Brüggen: Brüggen bekommt vier Millionen Euro

Brüggen: Brüggen bekommt vier Millionen Euro

Die Burggemeinde will am Brachter Schulzentrum ein Nahwärmenetz einrichten, die Gebäude energetisch sanieren lassen und auf LED-Technik umrüsten. Das NRW-Wirtschaftsministerium fördert das Vorhaben

Kurz vor Jahresschluss ist die Freude im Brüggener Rathaus groß: Die Gemeinde erhält vom Land Nordrhein-Westfalen rund 4,1 Millionen Euro, um Maßnahmen zum Klimaschutz umsetzen zu können. Im Juni hatte die Gemeinde einen Antrag für das Förderprogramm "Kommunaler Klimaschutz NRW" beim Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie eingereicht. Mehr als 40 Bewerbungen gab es, eine Jury wählte jetzt zwölf Projekte aus. Sie werden mit insgesamt 100 Millionen Euro gefördert.

Der von der Burggemeinde eingereichte Förderantrag umfasst zehn Maßnahmen, die auf dem vom Gemeinderat beschlossenen Klimaschutzkonzept basieren. Geplant ist ein Nahwärmenetz, das mit einer Holzhackschnitzel-Heizung und einer Solarthermie-Anlage mehrere öffentliche Gebäude im Brachter Ortskern versorgen soll: Angeschlossen werden sollen das komplette Schulzentrum, die Doppelturnhalle und das Sportlerheim der TSF Bracht. Noch werden die Gebäude mit Gas beheizt, dafür hat die Gemeinde mit den Gemeindewerken einen Contracting-Vertrag abgeschlossen. Ebenfalls gefördert werden die energetische Sanierung des Schulzentrums und der Turnhalle sowie Maßnahmen, um Strom einzusparen. Dazu gehören beispielsweise die Umrüstung auf LED-Technik und eine Steuerung der Beleuchtung, die vom Tageslicht und der Anwesenheit von Menschen in den Räumen abhängig ist.

Insgesamt rechnet die Gemeinde dafür mit Gesamtausgaben in Höhe von 5,5 Millionen Euro bei einer Projektdauer von drei Jahren. Rund 4,1 Millionen Euro davon übernimmt das Land, den Rest muss die Gemeinde beisteuern. Die genaue Höhe der Fördermittel steht noch nicht fest. Das müsse in der Qualifizierungsphase noch mit der Bezirksregierung abgestimmt werden, teilte die Gemeindeverwaltung mit.

Diese Phase beginnt im Januar. Bislang habe die Gemeinde lediglich die Projekt-Idee beschrieben, die Planung durch ein Ingenieurbüro soll bald folgen, erklärte Bauamtsleiter Dieter Dresen: "Ich glaube nicht, dass der Bau vor 2019 beginnen kann." Immerhin liegen die Leitungen schon. Die Gemeinde hatte sie vorsorglich bereits verlegen lassen, als vor einiger Zeit die Zufahrt zum Sportplatz am Alster Kirchweg erneuert wurde, damit die neue Fahrbahndecke nicht aufgerissen werden muss, wenn das Nahwärmenetz eingerichtet wird.

Vor fünf Jahren schon hatte die CDU-Fraktion beantragt, eine Machbarkeitsstudie für ein Energiezentrum in Bracht erstellen zu lassen. Zunächst erstellte die Waldagentur Münster 2013 eine Voruntersuchung für eine Holzhackschnitzel-Heizung, auch um zu prüfen, ob ausreichend Holz aus Brüggener Wäldern für die Anlage in Bracht zur Verfügung stehen würde. 2016 legte das Büro infas enermetric eine Machbarkeitsstudie vor, um die Wirtschaftlichkeit eines solchen Nahwärmenetzes für Schulzentrum, Turnhalle und Sportlerheim zu prüfen. Mit der energetischen Sanierung des Schulzentrums werden sich die Daten allerdings ändern.

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In Brüggen gibt es für kommunale Gebäude bereits eine Holzhackschnitzel-Heizung. Die Anlage mit einer Leistung von 600 Kilowatt verbraucht jährlich 1100 Schüttraummeter Hackschnitzel. Aufbereitet werden die Holzschnitzel am Forstbetriebshof der Gemeinde. Das Energiezentrum in Brüggen bereitet derzeit allerdings Probleme. Wie die Gemeindeverwaltung im November im Ausschuss für Bauen und Klimaschutz mitteilte, habe ein Ingenieurbüro einen Zwischenbericht zur Optimierung des Brüggener Nahwärmenetzes vorgelegt. Das Büro habe "erheblichen Nachbesserungsbedarf" festgestellt an Kessel, Beschickung, Hydraulik und Regelung der Anlage.

"Die Regelungs- und Steuerungstechnik funktioniert nicht so, wie wir es wollen", erklärte Dresen im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Kessel werde derzeit in höchster Last betrieben, so werde mehr Wärme produziert, als benötigt werde. "Das führt nicht nur zu einem höheren Verbrauch, sondern auch zu höherem Verschleiß." Insgesamt sei das Brüggener Energiezentrum dadurch ineffizient. Jetzt soll geprüft werden, welche Verbesserungen wirtschaftlich sinnvoll sind. Darüber soll im Januar im Arbeitskreis Energiezentrum, danach im Bauausschuss gesprochen werden.

Einen Kessel wie in Brüggen, versicherte Dresen, werde man in Bracht nicht einsetzen, "die Technik hat sich weiterentwickelt". Er ist davon überzeugt, dass eine Hackschnitzel-Heizung eine sinnvolle Art der Wärmeerzeugung ist: "Wir sind nicht abhängig von Energiepreisen, bleiben in der Region."

Über den Eigenanteil der Gemeinde an den gesamten Projektkosten hat die Politik noch keinen Beschluss gefasst. Fünf Millionen Euro hat die Gemeinde jetzt als Ausgabe eingeplant, vier Millionen als Einnahme. Die Haushaltsberatungen folgen noch. Dresens Einschätzung: "Wir wären schön dumm, wenn wir das liegen lassen würden."

(RP)