Bauern im Kreis Viersen bieten auf ihren Höfen Lebensmittel aus Speiseautomaten an

Trend bei den Bauern : Fleisch, Obst und Milch aus Automaten

Immer mehr Bauern im Kreis Viersen bieten auf ihren Höfen Lebensmittel aus Speiseautomaten an. Das bietet ihnen und den Kunden Vorteile — etwa eine Unabhängigkeit von den Öffnungszeiten. Die Preise unterscheiden sich kaum.

Der Frühling ist da und damit auch die Grillsaison. Doch was tun, wenn die Freunde am Sonntag spontan zum gemeinsamen Grillnachmittag kommen und der Kühlschrank leer ist? Eine mögliche Lösung im Grenzland lautet: Speiseautomaten. Normalerweise findet man in Verkaufsautomaten eher kleine Chipstüten, Gummibärchen, Getränke oder sonstige Snacks, doch seit einiger Zeit bieten auch vor allem Bauern auf diesem Weg ihre Waren an.

Ein Beispiel ist der Landwirt Willi Steffens. Er besitzt seit September 2017 einen Verkaufsautomaten für Fleisch und Gemüse auf seinem Pötterhof in Brüggen. Vor allem an Feiertagen und im Sommer brumme das Geschäft um seinen Automaten, berichtet er. „Der Automat wurde super angenommen und ist ein perfekter Nebeneffekt für alle Kunden, die sich den Hof und die Tiere anschauen. Die Kunden wollen mit einer Belohnung nach Hause gehen“, sagt Steffens. Das Besondere auf seinem Hof: Direkt neben dem Automaten befindet sich ein Fenster durch das, die Besucher die Ferkel und Schweine beobachten können, erzählt Steffens.

Laut Steffens gebe es deswegen immer mehr dieser Automaten, weil viele Höfe zu weit außerhalb lägen und zu wenig Kundschaft vorbeikomme, um einen Hofladen zu eröffnen. „Ein Automat bietet sich unter diesen Umständen perfekt an“, sagt Steffens. „Preislich bleibt die Ware gleich zu den Produkten im Discounter.“

Das bestätigt auch Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Viersen. „Dafür können Landwirte aber rund um die Uhr Produkte anbieten, auch wenn alle anderen Geschäfte schon geschlossen haben“, sagt er. Und so steige eben auch die Anzahl der Verkaufsautomaten. Egal ob Grillfleisch, Milch, Eier oder Gemüse – die Vielfalt werde ebenfalls stetig größer.

Verkaufsspeiseautomaten in Viersen. Foto: RP/Podtschaske , Alicia

Das zeigt auch der Frucht- und Gemüsehof Janssen in Viersen: Dort setzt man seit Anfang April auch auf einen Automaten. Kunden können daraus Tomaten und Erdbeeren kaufen. Auch der Hof der Familie Brocker in Dülken und die Oedter Metzgerei Schäfer verkaufen ihre Waren aus diesen Maschinen. Familie Brockers berichtet allerdings, dass sie vor allem „in der Anfangszeit von der Sensation um den Automaten profitiert“ habe. Langfristig habe sich das Interesse der Kunden eingependelt, und der große Ansturm sei vorbei.

Kreisbauernschaft-Vorsitzender Küskens selbst findet die Automaten grundsätzlich „gut“, wie er berichtet. „Die direkte Vermarktung und der 24-Stunden-Service bieten sowohl für die Bauern, als auch für die Kunden einen absoluten Vorteil“, sagt der Landwirt. Dabei seien die Lage und das Sortiment besonders ausschlaggebend für den Erfolg der jeweiligen Automaten, erklärt Küskens.

Speiseautomaten im Grenzland gebe es übrigens bereits etwa seit zehn Jahren. Sie funktionieren wie die bekannten Verkaufsautomaten: Der Kunde wirft sein Geld ein, und kurze Zeit später kommt das Fleisch, Eier, Tomaten oder sogar Erdbeeren heraus. Im Grenzland entwickelt sich daraus aktuell sogar ein kleiner Trend.

Laut Landwirt Küskens ist besonders der Sommer perfekt für den Verkauf durch Automaten. Die Grillsaison und die immer länger werdenden Tage würden dazu einladen, sich an einem der Verkaufsautomaten zu bedienen. Das sei auch wichtig, betont er. Denn: „Aufgrund der hohen Unterhaltungskosten müssen die Automaten auch zum Umsatz beitragen“, sagt Küskens. Außerdem gerieten die Kunden mehr in den Kontakt mit den Tieren, und ein anderes Bewusstsein für die Produkte entstehe.

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