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Ballettschule Schulz aus Viersen mit Aufführungen am 12. Juni

Ballett in Viersen : Tänzerinnen dürfen endlich auf die Bühne

Am Samstag, 12. Juni, führt die Ballettschule Schulz ihre Gala „Esperanza“ auf. Dafür wurde lange geprobt — auch online. Zwei Vorstellungen sind geplant, es gibt noch Karten.

„Wenn wir auf der Bühne stehen, sehen die anderen Leute, dass wir noch leben“. Wer das sagte, ist eine sechsjährige Ballettschülerin von Annette Schulz aus Boisheim. Egal ob vier, sechs oder 65 Jahre alt, alle Schülerinnen von Annette Schulz haben unter den Corona-Maßnahmen gelitten. „Ich hatte das Gefühl, meine Sprache verloren zu haben“, so beschreibt es die Leiterin der Ballettschule. Schulz‘ Sprache ist die des Tanzes. Aber gleichzeitig wusste sie: „Nur weil ich mich sprachlos fühle, darf ich nicht aufhören, in meiner Sprache zu reden.“ Doch allein tanzen um des tanzens willens, das reicht nicht. „Ohne die Bühne ist das sinnlos: wir wollen zeigen, dass es uns noch gibt, “ sagt Schulz. Also hat die Ballettschulleiterin Ende des vergangenen Jahres begonnen, das Stück „Esperanza“ zu entwickeln und mit 35 ihrer Schülerinnen zu choreografieren. Dieser Hoffnungsschimmer sei wie ein spürbarer Ruck durch die Schülerinnen gegangen.

„Esperanza“ – Hoffnung – so lautet folgerichtig der Titel der Ballettgala, die am Samstag, 12. Juni, um 12.30 Uhr und 16.30 Uhr auf dem Gelände der Firma Ropa Maschinenbau am Wiemenweg 14 in Boisheim unter den bekannten Corona-Schutzmaßnahmen aufgeführt werden wird. „Das Thema ist Corona: was haben wir vermisst? Was hat besonders gefehlt? Was hat uns berührt?“, erläutert Schulz. Zu den Emotionen wie Hoffnung, Liebe, Treue und Tod entwickelte sie 20 sehr unterschiedliche Choreografien zu klassischer Musik wie der von Mozart, aber auch zu einem Beatles-Stück oder zu „Das kleine Glück“ von Max Raabe.

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Corona hat die Schule schwer getroffen. Am 3. März 2020 sollte das Jubiläumsjahr zum 30-jährigen Bestehen der Ballettschule beginnen. Annette Schulz steckte voller Ideen und Pläne. Und dann kam der Lockdown. Eine Woche sei sie regelrecht stumm gewesen, erzählt Annette Schulz. Dann habe sie mit Whatsapp-Filmchen für die Schülerinnen begonnen und sich mit Hilfe ihres 14-jährigen Enkels in den Online-Unterricht vorgearbeitet. Alle Stunden gingen weiter, nur eben online. Und es klappte: „Man merkte wie es den Teilnehmerinnen Spaß und Freude machte, es entstand eine Art Gemeinschaft mit eigenen Ritualen.“ So wurde jede Teilnehmerin am Anfang namentlich von allen begrüßt und am Ende wurde noch ein wenig geschwätzt.

Während des eigentlichen Unterrichts tanzte eine Schülerin in der Ballettschule live vor, während die Teilnehmerinnen mit abgeschaltetem Mikrofon mittanzten und Annette Schulz am Bildschirm jede Einzelne in Flur, Wohn- oder Kinderzimmer intensiv beobachtete, begleitete und korrigierte. Sie lässt sich nicht täuschen und merkt, ob eine Schülerin mit oder ohne Einsatz ihrer Muskelanspannung arbeitet. Ein hoch personalisierter und disziplinierter Unterricht fand auf diese Weise statt. „Ich bin Lehrerin, keine Vorturnerin“, beschreibt Schulz ihre Funktion.

Auch wenn die vergangenen 14 Monate für die Schule, die keine neuen Schüler requirieren konnte, auch unter ökonomischen Gesichtspunkten ausgesprochen hart war, hat Annette Schulz die Hoffnung nicht aufgegeben. „Wir haben gelernt, Hoffnung zu haben und unsere Sprache wiederzufinden“, fasst sie zusammen.

Karten für die Aufführungen an diesem Samstag gibt es telefonisch im Vorverkauf unter Telefon 02153 5612; sie können aber auch noch vor Ort erworben werden. Der Eintritt kostet 25 Euro.