Brüggen: Brüggenerin wird morgen 100 Jahre alt

Brüggen: Brüggenerin wird morgen 100 Jahre alt

Hildegard Reinberg kann selbst nicht glauben, so alt geworden zu sein. Täglich isst sie einen Apfel

Als sie 99 Jahre alt wurde, bekam Hildegard Reinberg einen Spruch als Geschenk: "Wer täglich singt, dass alles schallt, wird 99 Jahre alt." Inzwischen ist der Spruch überfällig: Die Brüggenerin wird am morgigen Sonntag 100. Der Spruch passt dennoch, denn sie singt gern - und hat gute Gene für ein langes Leben. Ihre Eltern wurden über 90 Jahre alt, beide starben 1982.

Hildegard Reinberg wurde in Dortmund geboren, während des Ersten Weltkriegs. Sie war die jüngste von drei Geschwistern. Im Zweiten Weltkrieg flüchtete sie mit den Kindern aus Prag, wo ihr Mann stationiert war, zurück nach Hause. Mit 18 Jahren hatte sie sich verlobt, als sie 20 Jahre alt war, heiratete sie. "Da musste mein Vater mit zum Standesamt. Ich war noch keine 21 Jahre alt", erzählt sie. Bei der Trauung gab es eine Ausnahme: Das Paar heiratete erst kirchlich, dann standesamtlich.

Sie brachte drei Kinder zur Welt. Heute erfreut sie sich an sieben Enkeln und zwölf Urenkeln. Außerdem hat sie zwei Ur-Ur-Enkel, die im vergangenen Jahr in Dortmund geboren wurden. Nach dem Tod ihres Ehemanns kam sie vor 34 Jahren nach Brüggen und zog so in die Nähe ihrer Tochter in Born, die sich mit ihrem Ehemann und der Familie liebevoll um sie kümmert.

Die Jubilarin arbeitete einst in der familieneigenen Süßwaren- und Spirituosenhandlung. "Da musste ich mit Sicherheit mehr arbeiten, als wenn ich irgendwo angestellt gewesen wäre", sagt sie. Nach der Schließung des Familienbetriebs machte sie Werbung für Spirituosenfirmen.

Über Jahrzehnte hielt sie sich fit. In ihrer Kindheit trieb sie viel Sport in der Deutschen Turnerschaft Dortmund. "Könnten Sie nur so gut tanzen, wie Sie turnen können, meinte mein Tanzlehrer immer", erinnert sie sich schmunzelnd. Später machte sie in der Küche Gymnastik oder lief im Mietshaus die Treppen rauf und runter. Auch freute sie sich immer darauf, auf Kinder aufpassen zu dürfen, für sie hatte sie lustige Geschichten und Spiele auf Lager. Auch reiste sie gern, weshalb ihre Familie sie "die Reise-Oma" nannte. Im vergangenen Jahr fuhr sie mit Tochter und Schwiegersohn an die Nordsee, nach St. Peter Ording.

Täglich isst sie abends einen Apfel und trinkt ein Gläschen Rotwein. "Ich kann es selbst nicht glauben, so alt geworden zu sein", sagt die 100-Jährige. "Ich will so weiterleben wie bisher." Sie freut sich auf ihre Geburtstagsfeier, zu der auch Nachbarn kommen, zu denen sie einen guten Kontakt hält. Weil sie nicht mehr so gut sehen kann, sieht sie nicht mehr fern, greift aber gern zum Kartenspiel: "Das geht", sagt Hildegard Reinberg: "Ich spiele allein ,Spitz pass auf'."

(off)