Beratungsangebot im Kreis Viersen EUTB – das Helfer-Team für viele Notlagen

Brüggen · Wer durch einen Unfall plötzlich ein Handicap hat, wer sich um einen dementen Angehörigen kümmern muss oder vor ähnlichen Problemen steht, kann sich bei einem Team der EUTB-Beratung Hilfe holen. Was dahinter steckt und wie die Unterstützung aussieht.

Andrea Kuschel, Thomas Seelert, Gabriele Stamm, BIS-Leiter Ralf Kurzweg, Gabriele Mankat, Wolfgang Reinsch und Sylvia Hausmann (v.l.n.r.) sind Ansprechpartner für die Beratung.

Andrea Kuschel, Thomas Seelert, Gabriele Stamm, BIS-Leiter Ralf Kurzweg, Gabriele Mankat, Wolfgang Reinsch und Sylvia Hausmann (v.l.n.r.) sind Ansprechpartner für die Beratung.

Foto: Bianca Treffer

Andrea Kuschel wurde durch eine Hirnblutung aus ihrem zuvor ganz normalen Leben gerissen. Doch die Krankenschwester kämpfte sich zurück. Dabei hat sie auch diese unangenehme Erfahrung gemacht: „Man weiß gar nicht, wo man welche Hilfen bekommt, was einem zusteht und welche Möglichkeiten einem offen stehen. Eine unabhängige Beratung ist mehr als wichtig.“ Solche Hilfe leistet sie nun selbst in einem Team der EUTB.

EUTB? Wenn diese Abkürzung genannt wird, wissen viele Menschen damit nichts anzufangen. Die vier Buchstaben stehen für „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“. Aber auch dieser lange Begriff wirft oftmals die Frage auf, was sich dahinter verbirgt, wie Ralf Kurzweg, Leiter der in Brüggen ansässigen Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Kreis Viersen, der BIS, aus Erfahrung weiß. Die BIS bildet zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Viersen, der Lebenshilfe Kreis Viersen, dem LVR-Verbund heilpädagogische Hilfen und der psychiatrischen Hilfsgemeinschaft Viersen den Trägerverbund der EUTB Kreis Viersen.

„Bei der EUTB finden Menschen mit einer Behinderung, aber auch Menschen, die von einer Behinderung bedroht sind, einen unabhängigen Ansprechpartner und das kostenfrei. Es ist ein ergänzendes Angebot im System der bestehenden Hilfen“, sagt Kurzweg. Egal, ob es sich um eine chronische Erkrankung handelt, ein körperliches Handicap zugrunde liegt, es etwas Kognitives ist oder eine psychische Erkrankung im Vordergrund steht – die EUTB nimmt sich all dieser Erkrankungen und der damit einhergehenden Fragen und Probleme an, um eine Teilhabe am Leben zu ermöglichen.

„Es ist wichtig, dass jeder Mensch mit einer Beschränkung ein gutes und zufriedenes Leben führen kann. Gesellschaftliche und berufliche Teilhabe müssen gegeben sein“, sagt Kuschel, die zusammen mit Gabriele Mankat, Sylvia Hausmann, Gabriele Stamm, Wolfgang Reinsch und Thomas Seelert das Team der EUTB im Kreis Viersen bildet.

Dass mit Kuschel jemand zum Team gehört, der selbst einmal Rat in Anspruch genommen hat, ist nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil. „Es ist überhaupt so, dass es vielfach Betroffene sind, die im Rahmen der EUTB andere Betroffene beraten. Für den Menschen, der die Beratung sucht, ist dadurch vieles leichter. Er muss sich nicht erklären, sondern trifft auf einen Berater mit dem entsprechenden Gespür und Wissen“, sagt Kurzweg.

Mehr als 1000 Beratungen kommen pro Jahr zusammen. Schließlich kann jeder Mensch plötzlich in eine Situation kommen, die überfordert und die eine Teilhabe am Leben in seiner vorigen Form nicht mehr möglich macht. Sei es der Autounfall des Lebenspartners, der diesen auf einmal an den Rollstuhl fesselt, die eigene Mutter, die an Demenz erkrankt, oder das eigene Kind, das an Autismus leidet.

Entsprechend vielschichtig sind die Themen, die in der Beratung angesprochen werden. Es können Fragen zu einer Reha-Maßnahme sein, zur Pflegestufe oder Hilfsmitteln. „Wir sehen uns als Lotse in einem Dschungel. Wir helfen weiter und informieren, wo es welche Hilfe gibt und wie sie in Anspruch genommen werden kann. Wir erklären, wofür welche Abkürzungen stehen und füllen ebenso gemeinsam Anträge aus“, sagt Mankat. Auch Angehörige können sich an die EUTB wenden.

In Deutschland gibt es mehr als 500 EUTB-Beratungsstellen. Deren personelle Ausstattung richtet sich nach der Größe des jeweiligen Kreises oder der jeweiligen Stadt. Für den Kreis Viersen sind es zwei Vollzeitstellen, die kleinteilig auf die sechs Mitarbeiter verteilt sind. Sie beraten an vier Standorten in Viersen, Dülken und Kempen. Zu den einmal wöchentlich stattfindenden offenen Sprechstunden an jedem Bürostandort kommen die persönlich vereinbarten Beratungstermine. „Wir besuchen auch Menschen in den eigenen vier Wänden oder an einem neutralen Ort, wie beispielsweise einem Café“, sagt Reinsch.

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