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BUND will keine Schottergärten in Viersen

Gärten in Viersen : Platzverweis für Schottergärten

Die Viersener Stadtverwaltung soll verhindern, dass Hauseigentümer vermeintlich pflegeleichte Steinflächen statt grüner Vorgärten anlegen. Das fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz in einem Bürgerantrag.

Graue Steinchen statt bunter Blüten, weit und breit kein Grashalm zu sehen: Die sogenannten Schottergärten vor Häusern sind üblicherweise alles andere als Farbkleckse im Stadtbild. Aber das ist Geschmackssache. Viel schwerwiegender ist: Wachsen im Garten keine Pflanzen, bietet er keinen Lebensraum für Tiere. Doch nicht nur deshalb setzt sich der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) dafür ein, dass die Schottergärten wo immer möglich aus dem Stadtbild verschwinden – und neue gar nicht erst angelegt werden dürfen. Der BUND fordert in einem Bürgerantrag an die Stadtverwaltung „Bestandsschutz für die klassisch/ökologisch angelegten Vorgärten und Hausfassaden mit begrünten und/oder bepflanzten Flächen in Viersen“. Darüber hinaus sollen Grundstückseigentümer finanziell gefördert werden, die beantragen Haus-, Mauer- und Garagenfassaden neu zu begrünen. Mit den Ideen des BUND soll sich die Verwaltung nun genauer befassen. Damit haben sie die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und -planung in ihrer jüngsten Sitzung beauftragt.

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Die Vorsitzende des BUND Kreis und Stadt Viersen, Almut Grytzmann-Meister, gab in der Ausschuss-Sitzung eine persönliche Stellungnahme ab. Sie betonte, dass sich die Schottergärten bei starker Sonneneinstrahlung „wie wir sie im letzten Sommer wochenlang hatten“ stärker aufheizen als begrünte Gärten – die Folge sei „eine höhere Abstrahlung in das umgebende Wohnumfeld“. Das sei „nicht nur eine massive Einschränkung der Lebens- und Wohnqualität, vor allem für Kleinkinder und ältere Menschen“, sondern bedeute auch für kranke Menschen: „Es besteht akute Lebensgefahr.“ Deshalb sei sofortiger Handlungsbedarf geboten.

In ihrem Antrag machen die Mitglieder des BUND noch auf weitere Probleme aufmerksam, die mit einem Vlies unterlegte Schottergärten mit sich bringen können. „Eine weitere Versiegelung der Flächen rund um unsere Häuser bewirkt bei den immer häufiger auftretenden Starkregenfällen, dass sich das anfallende Regenwasser schnell einen Weg in der Kanalisation sucht oder es breitet sich in unseren Kellern und Tiefgaragen aus“, erläutert Grytzmann-Meister. „Eine lebendige und vielfältige Vegetation in der Umgebung unserer Häuser dagegen hält das Wasser auf, verteilt die Feuchtigkeit optimal im gesamten Erdreich“, fügt die Naturschützerin in dem Schreiben an. Weitere Vorteile der grünen Gärten: Bessere Luft, mehr Kühlung im Sommer, mehr Lebensraum für Insekten.

Der Stadtverwaltung ist das Thema Schottergärten nicht neu. Bereits in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und -planung Mitte September machte die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche in einer Sitzungsvorlage darauf aufmerksam, dass sich die Verwaltung seit längerem „mit dem immer weiter umgreifenden Phänomen der ,Schotterwüsten’ in den Vorgärten“ beschäftige. Darauf wies sie nun auch in der jüngsten Sitzung des Ausschusses hin. Sie betonte, dass in neuen Bebauungsplanentwürfen der Stadt eine in der Bauordnung NRW aufgeführte Regelung integriert werde, um Schottergärten zu verhindern. Danach sollen Freiflächen auf bebauten Grundstücken wasseraufnahmefähig belassen oder hergestellt und begrünt oder bepflanzt werden – „soweit dem nicht die Erfordernisse einer anderen zulässigen Verwendung der Flächen entgegenstehen“. Darüber hinaus strebe die Verwaltung an, Bauherren „im Rahmen von Bauantragsverfahren oder beim Kauf eines Grundstücks“ zu beraten, ergänzte sie jetzt in der jüngsten Ausschuss-Sitzung.

Der BUND möchte aber nicht nur neue Schottergärten verhindern. „Was geschieht mit den bereits in großer Zahl bestehenden Schottergärten?“, fragte Grytzmann-Meister in der Sitzung. „Sollen sie Bestandsschutz genießen? Allein nur mit der Feststellung, dass diese ,Schotterwüsten’ überhand nehmen, wird noch keine einzige Versiegelungsfläche beseitigt“, ergänzte sie. Der BUND fordert deshalb, die Stadt solle den Rück- oder Umbau bestehender Schottergärten und Betonflächen in grüne Vorgärten „sowohl durch Fachinformationen wie auch finanziell“ unterstützen.

Im nächsten Schritt soll die Stadtverwaltung nun aber erst Mal eine Sitzungsvorlage zum Thema Schottergärten für den Ausschuss für Stadtentwicklung und -planung vorbereiten. Damit hat sie der Ausschuss bei einer Gegenstimme (FDP) beauftragt.