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Christmette der ARD aus Lobberich: Impfstoffs als Zeichen der Zuversicht

Christmette der ARD aus Lobberich

Lichtstrahl des Impfstoffs als Zeichen der Zuversicht

Bei einer Probe zur Christmette: Die ARD übertrug sie aus der Kirche in Lobberich für Deutschland und die Schweiz. Die inhaltliche Leitung lag bei Pfarrer Ulrich Clancett. FOTO: Lukas Hauertz

Lobberich Die TV-Weihnachtsbotschaft der ARD und des Schweizer Fernsehens kam in der Nacht zum ersten Weihnachtstag aus dem niederrheinischen Lobberich. Dort predigte der Jüchener Pfarrer Ulrich Clancett.

Die Botschaft, die Pfarrer Ulrich Clancett in der feierlichen Christmette per Live-Übertragung im Fernsehen übermitteln wollte, war eindeutig: Es gibt Zuversicht, es gibt Licht. Eine millionenfache Zuhörerschar war dem Pfarrer der Gemeinschaft der Gemeinden Jüchen sicher, als er an Heiligabend die festliche Christmette unter Corona-Bedingungen und damit unter Ausschluss der Gläubigen zelebrierte. Live wurde die ARD-Fernsehmesse aus der Alten Kirche Lobberich in Deutschland und der Schweiz per Eurovision ausgestrahlt.

„Eine riesengroße Gemeinde gemeinsam vor dem Bildschirm – wunderbar“, sagte er zur Begrüßung. Von den Schwierigkeiten und Problemen vor der Aussendung bekamen die Betrachter nichts mit. Auch das unvermeidliche Lampenfieber, das Clancett vor seiner TV-Premiere plagte, hatte er gut im Griff. Vieles von dem, was schon Monate zuvor bei der Gestaltung der mitternächtlichen Messe geplant worden war, musste umgeworfen werden. In das  ursprüngliche Thema „Weihnachten - Frieden seit 75 Jahren“ musste die Dramatik der Corona-Pandemie eingebaut werden, die detaillierte technische und organisatorische Vorbereitung würde jäh gestört, als der WDR sich dazu entschloss, ebenfalls in dieser Kirche an Heiligabend mit dem Bischof von Essen eine Messe zu feiern.

Da blieb am Abend gerade einmal eine halbe Stunde Zeit, um das Gotteshaus zwischen beiden Messen umzubauen und eine andere Technik zu installieren. „Wir haben ein tolles Team mit absoluten Topleuten“, hatte Clancett am Tag vor den Gottesdiensten begeistert erklärt. „Ich bin sicher, niemand am Fernseher wird merken, dass wir bis auf den letzten Drücker an der Ausstrahlung gearbeitet haben.“

So sahen die Zuschauer am Fernsehen die Christmette. FOTO: Screenshot TV

In der Tat war der Gottesdienst ein den Betrachter im heimischen Wohnzimmer packendes Ereignis. Technisch und organisatorisch bestens vorbereitet, war er inhaltlich und musikalisch der Heiligen Nacht angemessen. Nicht ohne Grund hatten Clancett und die TV-Organisatoren die Alte Kirche in Lobberich ausgesucht. Das Gotteshaus zeigt, 75 Jahre nach dem Kriegsende, immer noch und bewusst Schäden, die ihm 1945 der Krieg zugefügt hat. Gerade diese Kirche sei seit 550 Jahren ein Symbol für Zuversicht, meinte Clancett. Die Kirche, nunmehr Ort besonderer Anlässe und Gottesdienste, habe Pest und den 30-jährigen Krieg und die beiden Weltkriege überstanden und halte sich dabei trotz aller Verwundungen. Das gebe Kraft und zeige Lebenswillen. So sagte es Clancett dann auch in seiner Predigt: „Der Gott der Christen ist ein Gott, der Wunden kennt, und darum glaube ich ihm.“

Clancett zog eine dramatische Parallele zur heutigen, schwierigen Coronazeit: „In diesen Tagen wird das Vokabular des Kriegshandwerks neu belebt.“ Das Pflegepersonal kämpfe „an der Front“ gegen die Pandemie. Zur Rettung der Wirtschaft käme eine Bazooka zum Einsatz. Doch man solle sich ein Beispiel nehmen an den Monaten nach dem Kriegsende: „1945 war das Friedenslicht noch klein, aber die Menschen waren voller Zuversicht. Diese Zuversicht soll auch unser Weihnachtsfest prägen in dieser verwundeten Zeit.“

In der Ästhetik der geschundenen und verwundeten Alten Kirche spiegele sich das Signal wider: „Du bist nicht allein“. Das Signal zog sich auch durch den Gottesdienst. Die Zuversicht gibt Hoffnung, das Licht zeigt den Weg und gibt Wärme. „Das Licht des Friedens ist ganz klein so wie das Kind in der Krippe ganz klein ist.“ Jeder, der ein Licht anzündet und es teilt, gibt es weiter und sorgt für noch mehr Wärme. So sei auch die einsetzende Impfung in der Corona-Pandemie zunächst nur ein kleines Licht, das sich aber immer weiter ausbreite und das den Menschen Zuversicht geben könne. „Wir sollen die Zuversicht in den Mittelpunkt stellen, nicht das Klagen.“

Authentisch und aktuell war die Mitternachtsmesse in der Kirche ohne Orgel, bei der ein zwölfköpfiger Chor, begleitet von drei Querflöten, einer Harfe und einem Konzertflügel unter der Leitung von Elmar Lehnen, Organist der Basilika in Kevelaer, für die musikalische Untermalung sorgte. Die tagesaktuellen Fürbitten stammten von Menschen, die mit Namen genannt wurden, und in denen der Wunsch nach Gemeinschaft und Nähe geäußert wurden.

Corona und die Einsamkeit, aber auch der sexuelle Missbrauch, der aufgearbeitet werden muss, kamen zur Sprache.  Sein Ziel hat Pfarrer Clancett erreicht: Er hat einen Weihnachtsgottesdienst gehalten, der tatsächlich Licht ins Dunkel bringt und der die Gläubigen mit Zuversicht ins neue Jahr treten lässt – Corona und allen Wunden zum Trotz.