Viersen: Brückeneinschub startet verspätet

Viersen: Brückeneinschub startet verspätet

In zehn Tagen wird das Rahmenbauwerk unter die Gleise geschoben. Der Bürgermeister spricht von einem Meilenstein.

Die Baustelle an der Güterstraße lockt neuerdings wieder besonders viele Schaulustige an, die einen Blick auf den Fortschritt erhaschen möchten. Seit Herbst 2011 laufen hier die Arbeiten für eine Eisenbahnüberführung, doch nun beginnt der wichtige Brückeneinschub.

Der Einschub des 4000 Tonnen schweren Rahmenbauwerks erfolgt mittels drei Hydraulikzylindern. Die pressen den Rahmen mit einem Gesamtgewicht von 3750 Tonnen schrittweise unter die Gleise: Je ein Meter wird das Bauwerk in den Bahndamm geschoben und im Anschluss der Damm mit Baggern abgebaut. Dafür brauchen die Mitarbeiter inklusive Verschweißen je sechs Stunden.

"Diese Methode ist zwar kompliziert, hat aber einen enormen Vorteil für die Bahnreisenden: Gleissperrungen und Ersatzverkehr sind nicht nötig. Wir können quasi unter dem rollenden Rad diese Baumaßnahme durchführen", sagt Manfred Ziegerath, Pressesprecher der Deutschen Bahn in NRW. Allerdings wird nur gepresst, wenn gerade kein Zug über die Brückengleise rollt. Geregelt wird das über eine Ampelschaltung, bei rot muss die Arbeit ruhen. Das außergewöhnliche Pressverfahren wird selten genutzt. "Das letzte Mal hat die Bahn diese Methode vor zehn Jahren in Krefeld angewendet", sagt Ziegerath.

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Gearbeitet wird auf der Baustelle neben dem Viersener Bahnhof derzeit rund um die Uhr. In drei Schichten sind dazu jeweils 19 Mitarbeiter im Einsatz. Nach zehn Tagen soll der Brückeneinschub abgeschlossen sein. Ursprünglich war diese wichtige Bauphase für April angesetzt. "Der lange harte Winter ist für die Verschiebung verantwortlich", sagt Bianca Krause, Bauleiterin der DB ProjektBau GmbH. Ein wenig Unsicherheit wegen des vielen Frosts und Schnees gab es zuletzt schon.

Doch das Rahmenbauwerk wurde testweise bereits zehn Zentimeter verschoben, um das Gelingen sicherer zu machen. "Der Brückeneinschub ist ein Meilenstein für den Innerstädtischen Erschließungsring und auch ein Schlüssel, damit wir überhaupt weitermachen können", sagt Günter Thönnessen bei einem Baustellenbesuch. Zu den Verzögerungen, die sich bei dem 6,4 Millionen Euro teuren Bauprojekt bereits mehrfach ergeben haben, sagte er beschwichtigend: "Es handelt sich um ein komplexes und ambitioniertes Bauwerk. Da ist man vor Überraschungen nicht gefeit. Ich drücke den Mitarbeitern aber ganz fest die Daumen, dass jetzt alles weiter wie geplant läuft."

Im Anschluss soll es zügig mit dem Bau der Straße weitergehen, die wichtig für die gesamte Städteentwicklung sei, da sie zwei Stadtbereiche miteinander verbindet, die bisher getrennt wahrgenommen wurden. Für den Bau der Straße ist das Pressen von Kanälen notwendig. Die Fertigstellung der neuen Eisenbahnüberführung ist für den Spätherbst 2013 vorgesehen. Die Baumaßnahmen, die den Fortbau des Erschließungsrings betreffen, brauchen mehr Zeit. Bürgermeister Thönnessen sprach von der Zielsetzung, diese Baumaßnahmen 2015 zu einem Abschluss zu bringen.

(RP/rl)