Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal sollen Pilotregion für ärztliche Versorgung sein

Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal : Pilotregion für ärztliche Versorung

Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal bieten sich als Pilotregion für eine ländliche ärztliche Versorgung an. Ein großes Problem teilen die Gemeinden — es fehlt an jungen Ärzten. Nun soll eine gemeinsame Arbeitsgruppe helfen.

Ärztliche Versorgungen an den Wochenenden, viele Abendstunden, wenig Nachwuchs: Auf dem Land gibt es Probleme bei der ärztlichen Versorgung. Das betrifft auch die drei Gemeinden Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal. Mehr als 40 Prozent der Ärzte in den Gemeinden sind über 60 Jahre alt, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung vom Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer (CDU). Deshalb sei es besonders dringend, „frühzeitig eine Praxisnachfolge“ sicherzustellen.

Aus diesem Grund hatte Schummer die Bürgermeister von Brüggen, Frank Gellen (CDU), Niederkrüchten, Kalle Wassong (parteilos), Schwalmtal, Michael Pesch (CDU), sowie den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KV), Frank Bergmann, zu einem Gespräch in Düsseldorf eingeladen. Als Zuständige für den Kreis Viersen nahm Sozialdezernentin Katarina Esser am Gespräch teil.

Die drei Kommunen möchten sich als eine Art „Pilotregion“ anbieten. „Das Problem betrifft ja alle Regionen“, sagt Pesch, „und wir könnten eine Pilotregion für ländliche Versorgung sein. Wie kann man beispielsweise perspektivisch künftig frühzeitig Abhilfe schaffen.“ Konkrete Hilfen seien „erhöhte Investitionszuschüsse im hausärztlichen Bereich für Praxisübernahmen, Unterstützung für junge Ärzte als Hospitanten und die Förderung des Quereinstiegs“, heißt es in der Mitteilung.

Eine weitere mögliche Idee sei die sogenannte Landpartie. Dabei handelt es sich um eine Maßnahme der KV, die junge Ärzte in den Kreis Viersen locken soll. „Dabei lädt der Kreis junge Ärzte aufs Land ein und tritt in Kontakt“, sagt Pesch, „ob die Menschen sich statt der Stadt auch eine Arbeit auf dem Land vorstellen könnten.“ Das sei im Kreis Kleve laut KV „sehr erfolgreich“ gewesen. „Wir müssen alles in Rahmen unserer Möglichkeiten tun, um junge Ärzte für das Land zu begeistern“, ergänzt Schwalmtals Bürgermeister. Da könne sich keine Kommune einfach rausziehen.

Das sehen auch seine Kollegen so: „Wenn keine Ärzte vor Ort sind, leidet da natürlich auch die Attraktivität der Gemeinden drunter“, betont Gellen. „Wir haben den Vorteil, dass wir bereits gute Strukturen in den Gemeinden haben.“ Das mache die Arbeit für junge Ärzte, die sich in einer der Kommunen niederlassen wollen würden, leichter, sagt der Brüggener Bürgermeister.

Ein großes Problem bei der ärztlichen Versorgung seien „bürokratische Hindernisse“, sagt Gellen weiter. Als konkretes Beispiel nennen er und seine Kollegen die geltenden Mittelbereiche für eine ärztliche Versorgung. Während Brüggen in einem Bereich mit Nettetal ist, bilden beispielsweise Schwalmtal und Niederkrüchten einen weiteren. „Das führt dazu, dass Brüggen keinen Arzt als Ersatz nach Schwalmtal schicken darf“, sagt Wassong. „Das lassen die Mittelbereiche nicht zu.“ Insgesamt ist der Kreis Viersen in sechs Mittelbereiche eingeteilt. Besonders für Schwalmtal sei dies ein Problem, da dort zum 1. April zwei Mediziner aufgehört haben, sagt Niederkrüchtens Bürgermeister.

Doch die Gemeinden haben Hoffnung. „Das Gespräch mit der KV war wirklich sehr kooperativ“, sagt Pesch. „Sie war sehr bereit, über eine Lösung nachzudenken“, sagt auch Gellen. Wassong ergänzt: „Die KV hat zugesagt, dass mit einer Arbeitsgruppe auch weiter an genau diesem Problem gearbeitet wird.“ In dieser Arbeitsgruppe sollen auch die drei Bürgermeister selbst vertreten sein. „Es ist wichtig, dass Kassenärztliche Vereinigung und Bürgermeister im engen Kontak die medizinische Versorgung in unserer Region dauerhaft sicherstellen“, sagt Schummer. „Das Gespräch war dafür ein wichtiger Impuls.“

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