Brüggen: Niederrhein Theater serviert „Fisch zu Viert“

Aufführung : Niederrhein Theater serviert „Fisch zu Viert“

Die Krimikomödie im Kultursaal der Burg Brüggen zeichnete sich vor allem durch die guten Charaktere aus.

Am Ende – und das ist ebenso schnell zu erwarten wie folgerichtig – liegen alle Protagonisten tot auf der Bühne. Den einen hat die Gier nach Geld hingestreckt, die anderen drei die Furcht davor, dass ihre Affären ans Licht der Öffentlichkeit geraten werden. „Fisch zu viert“, die ursprünglich als Hörspiel gedachte Kriminalkomödie des 1931 in Berlin geborenen Autors Wolfgang Kohlhaas, hatte im Juni 1970 ihre Premiere im Deutschen Fernsehfunk, der Fernsehanstalt der ehemaligen DDR. In schwarz-weiß, selbstverständlich.

Am Samstagabend wurde der Fisch im Kultursaal der Burg Brüggen aufgeführt – in Farbe selbstverständlich. Das Ensemble des Niederrhein Theaters zeigte die in den 1930 Jahren spielende Kriminalkomödie als 2. Inszenierung des Frühjahrs, wie die für Regie und Dramaturgie Verantwortliche, Elena Bill, erklärte. Im Unterschied zur ursprünglichen Geschichte sind es nicht drei Schwestern, sondern zwei, nämlich Cäcilie und Charlotte, mit ihrem Bruder Charly, die – gemeinsam mit Diener Konrad – wie jedes Jahr den Sommer in ihrem Landhaus in Neu-Ruppin verbringen.

Konrad, überzeugend gespielt von Michael Koenen, hat genug gearbeitet, leidet unter schwerem Husten, der allerdings im Laufe des Abends doch eher unangenehm anzuhören wurde, und beschließt, die von den Geschwistern versprochenen Erbanteile auszahlen zu lassen, um sich den Traum einer Weltreise zu erfüllen. Wie sich in aufeinanderfolgenden Szenen herausstellt, hatte der Diener mit jedem der Geschwister im Laufe der Jahrzehnte eine Affäre – was in der Familie verborgen blieb.

Gut herausgearbeitet werden die unterschiedlichen Charaktere und damit verbundenen Beziehungsmuster. Die homosexuelle Beziehung, in der Konrad den Hausherrn Charly alias Christian Stock spielt, der im Verlauf des Abends immer lebendiger wird; die Dominanzbeziehung zu Cäcilie, witzig und lustvoll dargestellt von Carmen-Marie Zens; die Affäre mit der jüngsten Schwester Clementine, deren vermeintliche Zartheit und Unbedarftheit Nadine Schaub konsequent und überzeugend vermittelt.

Es kommt, wie es kommen muss. Die drei weigern sich, Konrad Geld zu geben, Konrad droht, das Geheimnis auszuplaudern. Die Geschwister erfahren schließlich von den Affären mit den anderen. Jeder für sich schmiedet Mordpläne. Eine Verwechslung und Komplikation folgt der anderen – am Ende verliert auch der zwischenzeitliche Gewinner Konrad, der sie alle mit altem Fisch vergiftete. Und alle vier liegen tot auf der Bühne.

(b-r)
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