1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Corona Kreis Viersen: Maskenpflicht im Auto - Verschärfung von Maßnahmen

Sieben-Tage-Inzidenz über 200 : Kreis Viersen verschärft Corona-Maßnahmen

Der Landrat ordnet verschärfte Schutzmaßnahmen im Kreis Viersen an und spricht von einer „sich dramatisch entwickelnden Lage“. Am Mittwoch wurden die Todeszahlen erstmals zweistellig, die Kapazitäten der Krankenhäuser sind erschöpft.

Drei Tage, nachdem im Kreis Viersen der Inzidenz-Wert erstmals über 200 stieg, hat Landrat Andreas Coenen (CDU) am Mittwoch bekanntgegeben, dass er verschärfte Schutzmaßnahmen anordnet. Sie umfassen sechs Punkte:

■ Bei gemeinsamen Fahrten in Fahrzeugen ist mindestens eine Alltagsmaske zu tragen, wenn Personen aus verschiedenen Haushalten anwesend sind.

■ Eine Verschärfung gilt auch für Geschäfte: Die Zahl der gleichzeitig in Handels- und Dienstleistungseinrichtungen mit Kundenverkehr anwesenden Kunden darf eine Person pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche nicht übersteigen.

■ In Büros und sonstigen Firmen müssen die Angestellten mindestens eine Alltagsmaske tragen. Ausnahme eins: Ist ein Arbeitnehmer allein im Büro, muss er keine Maske tragen. Ausnahme zwei: In gut durchlüfteten Werkshallen darf für körperlich anstrengende Arbeiten auf das Tragen einer Maske verzichtet werden, wenn sichergestellt ist, dass zu anderen Personen dauerhaft ein Abstand von mindestens zwei Metern eingehalten wird.

■ In Alten- und Pflegeheimen und in der ambulanten Pflege hat jedermann, der Kontakt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern oder dem pflegenden Personal hat, FFP-2-Masken oder solche mit höherer Schutzklasse zu tragen. Besucher werden nur nach einem negativen PoC-Antigen-Test in die Einrichtung gelassen.

■ An standesamtlichen Trauungen dürfen nicht mehr als fünf Personen, an Trauerfeiern und Beerdigungen nicht mehr als 25 Personen teilnehmen.

■ In Arztpraxen, Heilarztpraxen und Apotheken muss das Personal FFP2-Masken tragen.

Eine Ausgangsbeschränkung, wie sie in anderen Corona-Hotspots angeordnet wurde, ist nicht Teil des Maßnahmenpakets. Noch sind die verschärften Maßnahmen nicht in Kraft. Der Kreis hat sie mit den kreisangehörigen Städten und Gemeinden besprochen, allerdings muss das Land NRW noch zustimmen. „Das Gesundheitsministerium  wurde informiert“, erklärte Kreis-Sprecherin Anja Kühne. Stimmt das Ministerium den Maßnahmen zu, treten sie in Kraft. Am Mittwochabend war noch unklar, ob das bereits an Heiligabend so sein wird oder erst nach den Weihnachtsfeiertagen. Das Ministerium war telefonisch nicht zu erreichen.

Coenen erklärte: „Wir müssen alles versuchen, um die hohen Zahlen von Corona-Fällen zu drücken. Ich warne aber: Mehr Maßnahmen alleine werden nicht helfen.“ Die „erschreckend hohen Fallzahlen“ würden nur sinken, wenn die Regeln auch tatsächlich eingehalten werden. Alle müssten Disziplin üben und ihr Verhalten an die „sich dramatisch entwickelnde Lage“ anpassen.

Die Bürger sollten auch überprüfen, ob sie alle Spielräume, die die Regeln beim Kontakt an den Weihnachtstagen erlauben, wirklich in Anspruch nehmen. „Wenn wir wollen, dass unsere Krankenhäuser nicht überlaufen und noch mehr Menschen an Corona sterben, müssen wir Verzicht üben – auch an Weihnachten“, erklärte der Landrat. „Das sind wir unseren Mitmenschen und uns selber, übrigens auch den seit Monaten stark belasteten Mitarbeitern in den Krankenhäusern, schuldig.“

Das Infektionsgeschehen im Kreis Viersen hatte sich am Mittwoch verschärft: Zehn weitere Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, sind gestorben. Außerdem wurden dem Kreis binnen eines Tages 176 Neuinfektionen bekannt. Aktuell gelten 1072 Personen als infiziert. 95 von ihnen werden stationär in den sechs Krankenhäusern im Kreis Viersen behandelt, davon acht Patienten auf Intensivstationen. Alle acht müssen invasiv beatmet werden.

Wie ein Kreis-Sprecher mitteilte, hat der Rettungsdienst zunehmend Schwierigkeiten, im Notfall Patienten in einem der Krankenhäuser unterzubringen, weil die Kapazitäten erschöpft sind. Die Leitstelle müsse bereits nach freien Plätzen für Notfallpatienten in Nachbarkreisen und -städten suchen. „Das macht den Ernst der Lage mehr als deutlich“, betonte der Landrat. „Jeder und jede ist jetzt aufgefordert, etwaige Pläne für familiäre Zusammenkünfte an Weihnachten kritisch zu überdenken, um das Coronavirus nicht noch weiter zu verbreiten.“ Die Krankenhäuser müssten dringend entlastet werden, damit die Notfallversorgung wieder in einer Klinik in der Nähe möglich werde.

Der Landrat appellierte auch an den Bund, zur Entspannung der Lage in den Krankenhäusern im Kreis und andernorts beizutragen, indem er seine finanziellen Hilfen an der Realität der Kliniken orientiere. So begünstige das Bevölkerungsschutzgesetz Schwerpunktversorger mit der Notfallstufe 2 und 3. Tatsächlich seien aber alle Krankenhäuser an der Versorgung der Corona-Patienten beteiligt, und das auch mit ihren Normalstationen. An diesen Kliniken flössen die Hilfen aber vorbei. So bestünden für sie letztlich auch keine Anreize, Kapazitäten aus ihrem Regelbetrieb für Corona-Patienten freizuhalten. Coenen: „Auf den Krankenhäusern ruht in der zweiten Pandemiewelle die ganze Hoffnung vieler schwer an Corona erkrankter Menschen. Den Kliniken darf aus ihrem Einsatz kein wirtschaftlicher Nachteil erwachsen.“

Bei den zehn Todesfällen, die am Mittwoch gemeldet wurden, handelt es sich um einen 92-jährigen Mann aus Willich, eine 94-jährige Frau aus Niederkrüchten, eine 93-jährige Frau aus Nettetal, eine 71-jährige Frau aus Kempen, außerdem eine 90-jährige Frau, eine 86-jährige Frau, eine 79-jährige Frau, einen 83-jährigen Mann, einen 90-jährigen Mann und einen 93-jährigen Mann aus Viersen. Außerdem korrigiert der Kreis eine Angabe vom Vortag: Der am Dienstag als verstorben gemeldete 51-jährige Mann kommt aus Nettetal, nicht aus Viersen.

Die Zahl der neuen bestätigten Fälle in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner (Inzidenzwert) im Kreis Viersen steigt von 222 auf 244. Der Kreis meldet auch neue Corona-Fälle aus Pflegeeinrichtungen: Haus im Johannistal in Viersen (ein Bewohner), Haus St. Franziskus in Brüggen (ein Bewohner) und DRK-Seniorenzentrum Moosheide in Willich (ein Beschäftigter, damit erhöht sich die Anzahl der positiv Getesteten auf 13). In Viersen gelten aktuell 384 Menschen als infiziert, in Nettetal 159, in Brüggen 28, in Schwalmtal 46 und in Niederkrüchten 24.