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Brand bei Niederkrüchten gelöscht, aber: Überall Dürre-Alarm in Wald und Flur

Niederkrüchten : Der Brand ist gelöscht

Am Freitag hat sich beim Heide- und Waldbrand im Naturschutzgebiet De Meinweg die Lage entspannt. Das Feuer ist vorerst gelöscht. Aber die Waldbrandgefahr ist generell groß: Die Böden sind zu trocken.

Die Heide- und Waldbrände sind am Freitag (18 Uhr) gelöscht. „Es gibt keine offenen Feuer mehr und die Einsatzkräfte im Gelände konnten auch keine Glutnester im Boden mehr aufspüren“, sagt Kreisbrandmeister Rainer Höckels. Rund 300 Kräfte aus dem Rheinland und dem oberen Niederrhein waren an diesem Tag im Einsatz. „Ein herzliches Dankeschön an Kreisbrandmeister Rainer Höckels, der als Einsatzleiter diesen schwierigen Einsatz ruhig und souverän geführt hat“, sagt Landrat Andreas Coenen (CDU). „Ich bedanke mich zudem bei den Einsatzleitungen und bei allen Helfern, die sich in dieser Woche so aufopferungsvoll an den Löscharbeiten beteiligt haben. Dieser Einsatz ist nicht selbstverständlich – insbesondere, weil viele körperlich mühsame Arbeiten im unwegsamen Gelände nötig waren. Hervorheben möchte ich die gute Zusammenarbeit der Kräfte aus dem Kreis Viersen mit den Kollegen aus den Niederlanden, den Bereitschaftskräften aus Nordrhein-Westfalen, den Kräften der Bundes- und Landespolizei sowie den Mitgliedern der Hilfsorganisationen und privaten Unternehmern vor Ort.“

Insgesamt waren seit Montag mehr als 1600 Feuerwehrleute dies- und jenseits der deutsch-niederländischen Grenze an den Löscharbeiten beteiligt. Auf niederländischer wie deutscher Seite ist es aktuell verboten, das Gebiet zu betreten. Der Elmpter Wald darf südlich der Autobahn 52 bis zur Staatsgrenze bis zum 8. Mai nicht mehr betreten werden.

 Kreislandwirt Paul-Christian Küskens ist beunruhigt: „Ich habe eine solche Trockenheit zu so einem frühen Zeitpunkt noch nicht erlebt, und ich hättes nicht für möglich gehalten, dass es im April so trocken ist.“
Kreislandwirt Paul-Christian Küskens ist beunruhigt: „Ich habe eine solche Trockenheit zu so einem frühen Zeitpunkt noch nicht erlebt, und ich hättes nicht für möglich gehalten, dass es im April so trocken ist.“ Foto: Franz-Heinrich Busch/Busch

In der Nacht fahren lokale Kräfte Brandwachen entlang des 200 Hektar großen Gebiets. Am Samstag übernehmen die Kräfte aus dem Kreis Viersen die Aufräumarbeiten. Danach übergibt der Kreis Viersen die Lage an die Gemeinde Niederkrüchten. Die örtliche Wehr wird auch in den kommenden Tagen das Gebiet im Auge halten.

 Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, Stand 21. April 2020: Der Boden am Niederrhein ist bis zu einer Tiefe von 1,80 Meter „Ungewöhnlich trocken“ oder in einer „moderaten Dürre; bis 25 Zentimeter herrscht  „schwere Dürre“. Rot bedeutet: extreme Dürre.  Die Karte rechts zeigt die „Nutzbare Feldkapazität“ des Bodens, also die Feuchtigkeit, die den Pflanzen verfügbar ist. Sie liegt am Niederrhein beim kritischen Wert von unter 30 Prozent.
Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, Stand 21. April 2020: Der Boden am Niederrhein ist bis zu einer Tiefe von 1,80 Meter „Ungewöhnlich trocken“ oder in einer „moderaten Dürre; bis 25 Zentimeter herrscht  „schwere Dürre“. Rot bedeutet: extreme Dürre. Die Karte rechts zeigt die „Nutzbare Feldkapazität“ des Bodens, also die Feuchtigkeit, die den Pflanzen verfügbar ist. Sie liegt am Niederrhein beim kritischen Wert von unter 30 Prozent. Foto: UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Bereits am Donnerstag spürten deutsche Feuerwehrkräfte mit 20-Liter-Löschrucksäcken und Spitzhacken in einem Gebiet, das für Einsatzfahrzeuge und Schläuche unzugänglich ist, Brandnester am und im Boden auf. So konnten sie diese potentiellen Feuerquellen punktuell löschen. Diese Maßnahmen zeigten Erfolg:

Landrat Coenen erklärte: „Der Großbrand macht deutlich, dass wir bereits mit gravierenden Folgen des Klimawandels konfrontiert sind. Wir dürfen die Themen Klimaschutz und Klimafolgenanpassung auch in Zeiten der Corona-Pandemie nicht aus dem Blick verlieren!“

Buschbach ist ausgetrocknet

Die Grünen in Niederkrüchten sehen vor diesem Hintergrund den Entwurf des neuen Landschaftsschutzplans mit Sorge: „Zum Beispiel wird der Buschbach, der im Bereich des Großbrandes liegt, im Landschaftsschutzplan noch als ,mäandernder Buschbach in einer Aue’ beschrieben und auch als wasserführend so zur Planung herangezogen“, heißt es in einer Stellungnahme der Partei. „Mittlerweile ist der Buschbach dauerhaft über Kilometer ausgetrocknet.“ Die dem Landschaftsschutzplan zugrunde liegenden Daten stammten aus den Jahren 2011 bis 2013 und seien veraltet. „Es muss das Ziel sein, die Widerstandskraft des Waldes in Zeiten des Klimawandels zu stärken, indem man die bereits seit Jahren stattfindende Umwandlung in einen kompakten Mischwald fortsetzt und fördert.“

Auch aus der Wissenschaft kommen beunruhigende Informationen. Es sind einmal mehr beklemmende Bilder, die der „Dürremonitor“ des in Leipzig ansässigen Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung veröffentlicht: Demnach ist der Boden am Niederrhein bis in eine Tiefe von 1,80 Meter „ungewöhnlich trocken“, oder es herrscht bereits eine „moderate Dürre“. Kreislandwirt Paul-Christian Küskens aus Niederkrüchten ist beunruhigt: „Ich habe eine solche Trockenheit zu so einem frühen Zeitpunkt noch nicht erlebt, und ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es im April so trocken ist“, sagte er auf Anfrage. Trocken, das heißt: Laut „Wetter online“ sind im deutschlandweiten Mittel bislang gerade mal vier Prozent des üblichen Niederschlags zusammengekommen.

Der Dürremonitor

Die Böden sind zu trocken: Die sogenannte „nutzbare Feldkapazität“ – also der Anteil an Feuchtigkeit im Boden, den die Pflanzen nutzen können – liege am Niederrhein bei unter 30 Prozent, berichtet Andreas Marx, Wissenschaftler und Sprecher des Helmholtz-Instituts; dieser Wert sei für alle Kulturen kritisch und erfordere eigentlich Bewässerung. Das Bild fügt sich in den Trend der Vergangenheit: „Meteorologische Dürre herrscht in Deutschland seit Februar 2018“, sagt Marx, „der Boden ist seit Ende Mai 2018 im Dürrezustand.“

Die Landwirtschaft

„Wir sind in einer schwierigen Phase; man kann schon von einer Dürre sprechen“, berichtet Kreislandwirt Paul-Christian Küskens. „Wir merken es daran, dass das Wachstum beim Gras und beim Getreide aussetzt; es gibt Trockenheitssymptome wie trockene Blätter, und das in einer Phase, in der sich das Hauptwachstum entfaltet“, ergänzt er. Fatal daran: Für die Entwicklung der Ähren werden jetzt die Weichen gestellt. Küskens: „Nach zwei Dürrejahren hat jeder Bauer die Faxen dicke.“