Viersen: Baustart für Viersens grünstes Quartier

Viersen: Baustart für Viersens grünstes Quartier

Mit Verzögerung startete gestern der Bau von Viersens ökologischstem Wohnquartier. Modernster Passivhausstandard, Wärmepumpen, Photovoltaik, Batteriespeicher und E-Mobilität gehören zum Konzept der Klimaschutzsiedlung

Das Warten hat ein Ende: Gestern gab's den offiziellen Spatenstich für Viersens grünste Wohnsiedlung. Die Wohnungsgenossenschaft Viersen errichtet citynah im Dreieck Krefelder Straße/Oststraße/Hülsdonk drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 48 Wohnungen. So weit, so normal. Das Besondere an dem Zehn-Millionen-Euro-Projekt sind die Bautechnik und die Energieversorgung.

Foto: Franz-Heinrich Busch

"Die Gebäude werden als Passivhäuser errichtet, die Beheizung und Warmwasseraufbereitung erfolgen über ein System aus Solarflächen, Photovoltaik und Erdwärme", erklärt Heinz Fels, Geschäftsführer der Genossenschaft. "Die Maßnahme erfüllt die Standards des KfW-Effizienzhaus 40plus." Das gefiel auch Andreas Gries von der Energieagentur NRW, die die neue Siedlung als eine von 100 Klimaschutzsiedlungen in NRW anerkannt hat.

"Während der Planungsphase haben sich die Fördervorgaben verändert, das hat zu Verzögerungen beim Baustart geführt", erklärte Fels. Eigentlich wollte die Genossenschaft bereits im vergangenen Sommer mit dem Bau beginnen. Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) freute sich über den Baustart. "Wir brauchen in Viersen Wohnraum, insbesondere Geschosswohnungsbau." Das große Plus der Siedlung - neben dem Klimaschutz - sei die zentrumsnahe Lage.

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Auf dem Gelände standen bereits in der Vergangenheit Mehrfamilienhäuser der Genossenschaft. "Die waren aus dem Jahr 1908. Und auch wenn wir uns gut mit Sanierungen auskennen, erschien uns ein Abriss ratsamer", erklärt Fels. Nicht zuletzt, weil die alten Häuser nur über mehrere Treppenstufen zu erreichen waren. Die drei neuen Wohnkomplexe beginnen ebenerdig - auf einen Keller wurde wegen der Grundwassersituation verzichtet - die Bewohner werden Aufzüge nutzen können. "Die Wohnungen sind barrierearm." Vom Erdgeschoss bis ins zweite Obergeschoss soll sich eine große Batterieanlage ziehen, die den solar erzeugten Strom für die Nacht speichert. Die Genossenschaft ist zuversichtlich, dass so viel Strom produziert wird, dass daraus auch ein oder zwei Elektrofahrzeuge gespeist werden können. "Die wollen wir den Bewohnern in einem Carsharing-Modell zur Verfügung stellen", erklärte Vorstandsmitglied Georg Maria Balsen. Das E-Auto soll in einer gläsernen Garage geparkt werden. Im Foyer soll es eine Bücherecke geben, regelmäßige Lesungen mit Gedankenaustausch sind geplant. "Wir verfolgen die Idee, Gemeinsamkeit zu fördern und auch Vereinsamung entgegenzuwirken", sagt Fels.

Ganz billig wird das Wohnen in der Klimaschutzsiedlung nicht: Aktuell geht die Genossenschaft von einer Brutto-Warm-Miete ohne Nebenkosten von acht Euro pro Monat und Quadratmeter aus. Bei den Wohnungstypen gibt es eine reiche Bandbreite: von der 30-Quadratmeter-Einzimmer-Wohnung bis zur Vier-Zimmer-Wohnung mit separatem Eingang und Garten. Und: Auch so genannte Satellitenwohnungen werden angeboten, die auf derselben Etage liegen wie die Hauptwohnung und aus einem Raum bestehen - beispielsweise, wenn die Kinder flügge werden, das ältere Ehepaar eine Pflegekraft braucht oder ein Selbstständiger ein Büro.

Die Nachfrage sei sehr gut, berichtet Fels: "Für mehr als 80 Prozent der Wohnungen gibt es bereits Interessenten. Einige haben bereits die Mitgliedschaft zur Genossenschaft erworben, um ihrem Wohnungsinteresse Nachdruck zu verleihen." Und wann können die Mieter einziehen? Fels: "Wir streben den 1. Juni 2018 an."

(mrö)