Brüggen kämpft gegen Nitratbelastung

Landwirtschaft : Brüggen kämpft gegen Nitratbelastung

Hohe Nitratwerte im Grundwasser werden in Brüggen nach einem Bürgerantrag diskutiert. Gemeinsam mit Landwirten und Experten hat die Gemeinde Ideen entwickelt, die das Problem begrenzen könnten.

„Die Nitratbelastung im Grundwasser ist ein flächendeckendes Problem“, sagt Frank Müller. Gerade der Niederrhein sei betroffen. Müller hat für den Kreis Viersen ein Gutachten zu dem Thema erstellt, aus dem der Kreis 2018 einen Fünf-Punkte-Plan entwickelte. Dieser ist bis jetzt aber am NRW-Umweltministerium gescheitert. In Brüggen war Einwohner Jürgen Moors durch die hohen Nitratwerte im Grundwasser alarmiert. Per Bürgerantrag forderte er den Gemeinderat auf, sich des Themas anzunehmen.  Bürgermeister Frank Gellen (CDU) hat in einer Runde mit Landwirten - darunter Kreislanwirt Paul-Christian Küskens -, Gutachter Frank Müller von der Firma Ahu, Vertretern der Gemeindewerke und der Landwirtschaftskammer Ideen für Brüggen vorgestellt. Die Landwirte verwiesen auf den engen rechtlichen Rahmen und die Kontrollen, mit denen sie arbeiteten. Gleichzeitig verlangten die Verbraucher Produkte von hoher Qualität zu bezahlbaren Preisen, zeigte Gellen das Spannungsfeld auf.

Was tun die Brüggener Landwirte in Zukunft mit Gülle aus den Niederlanden?

Nichts. Sie verzichten auf deren Verwendung auf ihren Feldern. 38 von 39 Landwirten haben sich freiwillig selbst dazu verpflichtet, auf die Ausbringung von niederländischer Gülle zu verzichten. Bürgermeister Frank Gellen zeigte sich zufrieden: „Das sind 99 Prozent der Ackerflächen in Brüggen.“ Die öffentliche Sensibilität für Gülle-Importe aus den Niederlanden und deren Aufbringung in Brüggen und im Kreis Viersen habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Der Verzicht auf  Gülle sei ein deutliches, öffentlich sichtbares Signal.

Was ist mit anderen Landwirten?

In einem zweiten Schritt soll versucht werden, innerhalb der landwirtschaftlichen Kooperationen Lüttelbracht und Nettetal-Kaldenkirchen auch auswärtige Bauern, die an der Kooperation beteiligt sind, für diese Selbstverpflichtung zu gewinnen.

Wie sieht es mit dem Gewässerschutz auf gemeindeeigenen Flächen aus?

Laut Frank Gellen verpachtet die Gemeinde rund 40 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Pächter sollen in Zukunft innerhalb der Wasserschutzgebiete dazu verpflichtet werden, sich an den Wasserschutzgebietskooperationen zu beteiligen. Außerdem will die Gemeindeverwaltung prüfen, ob auch Pächter außerhalb von Wasserschutzgebieten zu einer Kooperationsberatung verpflichtet werden können. Zu klären sei aber die Finanzierungsfrage. Als Eigentümerin und Verpächterin von Ackerflächen will die Gemeinde den Austausch mit den Wasserschutzgebietskooperationen verbessern. Sie will künftig als Gast bei Kooperationsversammlungen dabei sein.

Was kann noch in den nitratbelasteten Flächen außerhalb der Wasserschutzgebiete getan werden?

Bei der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie hat das Land NRW laut Gellen „eine Beratungskulisse für die roten Grundwasserkörper ausgewiesen“, in der in unterschiedlicher Intensität eine landwirtschaftliche Beratung stattfindet. Da die zu hohen Nitratwerte laut den vorliegenden Gutachten ein flächiges Problem darstellten, soll geprüft werden, ob und wie die Wasserschutzberatung aus den Wasserschutzgebiets-Kooperationen auch auf Flächen außerhalb der Wasserschutzgebiete ausgeweitet werden können. Deshalb werde die Gemeinde Brüggen mit dem Kreis Viersen, der Bezirksregierung in Düsseldorf sowie dem NRW-Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Kontakt aufnehmen.

Warum verschärfen Erntereste das Nitrat-Problem?

Bürgermeister Frank Gellen (l.) moderierte eine Runde im Brüggener Rathaus zur Nitratbelastung im Grundwasser. Jürgen Moors (r.) hatte das Thema per Bürgerantag aufgebracht. RP-Foto: Buschkamp. Foto: Daniela Buschkamp

 Der Boden kann mit Nitrat belastet werden, wenn Stickstoff frei wird, den nachwachsende Pflanzen nicht aufnehmen können. Dies können die Landwirte vermeiden, indem sie die Fruchtfolge darauf abstimmen, dass Errntereste optimal verwertet werden. Man wolle die Nitratbelastung durch solche biologischen Prozesse vermeiden. Dafür habe die Verwaltung laut Gellen Kontakt mit dem Betreiber einer örtlichen Biogasanlage aufgenommen.  Dabei wird geprüft, ob Erntereste konserviert werden können.  Dafür seien aber auch große Lagerflächen notwendig – und außerdem müsse die Biogasanlage über die entsprechenden Genehmigungen verfügen. Dies sei noch nicht der Fall.