Viersen: Betrüger locken mit Scheinangeboten

Viersen : Betrüger locken mit Scheinangeboten

In Süchteln wurden mehrere Senioren um vierstellige Geldbeträge gebracht. Nun ermittelt die Kriminalpolizei auf Betrug.

Alles begann mit einem Blick in den Briefkasten. Dort entdeckte Manuela Lambertz irgendwann im April eine reizvolle Einladung. "Gewinnen sie einen Elektrotrockner" - so ähnlich muss es in dem Schreiben gestanden haben. Um das Gerät zu gewinnen, sollte die 63-Jährige nicht mehr tun, als am 30. April in eine Süchtelner Gaststätte zu kommen, um dort ein neues Waschmittel zu testen. Lambertz folgte dieser verhängnisvollen Einladung: Die Viersenerin wurde zum Opfer eines plumpen Betrugs. Am Dienstag erstattete sie Strafanzeige bei der Polizei.

Das Gewinnspiel war nichts weiter als ein Vorwand, um gezielt Senioren in das Lokal zu locken. Als der Waschmitteltest vorüber war, betrat ein Verkäufer den Raum. Er führte den Senioren ein Gerät vor, ein sogenanntes Luxmeter, mit dem Gelenkkrankheiten angeblich wirkungsvoll bekämpft werden können. "Dann wurde eine Testperson behandelt, die danach sofort besser gehen konnte", sagt Lambertz. Tatsächlich handelt es sich bei einem Luxmeter aber nur um ein Messgerät, das keinerlei therapeutische Wirkung hat. Trotzdem funktionierte der Schwindel.

Weil Lambertz' Mann, der als Landwirt arbeitet, erst kürzlich einen schweren und schmerzhaften Arthroseschock erlitten hatte, griff sie bei diesem Angebot zu. Sie hoffte, dass das neue Gerät, das angeblich eine Leistung von 28 000 Lux haben und damit stärker als jedes herkömmliche Gerät sein sollte, ihrem Mann helfen könnte. "Sie sagten, wir sollten das Gerät sofort kaufen, es sei nur noch jetzt vorrätig", erinnert sich Lambertz.

Angesichts der vorgegaukelten Wirksamkeit erschienen Lambertz auch die 1650 Euro gerechtfertigt, die das Gerät kosten sollte. Vergleichbare Geräte kosten im Handel gerade einmal 140 Euro. Auch weitere der nach Polizeiangaben rund 25 Gäste griffen bei der Veranstaltung zu und unterschrieben den gleichen Kaufvertrag, den auch Lambertz unterzeichnete. Die kaufmännische Angestellte sagt heute: "Das Dokument ist eigentlich ein Witz. Jeder kann erkennen, dass damit etwas nicht stimmt." Überrumpelt überschrieb sie den Zettel im April aber trotzdem.

Für die Kriminalpolizei, die nun wegen des Verdachts auf Betrug ermittelt, ist dieses Dokument ungemein wichtig. "Dank dieser Daten laufen die Ermittlungen gut", sagt Polizeisprecherin Antje Heymanns. Sie ist optimistisch, dass es bald gelingt, die Täter zu identifizieren. Dann könnte die Akte dem zuständigen Staatsanwalt in Mönchengladbach übergeben werden.

Sollten die Täter gefasst werden, hätte Manuela Lambertz daran großen Anteil. "Natürlich bin ich die Dumme, weil ich auf den Trick hereingefallen bin." Trotzdem erstattete die 63-Jährige, als sie erst nach Monaten stutzig wurde, umgehend Anzeige. Das es dazu überhaupt gekommen ist, ist ein Zufall.

In einem Mönchengladbacher Reisebüro traf sie vor wenigen Tagen befreundete Eheleute. Auch die Mönchengladbacher waren zu der Verkaufsveranstaltung gekommen, und auch sie zögerten nicht, zuzugreifen. "Wir kamen schnell auf das Luxmeter zu sprechen und waren uns einig, dass das Gerät eigentlich nichts bringt", sagt Lambertz. Sie wurde neugierig und ließ das Gerät von ihrem Elektriker prüfen, der den Schwindel sofort bemerkte. Als Lambertz das erfuhr, schämte sie sich. Statt aber zu schweigen, ging sie zur Polizei. "Ich habe kein Problem damit, meine Geschichte zu erzählen", sagt sie. "Nur so kann man andere Leute vor denselben Fehlern bewahren."

(RP)