte er an. Der Landrat kritisierte, dass es vom Land NRW oder dem Bund für die Kommunen keine Empfehlungen zu Veranstaltungsabsagen gebe. Für diesen Mittwoch lud er Vertreter der Städte und Gemeinden im Kreis Viersen ein, damit zumindest im Kreis einheitliche Standards gelten.

Das Preisträgerkonzert von „Jugend musiziert“ sollte am Sonntag in Kempen stattfinden. Die Gewinner des Regionalwettbewerbs aus dem Kreis Viersen sollten ihre preisgekrönten Stücke spielen und ihre Urkunde erhalten Das Konzert wird nicht nachgeholt. Der Fachtag „Kindertagespflege“ ist eine Veranstaltung des Kreisjugendamtes und der Jugendämter Kempen, Nettetal und Viersen. Er sollte am Freitag, 6. März, im Forum des Kreishauses in Viersen stattfinden. Der Fachtag wird voraussichtlich nachgeholt.