Viersen: Bombenhagel über Viersen

Viersen: Bombenhagel über Viersen

Mit Angriffen am 9. und 24. Februar 1945 legten us-amerikanische Flugzeuge die Stadt in Schutt und Asche. Dabei starben mehr als 250 Menschen, einige Hundert wurden zum Teil schwer verletzt. Zwei Tage lang brannte die Stadt.

Zwei Luftangriffe legten im Februar 1945 Viersen in Schutt und Asche. 97 US-amerikanische Bomber warfen am Freitag, 9. Februar, ab 14.50 Uhr Bomben ab — 780 davon, jeweils 250 kg schwer. In vier Wellen fielen 195 Tonnen Bomben auf die bis dahin vom Krieg nahezu verschonte Stadt. Am Samstag, 24. Februar, griffen die Amerikaner noch massiver an. 210 in Frankreich gestartete Bomber warfen in sechs Wellen Spreng- und Brandbomben auf Viersen. Bei beiden Angriffen starben 256 Menschen, darunter 14 Ukrainer. Die Schanzer war im Gesellenhaus (heute Kolpinghaus an der Geschw.-Scholl-Straße) untergebracht. Das Haus erhielt einen Volltreffer. Es wurden in der Stadt Hunderte Menschen verletzt.

"Die Ruinen waren umgepflügt"

"Die Stadt brannte. Das, was der erste Angriff verschont hatte, war jetzt untergegangen. Die Ruinen vom 9. Februar waren noch einmal umgepflügt worden", erinnert sich der damals 17-jährige Flakhelfer Klaus Marcus. Zwei Tage lang brannte Viersen, die Toten konnten nicht beerdigt werden. Sie lagen noch in den Totenhallen des Löh-Friedhofs, als amerikanische Bodentruppen am 1. März in Viersen einrückten. Marcus verfasste mehrere Bücher und Beiträge zu Geschehnissen des Krieges in Viersen. Darin mischen sich seine persönliche Erinnerung und die akribische Recherche deutscher und alliierter Quellen im Laufe mehrerer Jahrzehnte.

Viersen war lange von groß angelegten Luftangriffen verschont geblieben. Die Stadt war im Vergleich zu Mönchengladbach oder Krefeld zunächst noch zu unbedeutend gewesen. Mit Beginn der Operation "Grenade" am 10. Februar 1945, als Bodentruppen der Alliierten ins Rheinland vorrückten, griffen Bomber jedoch auch gezielt kleinere Städte direkt hinter der Frontlinie an.

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Der erste massive Angriff am 9. Februar 1945 fügte der Innenstadt schwerste Schäden zu. 195 Tonnen Sprengstoff fielen auf die Stadt. Das Dreieck Löh-/Peters-/Hauptstraße hatte die meisten Treffer abbekommen. 88 Bomben hatten Langzeitzünder. Sie detonierten nicht sofort, sondern in einem Zeitraum bis zu zwei Tagen nach ihrem Abwurf. Die jetzt an der Gartenstraße gefundene Bombe hatte einen solchen tückischen Zünder.

Der zweite Angriff am 24. Februar war noch verheerender. Die in Frankreich gestarteten Bomberverbände trugen nicht nur Spreng-, sondern auch Stabbrand- und Phosphorbomben mit sich. Ihre Last warfen sie in sechs Wellen aus rund 4000 Metern Höhe an dem Samstag ab. Die Bomben fielen auf die Innenstadt, von der Süchtelner Straße im Norden bis zur Brassel- und Bachstraße im Süden, vom Hoserkirchweg im Westen bis zur Freiheitsstraße im Osten.

Dicke Staub- und Qualmwolken lagen auf den zerstörten Straßenzügen. Löschversuche der Feuerwehr waren vergeblich. Sie pumpten den Kaisermühlen-Teich und das Becken an Haus Kaiserbad leer — vergeblich. Auch die Remigius-Kirche stand nach Treffern in hellen Flammen. "Ein schauriges Bild bot der in Feuer und Rauch eingehüllte Turmhelm, der sich am Spätnachmittag neigte und einstürzte. Hunderte Pfarrkinder sahen mit Tränen in den Augen die Kirche in Schutt und Asche versinken", schrieb Pfarrer Gerhard Frenken 1949.

Noch einmal fielen am 28. Februar Bomben auf Viersen. In Bockert kamen sechs Menschen ums Leben. Eine militärische Notwendigkeit für die Luftangriffe gab es nicht, Truppen lagen im Februar nicht mehr in der Stadt. Einen Tag später marschierten Amerikaner in die Ruinen ein, die knapp drei Wochen zuvor noch Viersen gewesen waren.

(RP/rl)