Inklusion in Brüggen Ein Netzwerk für Behinderte

Brüggen · Die Behindertenbeauftragten der Burggemeinde wollen dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderungen in Brüggen stärker in den Blick genommen werden. Ein Inklusionsbeirat könnte helfen, ihre Interessen zu vertreten.

 Die Behindertenbeauftragten der Burggemeinde, Andrea Hanisch (l.) und Karl-Heinz Kellerhoff (r.) stellen mit Jörg Rodeike vom NRW-Kompetenzzentrum „Selbstbestimmt Leben“ das Programm für das Netzwerktreffen vor.

Die Behindertenbeauftragten der Burggemeinde, Andrea Hanisch (l.) und Karl-Heinz Kellerhoff (r.) stellen mit Jörg Rodeike vom NRW-Kompetenzzentrum „Selbstbestimmt Leben“ das Programm für das Netzwerktreffen vor.

Foto: Sroka, Birgit (bigi)

Die Behindertenbeauftragten der Gemeinde Brüggen wollen die Arbeit für Behinderte im Gemeindegebiet auf mehr Schultern verteilen. Für Dienstag, 4. Dezember, 15.30 Uhr, planen sie ein Netzwerktreffen im großen Sitzungssaal des Brüggener Rathauses. Dort soll auch darüber gesprochen werden, ob in Brüggen ein Inklusionsbeirat gegründet werden kann, der künftig die Interessen behinderter Menschen in der Gemeinde vertritt. Zum Netzwerktreffen sind nicht nur Menschen mit Behinderungen aus der Burggemeinde willkommen, sondern auch aus den Nachbargemeinden, ebenso Angehörige und Vertreter aus Verwaltung, Kirche und Politik. Der Sitzungssaal ist über einen Aufzug zu erreichen.

Ein Inklusionsbeirat könnte beispielsweise bei der Planung von öffentlichen Gebäuden oder Vorhaben in der Stadt beraten. In den Bereichen Kultur, Tourismus, Sport, Freizeit und Wohnen rechne man häufig nicht mit den Schwierigkeiten Behinderter, betonen die Behindertenbeauftragten der Burggemeinde, Karl-Heinz Kellerhoff und Andrea Hanisch. So könnten Behinderte Angebote oft nur schlecht oder gar nicht wahrnehmen. Hanisch gibt ein Beispiel: „Wenn ein Gebäude zwar einen Aufzug für Behinderte hat, die Tür dorthin sich aber nicht automatisch öffnet, braucht der Rollstuhlfahrer Hilfe, um überhaupt zum Aufzug zu gelangen.“ Kellerhoff zufolge seien Geschäfte so gut wie nie gekennzeichnet, so dass man nicht wisse, ob die Mitarbeiter auf Wunsch eine mobile Rampe an der Tür auslegen könnten.

Kellerhoff und Hanisch sind im kommenden Jahr zehn Jahre aktiv. Kellerhoff möchte sich künftig mehr um die Beratung behinderter Menschen kümmern können. Deshalb hofft er, die Interessensvertretung auf eine breitere Basis stellen zu können. Als Berater hat sich Jörg Rodeike vom NRW-Kompetenzzentrum „Selbstbestimmt Leben“ angekündigt. Er will bei dem Netzwerktreffen am 4. Dezember erklären, welche Möglichkeiten etwa die Gründung eines Inklusionsbeirats mit sich bringen würde. Neben Rodeike haben Hanisch und Kellerhoff auch Vertreter der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle (Kokobe) des Landschaftsverbands Rheinland, Vertreter des Seniorenstützpunkts, der Lebenshilfe, der Selbsthilfe-Informationsstelle BIS, des Vereins Gesundheits- und Behindertensport Nettetal, der Jedermannhilfe Brüggen, des Deutschen Roten Kreuzes, des Jugendzentrums Second Home, der Multiple-Sklerose-Gruppe, des Sozialverbands VdK und Heinrich Arens vom Gesundheitszentrum in Brüggen eingeladen.

Bei dem Treffen sollen die Teilnehmer einen Überblick über die rechtlichen Grundlagen erhalten, ebenso Vorschläge für eine Satzung des Inklusionsbeirats und Ideen, welchen Aufgaben sich der Beirat künftig widmen kann. Rodeike hofft, dass viele Interessierte kommen, die auch bereit sind, sich einzubringen. Kellerhoff beschreibt das Ziel des Netzwerks so: „Behinderte Menschen als gleichberechtigte Partner mit einbeziehen und in den Bereichen Arbeit, Freizeit, Sport und Bildung inklusive Angebote für das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen etablieren.“

Ein Inklusionsbeirat hätte den Vorteil, dass Vertreter des Beirats in die Fachausschüsse des Gemeinderats entsandt werden könnten. „Wir müssten dann auch darüber diskutieren, ob der Gemeinderat einen Inklusionsausschuss einrichten könnte, der Beschlusskraft hat“, so Kellerhoff. Ein Inklusionsbeirat würde eine Geschäftsführung aus der Verwaltung erhalten, die auch die Sitzungen leiten würde. In den Beirat könnten Fachleute oder Behinderte oder deren Angehörige gewählt werden. „Die Behinderten sollen sich selber einbringen und ihre Chancen nutzen“, so Kellerhoffs Wunsch. Man müsse abwägen, was für den Ort am besten wäre, um alle Interessen ausreichend zu vertreten, erklärt Rodeike. Etwa die Hälfte aller Kommunen in NRW hätten Behindertenbeiräte. Viele Arten von Behinderungen würden häufig nicht berücksichtigt. Es gebe nicht nur körperliche Behinderungen, auch Menschen mit Suchtbehinderungen oder chronischen Erkrankungen müssten vertreten werden.

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