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Corona-Pandemie - Hilferuf einer Reisebüro-Inhaberin aus Brüggen

Corona in Brüggen : Corona-Pandemie — Hilferuf einer Reisebüro-Inhaberin

„Ich sehe gerade alles, was ich mir in 30 Jahren aufgebaut habe, den Bach runtergehen.“ Gabriele Seifert-Lieck ist Inhaberin eines Reisebüros in Brüggen. Jetzt schrieb sie an den Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer.

Urlaub ist wieder ein Thema. In vielen Reisebüros aber werden Ferien gerade rückabgewickelt. Auch bei Gabriele Seifert-Lieck in Brüggen. Sie hat  90 Prozent Umsatzeinbußen, das Team ihres Reisebüros berate unbezahlt weiter: „Die Tourismusbranche ist die einzige Branche, die die erwirtschafteten Einkünfte von 2019 zurückzahlen muss“, kritisiert Seifert-Lieck. Wer etwa mit Katalogen beschäftigt war, Hotels, Mitarbeiter, Steuerbüros – alle hätten für die Saison Arbeit geleistet und seien entlohnt worden. Sie wickele jetzt Verträge aus 2019 ab, aktuelle Provisionen fehlten.

Die Reisebüro-Chefin versucht, ihre Mitarbeiter zu halten, verzichtet dafür selbst auf Einkünfte. „Jemand, der seit 20 oder 25 Jahren hier ist, den setze ich doch nicht auf die Straße. Das ist meine unternehmerische Verantwortung“, sagt sie. Sie hat jetzt einen Hilferuf an den CDU-Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer geschrieben und „branchenspezifische Lösungen“ gefordert: „Wir können nicht, anders als Einzelhandel oder Gastronomie, nach acht Wochen öffnen und Umsätze generieren.“ Sie fordert ein bedingungsloses Unternehmereinkommen von 1000 Euro für ein Jahr, wenn durch Corona Umsatzeinbrüche von 50 Prozent nachweisbar sind sowie einen  Tourismusfonds für gesunde touristische Unternehmen. „Verunsicherten Reisekunden stehen wir seit Wochen kostenfrei zur Seite“, sagt sie. Die telefonische Erreichbarkeit der großen Reiseveranstalter sei aber für Wochen eingestellt worden.

„Es gibt neue Entwicklungen hin zu einem Rettungsfonds für Reisebüros“, erklärt Schummer auf Anfrage. „Die Idee, insolvenzgeschützte Reisegutscheine auszugeben, wurde von der Europäischen Kommission nicht akzeptiert.“ Jetzt sollen aus einem staatlich finanzierten Fonds Reisegelder zurückerstattet werden. Dabei soll der Steuerzahler vorfinanzieren und die Reisebranche von neu gebuchten Pauschalreisen ein Prozent in diesen Fonds zurückzahlen. Es gehe um etwa zehn Milliarden Euro. „Auch in Deutschland wird der Tourismus wieder anlaufen“, ist Schummer überzeugt. „Der Beratungsbedarf in Zeiten einer weltweiten Pandemie für sicheres Reisen wird zunehmen. Deshalb finde ich auch einen Rettungsschirm mit Direkthilfen und anderen Elementen der Unterstützung richtig.“ Überlegenswert sei, den Zugang zur Grundsicherung in ein Grundeinkommen weiter zu entwickeln. Gabriele Seifert-Lieck sorgt sich: „Ich sehe gerade alles, was ich mir in 30 Jahren aufgebaut habe, den Bach runter gehen.“ Das Jahr sei „durch“: Wenn jetzt gebucht werde, dann für 2021. Erst dann gebe es die Provision.

(bigi)