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Brüggen: Diskussion um Behindertenbeirat

Zukunft der Arbeit für Behinderte in Brüggen : Diskussion um Behindertenbeirat

Die Behindertenbeauftragten Andrea Hanisch und Karl-Heinz Kellerhoff wollen aufhören. Die Aufgabe sei für sie nicht mehr zu leisten. Wie eine Alternative mit mehreren Akteuren aussehen könnte.

Wenn in Brüggen die erste Sitzung des neuen Gemeinderates stattfindet, endet die Amtszeit der beiden bisherigen Behindertenbeauftragten Andrea Hanisch und Karl-Heinz Kellerhoff. Der neue Rat tagt erstmals am 3. November um 18.30 Uhr.

Hanisch und Kellerhoff haben in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Soziales und Senioren erklärt, dass sie ihre Tätigkeit „in dem bisherigen Umfang nicht mehr fortsetzen können“. Kellerhoff, der die Aufgabe zwölf Jahre lang wahrnahm, sagte: „Es wird zu viel.“ Jetzt stellt sich die Frage: Wer vertritt in Zukunft die Interessen der Menschen mit Handicap in der rund 15.790 Einwohner zählenden Gemeinde Brüggen? Denn das sind nicht wenige: 2900 Menschen, die in Brüggen leben, haben einen Schwerbehindertenausweis.

Wer kann die Interessen vertreten?

Laut Gemeindeordnung kann der Rat Beauftragte bestellen oder Vertretungen bilden, die die Belange von spezifischen Personengruppen wahrnehmen. Dies können Menschen mit Handicap ebenso sein wie Senioren oder Jugendliche. In Brüggen haben sich bisher ehrenamtliche Behindertenbeauftragte um diese Aufgabe gekümmert.

Was ist der Unterschied zu einem Behindertenbeirat?

Ein Behindertenbeirat ist ein größeres Gremium. Er macht Vorschläge zu Entscheidungen von Ausschüssen und Rat, die nur empfehlend, nicht aber bindend sind. Der Beirat soll Behinderten helfen, sie beraten und informieren. Dieses Gremium gibt es eher in großen Städten wie der Landeshauptstadt Düsseldorf (rund 612.000 Einwohner), Hagen (rund 212.000 Einwohner) oder auch Hilden (rund 55.800 Einwohner). „Seltener aber in Gemeinden kleinerer und mittlerer Größe“, sagte Wilfried Bouscheljong, Leiter des Sachbereichs Soziales, im Ausschuss.

Was könnten die Vorteile eines Behindertenbeirats sein?
Seine Größe. Die Aufgabe wäre auf mehrere Schultern verteilt. Zudem würden die Sitzungen des Beirats öffentlich sein, Interessierte könnten daran teilnehmen. Die Verwaltung hielt es für leistbar, dass sich ein oder zwei Ehrenamtler weiterhin um die Aufgabe kümmerten.

Welche Nachteile könnte ein Behindertenbeirat haben?

Die Verwaltung sieht die Größe des Beirats allerdings auch als problematisch an. Das Kompetenzzentrum „Selbstbestimmt Leben“ (KSL) hat für einen Beirat in Brüggen eine Größe von mehr als 20 Mitgliedern vorgeschlagen. Dazu erklärte Wilfried Bouscheljong: „Zum einen sind in der Burggemeinde nicht alle Behinderungsformen vertreten, zum anderen sollte der Behindertenbeirat nicht als Gremium gedacht sein, das größer als die Ratsausschüsse wäre.“ Bürgermeister Frank Gellen (CDU) sieht zudem noch die Gefahr, dass Entscheidungen etwa zu Bauprojekten verzögert werden könnten, weil der Behindertenbeirat nicht oft genug tage. Dies erklärte er auf Anfrage. Auch deshalb habe die Verwaltung den Ausschussmitgliedern vorgeschlagen, dass die Fraktionen zunächst dazu beraten sollten und sich dann der Fachausschuss in seiner nächsten Sitzung erneut mit dem Thema beschäftigen sollte.

Wie geht es jetzt weiter?

 Den Vorschlag der Verwaltung empfanden die Ausschussmitglieder als Verzögerung. Sie signalisierten ihre Zustimmung zu einem Behindertenbeirat und sahen darin Vorteile für die künftige Arbeit. Manfred Albers (CDU; in einer früheren Artikelversion hieß er irrtümlich Michael) schlug vor, dass die Verwaltung für die nächste Sitzung des Ausschusses für Senioren und Soziales ein Konzept für einen Behindertenbeirat erarbeiten soll. Der Befürwortung eines Behindertenbeirats und dem Arbeitsauftrag an die Verwaltung, dafür ein Konzept vorzulegen, stimmten alle Ausschussmitglieder zu.

Wer kümmert sich so lange um die Belange von Menschen mit Handicap in Brüggen?

Die Behindertenbeauftragten Karl-Heinz Kellerhoff und Andrea Hanisch wollen in dieser Übergangszeit weiterhin zur Verfügung stehen.

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