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Kreis Viersen: Beratung: Ausweg aus der Spielsucht

Kreis Viersen : Beratung: Ausweg aus der Spielsucht

Die Zentrale der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe in Viersen berät abhängige Menschen. Die Zahl der Süchtigen wächst.

Der gelegentliche Zeitvertreib des Spielens ist für viele Menschen eine Sucht. Nach Angaben der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe (KRH) spielen etwa zehn Prozent der Bürger im Kreis, im Alter zwischen 15 und 65 Jahren, regelmäßig um Einsätze von mehr als 50 Euro. Dazu zählt das Zocken am Automaten in Spielhallen genauso wie Lotteriespiel und Sportwetten.

Suchtgefahr hänge "von der Situation und persönlichen Umständen ab. Es handelt sich auch nicht um eine klassische Sucht, sondern eher um eine Störung der Impulskontrolle", sagt Reiner Lennertz, Leiter der KRH. Die Folgen seien häufig fatal: Verschuldung, Familienprobleme bis zur sozialen Isolation. "Einige begehen Straftaten, um finanzielle Probleme auszugleichen", sagt Dietmar Lufen. Er ist Koordinator für Suchtvorbeugung.

Für viele seien die Verlockungen der Spielhallen auf lange Sicht ein Problem. Pseudoseriöse Angebote verführten viele Spieler, so Lufen: "Die Leute suchen hier ihr Glück. Ihnen wird vorgegaukelt, dass sie etwas gewinnen können. Doch in Wirklichkeit machen die meisten ein Verlustgeschäft." Längst lockten Betreiber mit angenehmem Ambiente und kostenlosem Frühstück. Spielhallen seien selten noch nebelige Spelunken, meint Lufen. Etwa 20 Prozent der Spielhallenbesucher seien heute weiblich, vor zehn Jahren waren es drei Prozent.

Verführen ließen sich Menschen aller sozialen Schichten. Ursache: Stress bei der Arbeit oder im Privatleben, die Suche nach einem Glücksmoment. "Das ist der Weg in die Hölle. Wer sein Monatsgehalt verzockt hat, kommt vier Wochen später wieder, um es sich zurückzuholen. Er verliert wieder und wieder", sagt Lufen. Die Folgen seien Eheprobleme, Jobverlust oder schwerwiegende Depressionen.

Kamen 2011 noch 48 Spielsüchtige zur Beratung der KRH, waren es vergangenes Jahr 68 Menschen, darunter zunehmend Jugendliche. Das Internet verführe sie, es gingen aber auch Jugendliche in die Spielhalle. Ordnungsämter hätten zu wenig Personal, um das Jugendschutzgesetz anzuwenden, sagt Lufen. So setzt die KRH stark auf Prävention. Mit Elternabenden und Veranstaltungen an Schulen möchte sie Erwachsene und Kinder sensibilisieren und auf Gefahren aufmerksam machen. "Eltern sollten ihren Kindern das Spielen nicht grundsätzlich verbieten, sonst machen sie es heimlich. Sie sollten ihre Kinder aber begleiten oder technische Zugriffsbeschränkungen nutzen", empfiehlt Lennertz. Menschen mit Spielsucht berät die KRH. Auch Angehörige können um Hilfe bitten, denn sie haben oft erheblich mitzuleiden. Es gibt Einzel- und Gruppentherapien, Paar- und Familiengespräche, Selbsthilfegruppen oder die Vermittlung einer stationären Behandlung. Spielsüchtige sollen ihre Verhaltenskontrolle zurückgewinnen und lernen, im Alltag mit den Impulsen umzugehen. "Es gibt Leute, die nehmen einen anderen Weg zur Arbeit, um nicht an ihrer alten Spielhalle vorbeizukommen. Andere gehen in die Muckibude oder regelmäßig in die Kirche, um Stress abzubauen", erklärt Lufen.

Eine Heilungsgarantie gebe es nicht. Vieles hänge von der Motivation des Betroffenen ab. "Wer aus eigenem Antrieb zu uns kommt, bei dem stehen die Chancen gut, dass er die Sucht in den Griff bekommt", sagt Dietmar Lufen.

(RP)