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Beirat der unteren Naturschutzbehörde stimmt Umzug des Kletterwalds nach Nettetal zu

Kreis Viersen : Beirat stimmt für Umzug des Kletterwalds

Eine Hürde für den Umzug des Viersener Kletterwalds in die Hinsbecker Heide in Nettetal ist genommen. Jetzt wartet Betreiber Jörg Brockes auf das Ergebnis der Artenschutzprüfung im Juni.

Der Beirat der unteren Naturschutzbehörde hat am Montagabend den Weg für einen Umzug des Kletterwalds Niederrhein von den Süchtelner Höhen in Viersen in die Hinsbecker Heide in Nettetal geebnet. Der Beirat stimmte der „naturschutzrechtlichen Befreiung“ bei einer Gegenstimme zu. Damit könnte der Kletterwald möglicherweise schon im kommenden Jahr umziehen.

Bislang sprach gegen die Umzugspläne, dass der neue Standort zum Landschaftsschutzgebiet „Netteniederung und Hinsbecker Höhen“ gehört, für das ein Bauverbot gilt. Für den Kletterwald auf dem 1,7 Hektar großen Gebiet müssten noch Toiletten und ein Kassenraum gebaut werden.

Das Sturmtief Friederike und die Borkenkäfer haben dem Kletterwald an seinem jetzigen Standort auf den Süchtelner Höhen böse zugesetzt. „Gut 80 Prozent der Bäume sind zerstört“, sagte Betreiber Jörg Brockes vor dem Beirat.

Den neuen Standort in der Hinsbecker Heide suchte Brockes auch deshalb aus, weil dort bereits „eine Infrastruktur“ vorhanden ist. Auf dem Gebiet befinden sich Sport- und Tennisplätze, die Zirkus-Jugendherberge und das Sport- und Erlebnisdorf Hinsbeck. Ein Parkplatz mit rund 180 Stellplätzen ist vorhanden. Wegen Lagerräumen sei er im Gespräch mit der Jugendherberge, sagte Brockes. „Außerdem fahren von der Jugendherberge und vom Landessportbund viele Besucher mit Bussen zu uns. Inzwischen ist die Busfahrt teurer als der Kletterwald-Besuch“, erklärte der Betreiber. Diese Fahrerei würde entfallen.

Naturgebiete wie die Krickenbecker Seen würden vom Kletterwald nicht berührt. „Die geplanten Parcours beginnen an einem zentralen Startpunkt und führen am Ende auch dahin zurück“, sagte Brockes. „Sie gehen nicht in Richtung der sensiblen Biotope.“

Die Stadt Nettetal befürwortete den Umzug. Der Kreis Viersen empfahl in seiner Beschlussvorlage ebenfalls die Befreiung „aus Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses“ – auch um den Kletterwald überhaupt im Kreis Viersen zu halten.

Horst Meister vom BUND sprach sich gegen die Befreiung aus. Die Nutzung als Kletterpark mit ihrem Publikumsverkehr schade der Qualität des Waldes. Der Wald auf den Süchtelner Höhen sei abgenutzt. Dies sei nicht allein das Werk des Borkenkäfers. „Es wird als öffentliches Interesse dargestellt, aber es ist ein wirtschaftliches Interesse. In diesem Beirat betreiben wir nicht Wirtschaftsförderung, sondern Naturschutz“, sagte Meister.

Tilo Dilthey, Vertreter des Waldbauernverbandes, konnte dagegen ein öffentliches Interesse darin sehen, dass Kinder und Jugendliche durch das Klettern ein Naturerlebnis erhielten. „Das Gebiet ist durch seine Nutzung beeinträchtigt. Es kann nicht viel schlimmer werden“, sagte Peter Kolsborn vom Naturschutzbund (Nabu). Er fragte nach den Ausgleichsplanungen.

Als Ausgleich kann sich Ulrich Eckert von der Stadtplanung Nettetal zum Beispiel eine Aufwertung in anderen Teilen des Gebiets vorstellen. „Denkbar ist eine Maßnahme an den Krickenbecker Seen oder die Ausfichtung eines Waldstücks, weil besonders die Fichten vom Borkenkäfer bedroht sind und sie es auf unseren sandigen Böden schwer haben. Stattdessen könnte man dort Laubbäume pflanzen.“

Nach der Zustimmung des Beirats steht nun noch die Artenschutzprüfung aus. Brockes hatte sie bereits in Auftrag gegeben. Das Ergebnis der Biologischen Station Krickenbecker Seen wird für Juni erwartet. „Wenn der Artenschutz gewahrt ist, können wir danach die Baugenehmigung beantragen“, sagte der Betreiber. Er hofft, dass er im kommenden Jahr umziehen kann. „Es wäre natürlich ein Traum, die Saison 2020 schon in Nettetal eröffnen zu können. Realistischer ist aber, dass wir in der Saison 2020 umziehen. Das wäre auch schon gut.“