Viersen: Bürgerbegehren für Stolpersteine

Viersen: Bürgerbegehren für Stolpersteine

Der Viersener Stadtrat hat entschieden, dass Hausbesitzer weiterhin einem Stolperstein vor ihrem Haus widersprechen können. Der Süchtelner Uwe Micha erwägt ein Bürgerbegehren, um den Ratsbeschluss zu kippen

Nach der Ratsentscheidung Ende April, dass Hausbesitzer weiterhin gegen Stolpersteine Einspruch erheben können sollten, erwägt Uwe Micha, einen Bürgerbegehr zu starten. Micha beschäftigt sich bereits seit rund 16 Jahren mit der Geschichte Viersens und bemüht sich um die Verlegung neuer Stolpersteine. Heute soll das erste Treffen mit Gleichgesinnten stattfinden, darunter auch Ex-Bürgermeister Günter Thönessen (SPD). Micha: "Ich hatte in einer Facebookgruppe dazu aufgerufen, sich bei Interesse bei mir zu melden."

Nur 28 Steine gibt es in Alt-Viersen und Dülken, die auf Wohnorte der damals vom nationalsozialistischen Regime verfolgten, vertriebenen und ermordeten Bürger hinweisen. 26 Stolpersteine sollten zwar im Dezember hinzukommen, berichtet Uwe Micha - die ersten in Süchteln. Doch nur knapp die Hälfte wird bislang mit Sicherheit verlegt. "Bei den 13 anderen haben Anwohner sich dagegen ausgesprochen, die Steine auf der Straße zu verlegen", sagt der hauptberufliche Krankenpfleger.

Die Gespräche mit den Anwohnern, die ein Veto einlegten, sind unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt worden. Offen verlief hingegen die emotionale Debatte im Rat der Stadt, der sich sehr gespaltener Meinung zeigte. Mit einer knappen Mehrheit beschlossen die Mitglieder, das Veto-Recht der Hausbewohner weiterhin gelten zu lassen.

"Ich weiß nicht, was die Gründe dafür sind, dass Menschen die Stolpersteine nicht möchten", sagt der Krankenpfleger. "Aber alleine die große Differenz zwischen der Anzahl der Opfer und den vorhandenen Stolpersteinen lässt vermuten, dass sich auch schon früher Bürger dagegen ausgesprochen hatten." Insgesamt 214 Menschen jüdischen Glaubens fielen dem nationalsozialistischen Regime zum Opfer. Weitere von Deportationen und Repressionen Betroffene anderer Glaubensrichtungen oder ethnischer Gruppen kommen hinzu.

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2004 beschloss der Rat der Stadt zum ersten Mal, dass Hausbewohner der für die Stolpersteine avisierten Häuser dagegen Einspruch erheben können. Für Micha eine Enttäuschung und nicht verständlich - schließlich würden Straßen im öffentlichen Raum auch gebaut, ohne die Anwohner um Erlaubnis zu fragen.

Insgesamt 3300 Euro Spenden seien für die neuen Stolpersteine zusammengekommen, berichtet Micha. Spenden der evangelischen Gemeinde, einer Partei und von 25 Privatpersonen trugen zur Summe bei. 120 Euro kostet ein Stolperstein in der Anfertigung, das Verlegen durch Künstler Gunter Demnig inbegriffen. Fest steht: Zumindest 13 Steine sollen im Dezember, wenn möglich "auch etwas früher" verlegt werden, sagt Micha: vier am Lindenplatz in Süchteln, einer an der Grefrather Straße. Acht weiteren Personen konnten keine Adressen zugeordnet werden: "Die Steine ohne Adresse werden vor der evangelischen Kirche in Süchteln verlegt."

1992 begann das Projekt von Künstler Gunter Demnig, das nicht nur in Deutschland, sondern in 21 weiteren europäischen Ländern dem Gedenken der NS-Opfer dient. Kleine Messingtafeln auf Betonwürfeln mit Namen, Geburts- und Todesdaten und Stichworten zum an der Person begangenen Verbrechen sind meist vor dem letzten Wohnsitz der Person ins Pflaster eingelassen.

Laut Gemeindeordnung NRW muss das Bürgerbegehren in Städten mit bis zu 100.000 Einwohnern von sechs Prozent der Bürger unterzeichnet sein.

(juz)