Bäckereien mit eigenem Café im Kreis Viersen können an Sonntagen länger öffnen

Bäcker im Kreis Viersen : Längere Sonntagsöffnung ändert wenig

Bäckereien mit eigenem Café können an Sonntagen länger öffnen und Backwerk verkaufen. Das erlaubt ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs. So reagieren Bäcker im Kreis Viersen auf die höhere zeitliche Flexibilität.

Wer bisher am Sonntag in ein knackiges Bäcker-Brötchen beißen wollte, musste schnell sein: Bisher durften Bäckereien an diesem Tag nur stundenweise Brot und Börtchen verkaufen -– anders als etwa Tankstellen oder Büdchen. Doch ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs schafft für Bäcker neue Möglichkeiten: Wer eine Bäckerei mit Café betreibt, darf den gesamten Sonntag über Backwaren verkaufen.

Insbesondere die Bäcker-Innung hatte die bisherige Regelung als Nachteil bewertet. „Die Sonntagsöffnung ist für die Bäcker sehr wichtig“, sagt Erich Lehnen, Bäckermeister aus Brüggen und stellvertretender Obermeister der Bäcker-Innung für Krefeld, Viersen und Neuss. Er habe es nie verstanden, warum Tankstellen sonntags länger öffnen durften als Bäcker und sei froh, dass sich dies nun erledigt habe. Lehnen selbst öffnet sein Café schon seit vielen Jahren an Sonntagen.

Mehr als 430 Filialen gehören zurzeit zum Unternehmen Kamps mit Sitz in Schwalmtal: „Wir bei Kamps begrüßen das neue Urteil, weil es die Wettbewerbsfähigkeit für das Backhandwerk stärkt“, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. Kunden hätten damit die Möglichkeit, frisch gebackene Brötchen und Backwaren auch am Sonntagnachmittag zu genießen. Im Kreis Viersen haben von den dortigen zwölf Bäckereien vier auch an Sonntagen geöffnet, darunter auch eine Filiale in der Stadt Viersen. „Als selbständige Unternehmer legen unsere Franchise-Partner ihre Öffnungszeiten im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben selbst fest“, so die Kamps-Sprecherin. Die Öffnungszeiten variierten je nach Bundesland und Standort. An Bahnhöfen und Flughäfen würden ja bereits heute längere Öffnungszeiten auch an Sonn- und Feiertagen möglich sein.

Doch wie nutzen die anderen Bäcker im Kreis Viersen die größere zeitliche Flexibilität, was ändert sich für die Kunden?

Bei der Landbäckerei Oomen ändert sich gar nichts. „Es bleibt alles, so wie es ist“, sagt Bäckermeister Manfred Oomen. Denn schon heute sind die Oomen-Filialen sonntags länger geöffnet. Das Burg Café Brüggen ist von 8 bis 18 Uhr geöffnet, in Lobberich von 7.30 bis 17 Uhr und in Kaldenkirchen von 7.30 bis 18 Uhr. Die Bäckerei Schneider aus Elsdorf unterhält 114 Filialen. In den meisten Fällen handele es sich um kleinere Filialen, für die sich eine längere Öffnung eher nicht lohne. In anderen Bäckereien wird noch hin- und her überlegt. Längere Öffnungszeiten bedeuten Mehreinnahmen, aber auch Lohnkosten. Da muss eine genaue Kosten-Nutzen-Rechnung für jeden einzelnen Standort gemacht werden. Eine weitere Schwierigkeit ist die Personalsuche. Je mehr am Wochenende gearbeitet werden muss, desto schwieriger gestaltet sich für die Betriebe die Suche nach neuen Arbeitskräften.

Sonntags öffnen? Fred Junglas, Inhaber des Café Franken in Viersen-Süchten, schüttelt den Kopf. „Das machen wir seit 14 Jahren nicht mehr.“ In Süchteln sei zu wenig los gewesen, deshalb sei Sonntag Familientag. Ähnliche Erfahrungen gibt es bei der Bäckerei Hubert Berns, zu der acht Filialen, unter anderem in Viersen, Grefrath, Kempen und Krefeld, gehören. „Wir haben nur an der Hardter Straße 221 sonntags geöffnet“, sagt Mitarbeiterin Selma Erker. In der Viersener Fußgängerzone habe man die Sonntagsöffnung wieder aufgegeben, es habe sich nicht gelohnt.

Auch Norbert Achten, Chef der Bäckerei Achten mit sechs Filialen etwa in Niederküchten-Elmpt, Brüggen und Viersen-Boisheim, wird die neue Regelung nicht nutzen. „Wir haben in Brüggen bereits bis 17 Uhr, in Elmpt bis 18 Uhr geöffnet“, sagt Achten. Dies lohne sich, in Brüggen insbesondere im Sommer, wenn viele Touristen kämen. Mehr plane er nicht.