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Brüggen: Brüggen will Zaun erhalten

Brüggen : Brüggen will Zaun erhalten

Mit Mehrheits-Votum des Rates erhebt die Gemeinde Brüggen Bedenken gegen den vom NRW-Umweltminister beabsichtigten Abbau des Zauns um das Brachter Depot. Sie führt historische und touristische Gründe an.

Bereits im Mai hatte NRW-Umweltminister Johannes Remmel per Erlass verfügt, den Zaun um das Brachter Depot nach der Jagdsaison 2012/'13 abzubauen und bis dahin den Damwildbestand auf maximal 100 Tiere zu reduzieren (die RP berichtete mehrfach). Waldsperrungen sind nur in Ausnahmefällen erlaubt. Die forstbehördliche Duldung des Zaunes ist bis zum 31. März 2013 befristet.

Die Absicht des Umweltministers befürwortet auch die NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, der knapp 80 Prozent des Geländes gehören. Ein Teil des Areals ist im Besitz der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Kreis Viersen. Da auch die Gemeinde Brüggen als Waldeigentümer betroffen ist, gehörte sie zu den 30 Beteiligten, die der Kreis Viersen um eine Stellungnahme gebeten hat. Und die fällt eindeutig gegen einen Abbau des Zaunes aus.

Tourismus und Kulturgeschichte

Das Ex-Munitionsdepot habe sich zu einem beliebten Ausflugsgebiet für Gäste beiderseits der Grenze entwickelt, unterstreicht die Verwaltung die hohe touristische Bedeutung für die Naherholung. Fällt der Zaun weg, fürchte die Gemeinde, "dass in zunehmendem Maße motorisierter Verkehr und sonstige unbefugte Nutzungen in das Naturschutzgebiet einsickern".

Zweites Argument: "Die Zaunanlagen dokumentieren zusammen mit den noch vorhandenen Wallanlagen die ehemalige militärische Nutzung des Gebietes." Das mache für Besucher den besonderen Reiz der Landschaft aus. Und drittens sei bei Öffnung des Depots auch bei reduziertem Damwildbestand zu erwarten, "dass durch Wildverbiss an den Forstkulturen nachhaltige Schäden und Vermögensnachteile entstehen". Genau diese touristischen, kulturgeschichtlichen und forstwirtschaftlichen Bedenken äußerte auch die Gemeinde Beesel in einem Schreiben an Landrat Peter Ottmann.

Die Jagdgenossenschaft Bracht hingegen befürwortet Zaunabbau und Damwild-Reduzierung. Die Jagdgenossen erinnern auch an die Verfügung des Kreises von September 1995 zur Sicherstellung der Flächen als Naturschutzgebiet: Vor einer Öffnung des äußeren Zauns sei "das Damwild vollständig zu entfernen und ein Entweichen in die Umgebung zu verhindern".

Dr. Artur Rütten (CDU) gab zu bedenken, auch die Bauernschaft sei gegen die Öffnung. Rolf Gersemann (AWB) plädierte aus touristischen und historischen Gründen dafür, dass der Zaun bleibt — als Zeugnis militärischer Nutzung sei das Depot ohne Vergleich in Europa. Anders sah das Gerald Woitzik (UBW): "Sobald der Damwildbestand auf Null ist, sollte der Zaun weg." Die Grünen führten Naturschutzgründe für den Zaun-Erhalt an. Angelika Verkaar: "Die besondere Bedeutung des Gebietes ist bei Fachleuten unumstritten." Auch das Beweidungsmodell mit Damwild sei erhaltenswert. Ulrich Siebert pflichtete ihr bei: "Ohne Zaun hätten wir kein Naturschutzgebiet mehr, so wie es unter Schutz gestellt wurde."

(RP/rl)