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Corona - Unternehmen aus Viersen lässt bei Mitarbeitern Fieber messen

Firma aus Viersen : Corona-Angst - vor Zutritt zum Betrieb wird Fieber gemessen

Aus Angst vor Corona hat ein Viersener Unternehmer Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Ein Arbeitsrechtler sieht die kritisch.

Mitarbeiter, die bei sich Symptome einer Grippe feststellen, sollen Urlaub nehmen oder unbezahlt zu Hause bleiben. Wer aufs Firmengelände möchte, muss sich Fieber messen lassen – sonst wird der Zutritt verweigert. Dazu noch vor dem Einstempeln Desinfektionsspender nutzen, regelmäßig Hände waschen: Mit Maßnahmen wie diesen, die auf einem Merkzettel aufgeführt sind, möchte die Geschäftsführung des Viersener Unternehmens Groschopp verhindern, dass sich in der Firma jemand mit dem Coronavirus infiziert. Ein Angestellter kritisiert: „Ich bezweifle, dass diese betrieblichen Maßnahmen mit dem Arbeitsrecht vereinbar sind.“ Guido Raudenkolb, Anwalt für Arbeitsrecht aus Neuss, pflichtet ihm bei. Dass die Arbeitnehmer etwa unbezahlt zu Hause bleiben sollen, sei nicht zulässig, sagt er mit Verweis auf das Infektionsschutzgesetz.

In der vergangenen Woche war der Merkzettel an die Belegschaft verteilt worden. Seit Montag wird bei den Angestellten morgens Fieber gemessen. Bisher habe noch kein Mitarbeiter diese Maßnahme verurteilt, sagt Geschäftsführer Wolfgang Pflug. „Vor dem Hintergrund, dass wir eine Produktion in China unterhalten, ist es umso wichtiger, den Mitarbeitern größtmögliche Sicherheit zu geben, dass alles Erdenkliche getan wird, um ihre Gesundheit nicht zu gefährden.“

Groschopp produziert Antriebstechnik. Die Möglichkeit, Homeoffice anzubieten, sei begrenzt, erläutert Pflug. „Wir können daher nur für die Einhaltung von Hygienestandards appellieren und um sensiblen Umgang mit den Krankheitssymptomen bei sich und anderen auffordern.“ Dass Arbeitnehmer eigeninitiativ – bezahlt oder unbezahlt – Urlaub nehmen, sei als Möglichkeit gedacht, „falls jemand den Weg zum Arzt scheut“.

Anwalt Raudenkolb betont, ein Arbeitgeber könne seine Angestellten nicht zwingen, sich etwa regelmäßig die Hände zu waschen oder zu desinfizieren, oder sich Fieber messen zu lassen. „Das halte ich für freiwillige Leistungen“, sagt er.

(naf)